Merz' Kampf um den CDU-Vorsitz Millionär der Mitte

Friedrich Merz will trotz siebenstelligem Einkommen bodenständig geblieben sein. Doch im Kampf um den CDU-Vorsitz könnte ihm der Umgang mit seinen wirtschaftlichen Verhältnissen schaden.

Friedrich Merz (am 10. November in Arnsberg)
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Friedrich Merz (am 10. November in Arnsberg)

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Friedrich Merz, 63, versucht es mit Offensive. "Heute verdiene ich rund eine Million Euro brutto", lässt der CDU-Politiker via "Bild am Sonntag" wissen.

Vor ein paar Tagen, da hatte Merz im Internet-Talk mit der "Bild"-Zeitung noch herumgedruckst, als er gefragt wurde, ob er Millionär sei. "Ich liege jedenfalls nicht darunter", sagte er schließlich. Womöglich hatte der CDU-Politiker Sorge, die Menschen könnten seine verschwurbelte Auskunft vom vergangenen Mittwoch so deuten, dass er Multi-Millionär sei. Oder er wollte einfach die leidigen Spekulationen über seine wirtschaftlichen Verhältnisse mit einer einigermaßen klaren Ansage beenden.

Dass ihm das gelingt, ist kaum zu erwarten. Dabei geht es nicht so sehr um die Höhe seines Jahreseinkommens. Warum sollte ein Millionär keine Partei führen können oder am Ende gar Kanzler werden? Typisch deutsche Debatte, könnte man da sagen, anders als in den USA sind Politiker, die wirtschaftlichen Erfolg hatten, hierzulande stets verdächtig. Also spricht man über Geld nicht gerne - auch Merz nicht: Er wolle nicht als Angeber rüberkommen, sagt er.

Aber Merz hat die Chance verpasst, das Thema souverän abzuräumen. Dass er darauf beharrt, als Millionär nicht zur Oberschicht zu gehören, sondern zur "gehobenen Mittelschicht", könnte sich im Kampf um die Nachfolge Angela Merkels im CDU-Parteivorsitz noch als schwere Bürde erweisen.

"Fleiß, Disziplin, Anstand"

Merz verteidigt diese Verortung, die mit der Wirklichkeit zumindest im wirtschaftlichen Sinne wenig zu tun hat, noch einmal vehement. "Für mich ist die gesellschaftliche Mitte nicht eine rein ökonomische Größe", erklärt er in der "Bild am Sonntag". Sondern auch eine Frage der Einstellung. Er habe von seinen Eltern die Werte mitbekommen, "die die Mittelschicht prägen: darunter Fleiß, Disziplin, Anstand, Respekt und das Wissen, dass man der Gesellschaft etwas zurückgibt, wenn man es sich leisten kann".

Bei "Oberklasse" oder "Oberschicht" denke er an "Menschen, die viel Geld oder eine Firma geerbt haben und damit ihr Leben genießen". Vorsichtshalber erinnert er noch daran, dass er einst als junger Familienvater "jede Mark umdrehen musste" und als Referendar mit zwei Kindern ein "überschaubares Einkommen hatte".

Die Kritik, vor allem aus dem linken Lager, ließ nicht lange auf sich warten. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach unterstellt Merz Realitätsferne:

Linken-Chefin Katja Kipping wirft dem Christdemokraten eine Verhöhnung von Geringverdienern vor:

Es gebe keinen Grund, sich für sein Millionärs-Dasein zu schämen, sagt dagegen Merz. Doch wohl ist ihm dabei eben offensichtlich auch nicht. Mancher in der CDU mag sich nach 18 Jahren Merkel ein Gegenmodell an der Spitze wünschen, aber auch Merz sieht die CDU als "Volkspartei der Mitte". Um diese glaubhaft verkörpern zu können, will Merz selbst zur Mitte gehören - aber er ahnt, dass es daran Zweifel geben könnte.

Also versucht er aus taktischen Gründen, seinen wirtschaftlichen Hintergrund zu relativieren, und betont: "Ich weiß, woher ich komme, welchen Weg ich gegangen bin und habe genügend Bodenhaftung, um das alles einzubringen und die CDU gut zu führen." Mittelschicht ist, wer sich so fühlt. Aber wenn die CDU unter einem möglichen Parteichef Merz mal wieder versprechen sollte, die Mittelschicht zu entlasten - wer ist dann gemeint?

Seine Konkurrenten im Ringen um den CDU-Chefposten steigen nicht in die Einkommensdebatte ein - aber sie dürften auch nicht unglücklich darüber sein, dass Merz hier bei allem Hype um sein Comeback eine offene Flanke bietet. Nicht ohne Grund verweisen Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn gerne auf ihre Verankerung in der CDU, während ihr Mitbewerber fast zehn Jahre im Politik-Exil verbrachte.

Dass er in dieser Zeit als Anwalt und in der freien Wirtschaft gutes Geld verdiente, sagen sie nicht - aber man darf es sich dazu denken. Spahn und Kramp-Karrenbauer haben nichts dagegen, wenn der eine oder andere CDU-Delegierte, der im Dezember auf dem Parteitag in Hamburg über die Merkel-Nachfolge entscheiden soll, Merz für zu abgehoben hält.

Mit kritischen Fragen zu seinem Verständnis von gesellschaftlicher Mitte wird Merz auf dem Weg dorthin jedenfalls rechnen müssen. Am Dienstag stellen sich die drei Kandidaten in Mainz zum zweiten von insgesamt acht Mal der CDU-Basis. Schon am Sonntagabend ist Merz in der ARD-Talkshow zu Gast. Thema: "Das gespaltene Land - wer sorgt für Zusammenhalt?" Es soll auch um die Schere zwischen Arm und Reich gehen.

insgesamt 133 Beiträge
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claus7447 18.11.2018
1. Ja der Herr Merz...
.... da eiert er rum. Ist ja auch schwierig das zu erklären. Wobei, kippling irrt, wenn mich nichts täuscht sind es Propellermaschinen, darunter eine kleine 4 sitzige. Nun gut, ich meine auch ich wäre Mittelschicht... werde das überdenken. Die CDU wird sich ihren Kandidaten schon Stricken. Denn jeder bekommt das was er verdient, wie die CSU.
tom2000 18.11.2018
2. Ich muss nicht arm sein...
Zumindest weiss er, wie es in der realen Welt bzw. Wirtschaft zugeht. Das können die meisten sogenannten Spitzenpolitiker nicht von sich behaupten. Außerdem muss er sich nicht für irgendwelche Aufsichtsratspöstchen NACH seiner Politikkarriere prostituieren, damit er dann richtig Kohle machen kann - das hat er schon. Was sagte schon Lafontaine: „Ich muss nicht arm sein, um gegen Armut zu sein“.
nikaja 18.11.2018
3. Merz der Mitte
Wie es ist, einen Geschäftsmann an der Spitze eines Staates zu haben sehen wir doch am Bsp der USA .Klientelpolitik allenthalben. Wer für Black Rock arbeitet wird sicher nicht die Glacé-Handschuhe anhaben, es sei denn um einen vorteilhaften Vertrag für Anleger zu unterschreiben. Da es dort darum geht aus viel Geld noch mehr Geld zu machen, kann man sich gut vorstellen, wem Herr Merz in den letzten 10 Jahren gedient hat und wem er zukünftig verpflichtet ist. Das "C" im Partei-Namen jedenfalls kann dann offiziell gestrichen werden. Sozialpolitische Maßnahmen, die das Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindern sind von ihm nicht zu erwarten. Annäherung an Europa und natürlich auch an unseren russischen Nachbarn ebenso wenig. Wir werden über die Atlantik-Bruecke gelotst werden und im kommenden Krieg untergehen, weil die Partner von Merz bereitstehen, am Wiederaufbau zu verdienen. Was fue eine scheußliche Perspektive.
brotfresser 18.11.2018
4. In der Tat, man muss nicht reich sein, um gegen Armut zu sein
Zitat von tom2000Zumindest weiss er, wie es in der realen Welt bzw. Wirtschaft zugeht. Das können die meisten sogenannten Spitzenpolitiker nicht von sich behaupten. Außerdem muss er sich nicht für irgendwelche Aufsichtsratspöstchen NACH seiner Politikkarriere prostituieren, damit er dann richtig Kohle machen kann - das hat er schon. Was sagte schon Lafontaine: „Ich muss nicht arm sein, um gegen Armut zu sein“.
aber man sollte den Atem der Armut gespürt haben. Und das hat dieser "Mittelschichtler" nie getan. Er war auch nie gegen Armut. Die war doch seiner Meinung nach immer selbst verschuldet. Aber sich als Millionenverdiener als MIttelschicht zu bezeichnen zeigt, dass er fern der Realität in Deutschland lebt. Falls er die CDU leiten wird, wird die CDU zur Partei der Besserverdiener und verliert den Status der Volkspartei. Dann doch lieber gleich FDP wählen.
funkstörung 18.11.2018
5. spurwechsel
friedrich merz hat einfach pech und den gemütszustand des gemeinen teutonen nicht verstanden. beim volk der neider und des mißgunstes gegen jeden der mehr drauf hat als man selbst kann man nicht mit kompetenz und politischer klarsicht punkten, weil das themen sind die weder die medien noch die bevölkerung interessieren, es braucht gefühlsduselei ala ich hab euch alle lieb oder wir schaffen das, das mag man hierzulande, damit gewinnt man wahlen und da haben AKK oder ein unrasierter harbeck einfach die besseren karten. und wenn die leuten in einem anfall von weitsicht doch mal angefangen hinter die kulissen schauen zu wollen, dann bringt eine volle mediale breitseite über die neoliberale heuschrecke alle wieder in die richtige spur.
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