ThemaAtomausstiegRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Front gegen Atomkompromiss Künast droht Kanzlerin mit heißem Herbst

Foto: dapd

2. Teil: Was Künast der Sarrazin-Debatte abringen kann - und warum sie über eine mögliche Spitzenkandidatur in Berlin weiter schweigt

SPIEGEL ONLINE: Das SPD-Mitglied Sarrazin erhitzt auch in der dritten Woche die Gemüter in der Republik. Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Wulff haben sich beide in die Debatte eingeschaltet - war das richtig?

Künast: Dass der Bundespräsident sich zwischendurch geäußert hat, war juristisch unklug - denn wer die letzte Entscheidung trifft, sollte sich vorher in Schweigen hüllen. Die Entgeisterung über die sarrazinsche Vererbungslehre war allerdings so groß, dass wohl niemand mehr schweigen konnte - selbst die Kanzlerin nicht. Allerdings merken wir jetzt, auch an den scharfmacherischen Forderungen aus der Union, dass die Debatte schwieriger ist als gedacht.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie?

Künast: Ich wäre dafür, wieder auf eine andere Ebene zu kommen: Ruhig, beharrlich und gezielt - voller Respekt gegenüber jeder Religion - darüber zu debattieren, was zu tun ist. Und das ist einiges, auf unserer wie auf Seite der Migranten. Es geht um knallharte Regeln des Zusammenlebens - das müssen wir klarmachen. Und dann merkt man doch schnell, dass es kein Religionsproblem, sondern ein Schichtenproblem ist. Die Grünen waren die ersten, die schon vor Jahren ein schlüssiges Integrationskonzept vorgelegt haben. Trotzdem will ich nicht behaupten, wir Grüne hätten alles richtig gemacht. Beispielsweise haben wir zu spät erkannt, dass Multikulti von anderen oft nicht als Integration verstanden wird. Dass es nämlich nicht heißt, jeder kann machen, was er will. Sondern dass es auch den Migranten Anstrengungen abverlangt: Spracherwerb, Akzeptanz demokratischer Werte, Bildung für die Kinder etc.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Partei steht so gut da wie nie zuvor. Sind die Grünen die neue Volkspartei?

Künast: Ich glaube nicht, dass das Konzept klassischer Volksparteien mit um die 40 Prozent Wähleranteil eine große Zukunft hat.

SPIEGEL ONLINE: Dann sind die Grünen eben eine kleine Volkspartei.

Künast: Ich habe ein generelles Problem mit dem Konzept Volkspartei: Aus meiner Sicht vertreten SPD und Union ungefiltert verschiedene Interessengruppen - und versprechen jeder das Blaue vom Himmel. Da will ich mit den Grünen nicht hin - wir müssen immer das Ganze sehen.

SPIEGEL ONLINE: Aber das sehen die Volksparteien doch auch.

Künast: Ich erlebe das anders. Die sogenannten Volksparteien addieren gewöhnlich Einzel- und Gruppeninteressen und glauben, dabei komme ein schlüssiges Konzept für das Gemeinwohl heraus. Sie haben nicht den Mut, sich bei einem Teil der Gesellschaft auch mal unbeliebt zu machen. Wir Grünen sehen in den guten Umfragewerten keinen Grund zum Übermut, sondern höchstens einen Anlass zu noch mehr Verantwortungsbewusstsein für diese Gesellschaft.

SPIEGEL ONLINE: In Berlin sind die Grünen neuerdings sogar stärkste Partei in den Umfragen - mit Ihnen als Spitzenkandidatin?

Künast: Natürlich freue ich mich über die tollen Umfragewerte. Zur Spitzenkandidatur sage ich: Erst gibt es eine Debatte bei den Berliner Grünen um ihr Programm - dann kommen Personalentscheidungen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange soll das Versteckspiel noch gehen?

Künast: Noch einmal: Erst kommt die Programmdebatte, dann das Übrige.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 149 Beiträge
GertL 07.09.2010
Kann bitte mal jemand eine neue Phrase erfinden? Jedes Jahr droht irgendeiner mit einem 'heißen Herbst', und so richtig passiert ist nie was.
Kann bitte mal jemand eine neue Phrase erfinden? Jedes Jahr droht irgendeiner mit einem 'heißen Herbst', und so richtig passiert ist nie was.
polyphemos 07.09.2010
was wir jemals an Demokratie hatten, Stück für Stück in die Tonne getreten. Wenn das so weiter geht, werden wir sehr bald an dem Punkt angelangt sein, dass "der Staat" keinerlei Recht mehr hat, von den Bürgern zu [...]
was wir jemals an Demokratie hatten, Stück für Stück in die Tonne getreten. Wenn das so weiter geht, werden wir sehr bald an dem Punkt angelangt sein, dass "der Staat" keinerlei Recht mehr hat, von den Bürgern zu verlangen, sich an Gesetze zu halten. Ein Verschwörer, und das ist dieser Staat in der Hand korrupter Parteien, ein Verschwörer gegen das Volk, hat jedes Recht verwirkt, so etwas zu fordern!
blessed 07.09.2010
Weiter so, Frau Künast :)
Weiter so, Frau Künast :)
sverris 07.09.2010
z.b. auf echten "oekostrom" wechseln: www.oekostrom-vergleich.com
z.b. auf echten "oekostrom" wechseln: www.oekostrom-vergleich.com
fatherted98 07.09.2010
...haben die Grünen nur das Rotationsprinzip abgeschafft??? Frau Künast ist politisch und menschlich fast nicht mehr erträglich.
...haben die Grünen nur das Rotationsprinzip abgeschafft??? Frau Künast ist politisch und menschlich fast nicht mehr erträglich.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Atomausstieg

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Vote
Atomkraft - Fluch oder Segen

Wie bewerten Sie die beschlossene Laufzeitverlängerung für die Atommeiler?

  • Richtig, die Atomkraft ist als Brückentechnologie unverzichtbar
  • Falsch, damit verpasst Deutschland eine wirkliche Energiewende
PDF-Download

Die Geschichte der Grünen
Ende der siebziger Jahre schließen sich Bürgerinitiativen wie die Anti-Atomkraft-Bewegung und Splitterparteien wie "Grüne Liste Umweltschutz", "Grüne Aktion Zukunft" und die "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher" zusammen. Bei der Europawahl 1979 tritt das Sammelsurium als "Sonstige politische Vereinigung Die Grünen" erstmals zur Wahl an - und holt mit ihren Spitzenkandidaten Petra Kelly und Herbert Gruhl immerhin 3,2 Prozent der Stimmen. Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gelingt der Formation am 7. Oktober 1979 mit 5,1 Prozent der Einzug in das erste Länderparlament.




TOP



TOP