Gewalt in Fußballstadien: Friedrich droht mit Abschaffung der Stehplätze

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will gegen Gewalt in den Fußballstadien vorgehen. Er warnt die Fans: Sollten sie nicht vernünftig werden, sei ein Abschaffen der Stehplätze denkbar. Von den Vereinen erwartet der CSU-Politiker ein einheitliches und klares Regelwerk.

Relegationsspiel Düsseldorf gegen Hertha: Feurige Proteste Berliner Fans Zur Großansicht
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Relegationsspiel Düsseldorf gegen Hertha: Feurige Proteste Berliner Fans

Göhren-Lebbin - Es ist eine Warnung des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) an die Hooligans in den Fußballstadien: Er droht den Fans mit dem Verbot von Stehplätzen. Wenn diese nicht vernünftig würden, bleibe nichts anderes übrig als das Thema Stehplatzverbot auch umzusetzen, sagte der CSU-Politiker zu Beginn der Innenministerkonferenz am Mittwoch im mecklenburgischen Göhren-Lebbin.

In anderen europäischen Ländern, etwa der englischen Premiere League, sei man diesen Schritt bereits gegangen. "Als Fußballfan hoffe ich, dass es nicht so kommt, dass es in Deutschland wie in anderen Ländern bald nur noch Sitzplätze in den Stadien gibt", sagte der CSU-Politiker. An die Adresse der Fußball-Anhänger sagte er, entscheidend sei bei allem: "Die Fans haben es selber in der Hand!"

Zuletzt war es bei dem Relegationsspiel zwischen den Vereinen Herta BSC Berlin und Fortuna Düsseldorf zu chaotischen Szenen gekommen. Fans entzündeten immer wieder Feuerwerkskörper, Hunderte Menschen stürmten vor dem Abpfiff auf das Spielfeld. Die Berliner hatten wegen der Vorkommnisse Protest gegen die Wertung eingelegt, scheiterten aber sowohl vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) als auch in der Berufung vor dem DFB-Bundesgericht.

"Die Stehplätze gehören abgeschafft"

Friedrich erhöhte auch den Druck auf die Vereine: Er erwarte, dass alle 56 Clubs der ersten drei Fußball-Ligen sich ein einheitliches und klares Regelwerk gäben und dieses bundesweit umsetzten. Es könne nicht sein, dass einige Vereine Fanprojekte und das Thema Sicherheit in Stadien sehr ernst nähmen, während andere augenzwinkernd "so ein bisschen Pyrotechnik und Fankultur" durchgehen ließen. Noch vor Ende der Sommerpause sollen die Vereine ein Handlungskonzept vorlegen.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, hatte bereits hohe Strafzahlungen für Vereine und die Abschaffung der Stehplätze in deutschen Stadien gefordert. "Die Stehplätze gehören abgeschafft, die Zäune erhöht und bei jeder Ausschreitung sollten für den Verein 100.000 Euro fällig werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zuvor hatte sich Friedrich bereits offen für den Vorstoß gezeigt, Hooligans auch mit Hilfe elektronischer Fußfesseln zu kontrollieren. Wenn eine Einigung mit Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über eine Gesetzesänderung möglich wäre, sei er durchaus für eine solche Maßnahme. Generalbundesanwalt Harald Range hatte Fußfesseln als Möglichkeit angeregt, um Krawallmacher von Stadionbesuchen abzuhalten.

heb/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Ach
Shivon 30.05.2012
du meine Kacke... Das schöne an den Stehplätzen ist, dass sie billig sind und man trotzdem gut das Spielverfolgen kann. Wenn sich bestimmte Bürger nicht an die Gesetze des Staates halten können, dann muss da gefälligst der Staat und die Gesellschaft erzieherisch und kontrolliert eingreifen. Man sollte sich überhaupt fragen wieso Menschen so gewaltbereit werden. Bei den Londoner Riots, hat man eiskalt die Täter ( zurecht, wenn auch hart) weggesperrt, aber hat man denn öffentlich eine Diskussion angestoßen wie so ein krasser sozialneid entstehen kann, der dann in Gewalt umschlägt? Das erinnert mich iwie daran, dass man den Müll den man nicht mehr haben will einfach unter die Erde gräbt. Man sieht ihn nicht mehr, aber trotzdem ist er vorhanden. Da gab es doch mal nen Sprichwort: Nicht im Aug, nicht im Sinn oder so.
2.
Sundown 30.05.2012
Zitat von sysopDPABundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will gegen Gewalt in den Fußballstadien vorgehen. Er warnt die Fans: Sollten sie nicht vernünftig werden, sei ein Abschaffen der Stehplätze denkbar. Von den Vereinen erwartet der CSU-Politiker ein einheitliches und klares Regelwerk. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,836129,00.html
Wer straft uns bloß mit solchen Politikern? Wenn man mal einen Vergleich zwischen einem beliebigen Volksfest und den - sagen wir mal - ersten drei Bundesligen in Bezug auf Gewalt ziehen wollte (unter Berücksichtigung der Besucherzahlen); ich bin sicher, der Fußball würde besser abschneiden. Vorausgesetzt, man unterlässt die unredlichen Versuche, Gewalt herbeizureden, indem bereits das Hochhalten einer Seenotrettungsfackel als Mordversuch gewertet wird. Und man rechnet die Verletzten durch Pfefferspray raus (obwohl das wohl schon nicht mehr notwendig wäre). Aber Hauptsache, man hat mal was Strenges gesagt. Ein Machtwort, quasi. Und solche Intelligenzphobiker regieren uns. :(
3.
stesoell 30.05.2012
Zitat von sysopDPABundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will gegen Gewalt in den Fußballstadien vorgehen. Er warnt die Fans: Sollten sie nicht vernünftig werden, sei ein Abschaffen der Stehplätze denkbar. Von den Vereinen erwartet der CSU-Politiker ein einheitliches und klares Regelwerk. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,836129,00.html
Ich erwarte auch, dass Kippen und Alk abgeschafft werden.
4.
hador2 30.05.2012
Ich will ja das Gewaltpotential im Fussball nicht verharmlosen, aber jetzt sind wir doch mal ehrlich: Das in Karlsruhe war Randale, da gibts nichts zu beschönigen, sowas muss aufhören und da muss hart durchgegriffen werden. Das Geschreibsel über Düsseldorf aber ist übertrieben. Klar haben Fans nichts auf dem Platz zu suchen, schon gar nicht vor dem Abpfiff, aber AFAIK gab es da nirgends Randale und die einzigen, die körperliche Gewalt ausübten waren mutmaßlich Herta Spieler. Aus diesen beiden Vorfällen jetzt ableiten zu wollen, dass eine Abschaffung der Stehplätze oder gar das Einführen von elektronischer Gesichtserkennung in Stadien (wie es Herr Wendt ja auch fordert) ist doch ein Witz und hat mit Verhältnismäßigkeit aus meiner Sicht nichts zu tun. Zumal: Das wirkliche Problem mit Gewalt in Stadien hat man nicht in der 1. und 2. Bl. Die echten Probleme gibts 3. Liga abwärts. Da aber kümmert sich kein Schwein drum und der DFB schon dreimal nicht.
5. ... ? ...
einzel haft 30.05.2012
Sind das nicht private Veranstaltungen, die in den Veranstaltern mit allen Risiken und Vorteilen dort verantwortet werden? Warum keine besondere Eilasskontrolle etc.? Und noch etwas, sind das die Probleme.
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