WDR-Doku Merz macht Schäubles Kanzlerpläne öffentlich

Die CDU-Politiker Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble eint ihre kritische Sicht auf Kanzlerin Angela Merkel. In einer TV-Dokumentation gibt Merz nun Einblick in ihre pikanten Pläne, die sie schon vor drei Jahren schmiedeten.

Friedrich Merz (l.) und Wolfgang Schäuble
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Friedrich Merz (l.) und Wolfgang Schäuble


Als Bundesfinanzminister hatte Wolfgang Schäuble besonders zu Zeiten der Griechenlandkrise heftige Meinungsverschiedenheiten mit Kanzlerin Angela Merkel. Aber auch die Flüchtlingspolitik seiner Parteivorsitzenden stieß bei dem heutigen Bundestagspräsidenten auf Kritik. In dieser Zeit soll Schäuble mehrfach damit geliebäugelt haben, selbst die Kanzlerschaft zu übernehmen.

Das bestätigt nun auch Friedrich Merz in einer Dokumentation des WDR und der ARD von Filmemacher Stephan Lamby, in der es vor allem um Merz' Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz geht ("Der Machtkampf - wer folgt auf Merkel", Montag, ARD, 20.15 Uhr). Demnach gab es zwischen Schäuble und ihm mehrfach Gespräche über einen möglichen Wechsel Schäubles ins Kanzleramt.

"Ich muss mich auf dich verlassen können"

"Wir haben uns natürlich auch hin und wieder über die Frage unterhalten", sagt Merz. "Es stand ja die Frage im Raum, ob er möglicherweise die Kanzlerschaft noch einmal übernimmt oder nicht. Er hat mir dann gesagt: 'Wenn das dann jemals dazu kommen könnte, muss ich mich auch auf Dich verlassen können'. Aber dazu ist es halt nicht gekommen."

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Die Kandidaten: So haben sie sich bislang geschlagen

Dass sich die beiden CDU-Politiker nahestehen, ist seit Langem bekannt. Bereits vor einigen Wochen hatte der SPIEGEL berichtet, wie sich Merz und Schäuble verbündeten, um Merkel zu entmachten. Hier lesen Sie die ganze Geschichte auf SPIEGEL+ . "Wir haben häufig darüber gesprochen, wie die Lage in Berlin ist, auch vor zwei, drei Jahren bereits, als es schon einmal eine solche Serie von Landtagswahlen gab, die wir verloren haben", erzählt Merz nun in der Doku.

"Wir teilen beide die sehr große Besorgnis über das Erstarken der AfD", sagt er weiter. "Wir sind beide der Meinung, dass das in diesem Umfang nicht notwendig war, dass man das hätte verhindern können." Ähnlich äußerte sich der 63-Jährige bereits auf den Regionalkonferenzen, bei denen sich die CDU-Kandidaten für den Parteivorsitz präsentierten.

Bloß nicht reich wirken - Merz und der Wohlstand

Merz und Merkel sind alte Rivalen. Sie war ein Grund, warum er sich aus der Politik zurückzog. Erst als Merkel ankündigte, den Parteivorsitz aufzugeben, kündigte er an, zurückkehren zu wollen. Auch Schäuble soll ihn dazu gedrängt haben.

Seitdem kämpft Merz mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn um den Parteivorsitz. Beim CDU-Parteitag am 7. Dezember soll endgültig feststehen, wer das Rennen machen wird. Wie lange sich Merkel danach noch als Kanzlerin halten wird, ist unklar.

Zu seinen eigenen Überlegungen, sich für den Parteivorsitz der CDU zu bewerben, sagt Merz in der Dokumentation: "Ich habe ihn (gemeint ist Schäuble) natürlich auch um Rat gefragt, was ich in dieser Situation jetzt tun soll, in der wir jetzt sind. Und er hat mir nicht abgeraten." Wolfgang Schäuble wollte sich in dem Film nicht äußern.

mho/koe

insgesamt 74 Beiträge
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Poli Tische 02.12.2018
1. Schäuble und Merz....
...vereint im Kampf gegen Merkel. Gemeinsamer Feind vereint. Doch was kommt danach? Merz der Steigbügelhalter für Schäuble? Oder Schäuble der Königsmacher für Merz? Diese Rollen taugen für beide nicht.
Heliumatmer 02.12.2018
2. Typisch CDU
Alles schon mal dagewesen, z.B. Späth gegen Kohl, der nur durch Manipulationen bei der Wahl 1990 wieder zum BK gewählt wurde, nachdem er, wider besseres Wissen und gegen den geballten Sachverstand eines seiner anderen parteiinternen Kritiker Biedenkopf (mit Geißler und Weizsäcker konnte er als Bimbeskanzler auch nicht) von blühenden Landschaften faselte und den Wahltermin aufgrund der Kenntnis von der Dummheit des Wahlvolkes auf den 3. Oktober um genau 35 Tage vorverlegen ließ. Pro Tag hätten sich sicher 20 000 von der geballten Lüge des Herrn Kohl überzeugen können. Diese Stimmen hätten ihm bei der anschließenden Wahl schon 1990 die Mehrheit gekostet. Schäuble (Dauerkronprinz) und Merz (gekränktes männliches EGO) sind wahrlich nicht die Typen, die die Probleme für das Volk lösen können, selbst wenn sie der AfD und den Grünen jeweils wieder 3 - 5% Stimmen abnehmen.
georg.groeg 02.12.2018
3. Kompetenzteam
Also Herr Koch, also der ehemalige MP von Hessen, hat sich ja schon für das Kompetenzteam von Herrn Merz beworben und bestätigt, dass er, also der Herr Merz, bestimmt auch Kanzler kann. Lebt eigentlich Herr Kanther noch? Ich meine ja nur, für die Ewiggestrigen. Mit wem mag Herr Merz noch so alles gesprochen haben? Ich hoffe sehr, dass er kein Medium zur Hilfe genommen hat.
markus.pfeiffer@gmx.com 02.12.2018
4. Da verliert Schäuble aber an Ansehen
Dass Schäuble kein Freund Angela Merkels ist - weder von der politischen Ausrichtung noch wegen des "geklauten" Parteivorsitzes - ist ja bekannt. Trotzdem war er bis vor einem Jahr stets profiliertes Mitglied der Merkel-Regierungen und hatte gute Chancen, mit einer insgesamt eher positiven Sicht auf ihn als gut angesehener "elder statesman" in den politischen Ruhestand zu gehen. Die Ränkespiele mit einem Friedrich Merz, die jetzt bekannt werden, gefährden sin politisches Andenken massiv. Das Bekanntwerden dieses Ränkeschmiedens mit Herrn Merz demontiert Schäubles "Andenken nun drastisch. Mit einem Merz gemeinsame Sache zu machen, der nach der Niederlage gegen Merkel 2002 letztendlich den Weg des geringsten Widerstands gegangen war und sich schmollend aus der Politik zurückgezogen hatte, der in den letzten Wochen bei den CDU-Regionalkonferenzen bewiesen hat, dass er sein Fähnchen täglich nach dem Wind drehen kann und dass sein Geschwätz von "gestern" heute schon wieder überholt sein kann, das beweist letztendlich, dass auch Schäuble ein "Charakterschwein" ist, den man doch nicht in guter Erinnerung behalten muss.
TheFunk 02.12.2018
5. Herr Schäuble sollte Anstand beweisen
Und seinen Posten als Bundestagspräsident zur Verfügung stellen. Es reicht dann auch mal. Schwarze Koffer, Verschwörung gegen die Kanzlerin... Es wird Zeit für jüngere Menschen im Bundestag.
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