Machtkampf in der CDU "Nerven blank"

Es brodelt zwischen den Bewerbern um den CDU-Parteivorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz: Nun warnt der parteinahe Wirtschaftsrat, die Kandidaten könnten die Einheit der Union gefährden.

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn
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Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn


Bislang hatte Annegret Kramp-Karrenbauer im Kampf um den Chefsessel der CDU meist versöhnlich gesprochen. Am Wochenende aber platzte der Generalsekretärin der Kragen: "Ein Schlag ins Gesicht der CDU-Mitglieder" nannte Kramp-Karrenbauer den Vorwurf ihres Konkurrenten Friedrich Merz, die Union habe den Aufstieg der AfD "mit einem Achselzucken" hingenommen.

Nun sorgt sich offenbar der CDU-Wirtschaftsrat um die Geschlossenheit der Partei und warnt vor zu scharfen gegenseitigen Attacken der Bewerber um den CDU-Vorsitz, ohne Kramp-Karrenbauer direkt zu kritisieren.

"Wenn sich der Umgangston weiter so verschärft und inhaltliche Diskussionsverbote verhängt werden, wird es auf die Geschlossenheit der CDU nicht ohne nachhaltige Auswirkungen bleiben", sagte der Generalsekretär des Rats, Wolfgang Steiger. Der Wirtschaftsrat vertritt nach eigenen Angaben rund 12.000 Unternehmen.

CDU am "Scheideweg"

Der Wettbewerb der Kandidaten führe die CDU dieser Tage an einen "Scheideweg", warnte Steiger. "Bisher haben sich alle mit gegenseitigem Respekt behandelt, jetzt will man sich falsch verstehen, um einen Vorteil zu ziehen." Wen er mit seinen Mahnungen vor allem meinte, ließ Steiger offen.

Dritter aussichtsreicher Kandidat im Rennen ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er, Kramp-Karrenbauer und Merz stellen sich derzeit in Regionalkonferenzen als potenzielle Nachfolger Angela Merkels der Basis vor. Aktuell ist Halbzeit: Vier davon hat es bereits gegeben, weitere vier folgen in dieser Woche in Böblingen, Düsseldorf, Bremen und Berlin. Entscheiden wird die CDU über den Parteivorsitz auf ihrem Hamburger Parteitag am 7. Dezember.

CDU-Abgeordneter Fischer: Bei AKK "liegen Nerven blank"

Wirtschaftsrats-Generalsekretär Steiger sagte, die Wähler hätten in den vergangenen drei Jahren bei allen Wahlen sehr deutliche Signale gesetzt. "Sie haben aber offensichtlich das Gefühl gehabt, dass ihre große Unzufriedenheit nicht erkannt und verstanden wurde." Es seien mitnichten nur die innere Sicherheit und die Migration, die Unionswähler in verschiedene Richtungen getrieben hätten. "Es braucht also ein inhaltliches und personelles Gesamtangebot, das die CDU wieder zu einer erfolgreichen Volkspartei macht, die mit allen Flügeln glaubwürdig fliegen kann."

Der aus Baden-Württemberg kommende CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Fischer kritisierte Kramp-Karrenbauer wegen ihrer Attacke auf Merz. "Bei Annegret Kramp-Karrenbauer scheinen offensichtlich die Nerven blank zu liegen", sagte er "Bild". "Dass die AfD durch fehlende klare politische Positionen der CDU gestärkt wurde, liegt doch auf der Hand. Somit hat Friedrich Merz einen Nerv getroffen, und die CDU-Generalsekretärin heult auf."

Auch andere CDU-Politiker verteidigten Merz, räumten aber zugleich Versäumnisse ein. "Wir haben die AfD natürlich ernst genommen, aber nicht immer ernst genug", sagte Innenstaatssekretär Günter Krings der "Rheinischen Post". Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sagte der Zeitung: "Wir haben die Gewinne der AfD ganz sicher nicht gleichgültig akzeptiert, schon eher haben wir mit viel Herzblut nicht immer die richtigen Rezepte eingesetzt."



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cht/dpa



insgesamt 54 Beiträge
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dirkcoe 26.11.2018
1. Ich habe den Eindruck
das alle drei Kandidaten durch ihre Auftritte bereite verbrannt sind für den Vorsitz der CDU - ganz zu Schweigen von einer möglichen Kanzlerkandidatur. Aber da waren doch auch noch andere Kandidaten? Warum vergessen wir jetzt nicht diese drei Büttenredner - und schauen uns die anderen Kandidaten an?
claus7447 26.11.2018
2. So anstrengend ist Demokratie
Was lächelten CDU Mitglieder früher über interne wahlkämpfe und Abstimmungen bei den Grünen. Was wird über die aktuelle SPD gelästert. Jetzt merkt die CDU wie anstrengend es sein kann wenn Basis Demokratie umgesetzt wird. Ungewohntes Terrain. Ob der/die bessere siegt wird sich noch herausstellen, das altersspektrum der Partei ist entscheidend.
fatherted98 26.11.2018
3. Einheit der Union?
....es gilt eine Wahl zu treffen...da müssen sich die Kandidaten schon mal unterscheiden.....und Kontroversen sollten die Demokratie anregen und nicht gefährden. Wenn die Union noch nicht mal so mäßig unterschiedliche Meinungen aushalten kann....sollten sie sich halt einen König/in auf Lebenszeit wählen....dann hat es sich mit den lästigen Wahlen.
s.l.bln 26.11.2018
4. Sieh an
Der Wirtschaftsrat(!) sorgt sich also um die Chancen seines Berwerbers Merz und beklagt, daß man den absichtlich falsch verstehen wolle. Vielleicht hätten sie ihren Wunschkanzler instruieren sollen, daß er bis zur nächsten Wahl unablässig weiter Kreide nascht. Das hatte ja anfangs ganz gut funktioniert. Jetzt ist er blöderweise in seinen alten Talkshowmodus verfallen und redet sich um Kopf und Kragen. Fragt sich, wessen Nerven hier blank liegen. Die von AKK, wie behauptet, eher nicht, denn sie ist im Aufwind und kann gelassen auf den nächsten Fettnapf warten, den Merz sich sucht.
unaufgeregter 26.11.2018
5. Dampf im Kessel
Es brodelt doch schon viel länger in der CDU. Ein großes Thema ist die Flüchtlingspolitik. Der sog. Bewerberstreit ist nur noch die Show, die das Fass zum Überlaufen bringt. Eine Einheit gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Die Gräben werden immer tiefer. Über wirklich wichtige Themen nicht offen zu diskutieren und Leute mit abweichenden Meinungen mundtot zu machen, ist keine Lösung.
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