Friedrich Merz Notebook gefunden, Sympathie verloren 

Vor 14 Jahren verlor Friedrich Merz seinen Laptop an einem Taxistand. Sein Glück: Ein ehrlicher Finder gab das Gerät zurück. Jetzt äußerte sich der Mann in einem "taz"-Interview über Merz' "unverschämte" Reaktion.

Friedrich Merz
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Friedrich Merz


Er hatte 2004 das Notebook des damaligen stellvertretenden CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz gefunden. Der damals obdachlose Straßenzeitungs-Verkäufer Enrico J. entdeckte das Gerät an einem Taxistand am Berliner Ostbahnhof. Obwohl er selbst kaum etwas besaß, gab der ehrliche Finder das Gerät ab.

Seine Erinnerung daran, wie Friedrich Merz darauf reagierte, beschrieb der frühere Obdachlose nun in einem Interview mit der "taz".

"Plötzlich hatte ich die Handynummern von wichtigen Politikern vor mir: Gerhard Schröder, der damals Bundeskanzler war, Angela Merkel, Edmund Stoiber, Theo Waigel und viele andere", erinnert sich der 53-Jährige.

"Ich hätte das Ding auch auf dem Schwarzmarkt verkaufen können, da waren sämtliche Daten der Bundesregierung drauf", sagt der frühere Obdachlose. Doch genau das tat er nicht.

So bedankte sich Friedrich Merz

Stattdessen entschied er sich dazu, das Notebook abzugeben. Er überreichte es dem damals noch im Bahnhof ansässigen Bundesgrenzschutz und hinterließ als Adresse die der damaligen Obdachlosenhilfe. Vier Wochen später bekam er von einer Sozialarbeiterin als Dank von Friedrich Merz dessen neues Buch in die Hand gedrückt.

Der Titel: "Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion - Kursbestimmung für unsere Zukunft". Dazu noch die Widmung: "Vielen Dank an den ehrlichen Finder."

"Das fand ich echt total unverschämt", erinnert er sich. "Ich habe das Buch sofort in die Spree geschmissen. Er wusste ja von der angegebenen Adresse genau, dass ich obdachlos war, doch ihm war das nicht mal einen Cent wert. Richtig scheiße."

Dabei sei es ihm nicht ums Geld gegangen, betont der frühere "Straßenfeger"-Verkäufer, der wieder einen festen Wohnsitz und seit zehn Jahren Arbeit hat. Vielmehr hätte er sich darüber gefreut, wenn Merz sich persönlich bei ihm bedankt hätte. "Immerhin habe ich verhindert, dass geheime Infos über wichtige Politiker in die falschen Hände geraten."

Als er gelesen habe, dass Merz nun wieder in die aktive Politik zurückdrängt, habe er sich "natürlich sofort an damals und diese Abzock-Aktion zurückerinnert. Mir und meinem Kumpel kann er nichts gönnen und jetzt macht er wieder auf dicke Hose. So reich ist er geworden und zählt sich ernsthaft zur Mittelschicht."

Auf Anfrage des SPIEGEL wollte sich ein Sprecher des Politikers nicht zu den Vorgängen 2004 äußern.

lie

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insgesamt 689 Beiträge
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Seite 1
exHotelmanager 23.11.2018
1. 2004
hatte auch Herr Merz schon einen Passwortschutz, den ein normaler Nutzer nicht knacken konnte. Die Story ist völlig unglaubwürdig. Falls sie doch stimmt, ist Herr Merz für höhere Aufgaben mangels ausreichendem Verantwortungsbewusstsein nicht geeignet.
falscher hase 23.11.2018
2. Wirklich so arrogant?
Dieser Vorgang ist für mich der bisher wichtigste Hinweis auf den Charakter von Herrn Merz. Seine Reaktion zeugt von Blasiertheit, Arroganz und Selbstverliebtheit. Einem Obdachlosen sein Buch zu schenken ist wirklich der blanke Hohn. Und dann noch nicht mal einen Finderlohn rauszurücken. Naja, man weiß ja heute nicht mehr, was Fake-News, Negativkampagnen usw. sind oder was wirklich glaubhaft ist. Obwohl dieser Vorgang ja überprüfbar sein sollte. Falls dieser Bericht der Wahrheit entspricht, nehme ich hiermit Abstand davon, mir Herrn Merz als Nachfolger von Angela Merkel zu wünschen. Bleibt nur noch AKK, traurig aber wahr.
stefan.martens.75 23.11.2018
3. lool
langsam treibt das Bashing echt lustige Blüten. Wie viel Jahre ist das her? Wer sagt das das nicht ne neue Praktikantin im Büro versemmelt hat. In mir kommt so langsam trotz Stimmung auf, sowie die Medien wie Zeit/Spiegel oder Taz hier versuchen Stimmungsmache zu betreiben.
Kurt-C. Hose 23.11.2018
4. Spon
schafft es wirklich, das eigene Niveau beständig zu unterbieten. Möchte Ihr jetzt noch einen Schuljungen finden, dem Merz mal ein Eis geklaut hat, um ihn zu diskreditieren? Bei der Wahl des Parteivorsitzenden der Grünen habt Ihr nicht so viel Kreativität an den Tag gelegt, selbst noch die abstrusesten 20 Jahre alten Geschichten auszugraben.
cm1 23.11.2018
5. Wie nennt man so eine Person
In Deutschland sagt man "Penner" und so jemand sollte in keinem Unternehmen arbeiten oder einen Parteijob bekommen.
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