Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung Die AfD rückt nach rechts - ihre Anhänger rücken mit

Wie die Partei, so auch die Sympathisanten: Anhänger der rechtspopulistischen AfD werden laut einer Studie rechter und radikaler. Der Zwei-Jahres-Vergleich ernüchtert.

Landesparteitag der AfD Mecklenburg-Vorpommern
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Landesparteitag der AfD Mecklenburg-Vorpommern

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Mit Hetze gegen Flüchtlinge und anti-islamischen Parolen ist Parteivize Alexander Gauland in der AfD-Spitze in bester Gesellschaft. Längst hat sich die Partei, die einst mit Euro-Kritik angetreten war, die Flüchtlingskrise zu ihrem wichtigsten Thema gemacht - sie positioniert sich klar gegen Zuwanderung und den Islam.

Dieser Wandel spiegelt sich einer neuen Studie zufolge auch in den Einstellungen ihrer Anhänger wider. "Die Anhängerschaft der rechtspopulistischen AfD ist seit unserer letzten Studie nicht nur gewachsen, sondern hat sich - parallel zur Ausrichtung der Partei - auch radikalisiert", sagt Ralf Melzer von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.

Melzer gibt die alle zwei Jahre erscheinende sogenannte Mitte-Studie zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland heraus, und die aktuellen Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: In nahezu allen Dimensionen rechtsextremer und menschenfeindlicher Einstellungen zeigen AfD-Anhänger die mit Abstand höchsten Zustimmungswerte. Unter Wählern etablierter Parteien waren die Tendenzen ebenfalls noch vorhanden, allerdings in geringerem Maße und rückläufig.

Bereits in der 2014 erschienen Studie attestierten die Wissenschaftler AfD-Anhängern eine deutlich rechte politische Gesinnung, die an rechtsextremes Denken grenze. Der Vergleich zeichne nun einen Rechtsruck in den Einstellungen der AfD-Sympathisanten nach, schreiben die Autoren der Studie.

Die Daten weisen aus ihrer Sicht darauf hin, dass sich "durch den Kurswechsel der AfD auch die angesprochene Klientel über die Zeit verändert hat." Deutlich verbreiteter war in dieser Gruppe im Vergleich zu 2014 etwa die Fremden- und Muslimfeindlichkeit, von 33,2 auf 46,5 Prozent beziehungsweise 30,2 auf 43,5 Prozent stieg.

Während solche Positionen zwar große Zustimmung aber keine Mehrheit bei den AfD-Anhängern finden, sieht es bei Flüchtlingen anders aus. Fast drei viertel der AfD-Sympathisanten (73,9 Prozent) werten asylsuchende Menschen ab - vor zwei Jahren waren es noch 56,6 Prozent.

Anders als von den Wissenschaftlern erwartet, führten die Flüchtlingskrise sowie die Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen in der Bevölkerung insgesamt jedoch nur zu einem minimalen Wiederanstieg rechtsextremer und menschenfeindlicher Einstellungen.

Grund zur Entwarnung ist das für die Wissenschaftler allerdings nicht: Auch wenn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung rechtsextreme Positionen vertritt, sind rechte Einstellungen aus ihrer Sicht fest in der Gesellschaft verankert. Jeder fünfte Befragte teilte demnach rechtspopulistische Einstellungen und Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verhältnisse, ein Drittel stimmt einer aggressiven Stimmung gegenüber Zuwanderern zu.

Auffallend sei, "wie sehr rechtspopulistische und rechtsextreme Einstellungen nicht nur eng miteinander verbunden, sondern auch in einigen Dimensionen verwoben sind", schlussfolgern die Autoren. Vor allem menschenfeindliche Einstellungen und Gewaltorientierung lägen teils nicht weit auseinander. Es bereite ihnen außerdem Sorge, dass mancherorts rassistische Hetze und Vorurteile als Meinung offen kommuniziert und akzeptiert werden.

Wie gespalten die Gesellschaft ist, zeige sich im Bezug auf Flüchtlinge. Anders als von Rechtspopulisten und Rechtsextremen propagiert, zeigt sich zwar eine deutlich größere Unterstützung für eine humane Flüchtlingspolitik: Über die Hälfte der Befragten findet es demnach gut, dass Deutschland so viele Flüchtlinge aufnimmt, weitere 24 Prozent zumindest teilweise gut.

Geht es jedoch um die Meinungen über Geflüchtete und politische Maßnahmen - Beispielsweise die Obergrenze für Flüchtlinge -, ist die Gesellschaft uneins. Auch deshalb bringen die Wissenschaftler ihre Studie in diesem Jahr unter dem Titel "Gespaltene Mitte - Feindselige Zustände".


Daten zur Umfrage: Die Studie basiert auf repräsentativen Befragungen, die die Friedrich-Ebert-Stiftung alle zwei Jahre in Auftrag gibt. Die Daten wurden mittels telefonischer Repräsentativbefragung in der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren erhoben. Insgesamt wurden zwischen dem 6. Juni und dem 5. August dieses Jahres 2008 Menschen befragt. Außerdem nutzen die Autorinnen und Autoren vorliegende Datensätze der Friedrich-Ebert-Stiftung aus den Mitte-Studien der Jahre 2006 bis 2014 und Datensätze des Langzeitprojekts "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" (GMF) vom Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) von 2002 bis 2011. Grundlage der Befragung ist ein standardisierter Fragebogen, der Aussagen zu Vorurteilen gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Bevölkerungsgruppen und Gewalteinstellungen umfasst.

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