CDU-Politiker Früherer hessischer Ministerpräsident Wallmann ist tot

Walter Wallmann war der erste Bundesumweltminister Deutschlands, renommierter Unionspolitiker und zeitweilig hessischer Ministerpräsident. Nun ist Wallmann im Alter von 80 Jahren gestorben.

Walter Wallmann (1986): Erster Bundesumweltminister gestorben
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Walter Wallmann (1986): Erster Bundesumweltminister gestorben


Frankfurt - Viele Jahre lang war Walter Wallmann ein einflussreiches Mitglied der CDU, zunächst als Kommunal- und Landespolitiker in Hessen, später auch als Bundesminister. Der Jurist begann sich schon in den sechziger Jahren in der Jungen Union zu engagieren. Ab 1966 war er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Marburg und Abgeordneter im Hessischen Landtag. 1970 wurde er zum Marburger Oberbürgermeister gewählt, doch die Wahl wurde wegen Formfehlern für ungültig erklärt. In der Wiederholungswahl siegte der Kandidat der SPD.

Ab 1973 saß Wallmann für die CDU im Bundestag. In den Jahren 1974 und 1975 saß er dem Guillaume-Untersuchungsauschuss vor, der die Hintergründe des Rücktritts von Bundeskanzler Willy Brandt nach der Spionageaffäre im Kanzleramt zu beleuchten hatte. 1977 wurde Wallmann Bürgermeister in Frankfurt am Main. Umstritten waren in dieser Zeit etwa seine Ablehnung antiautoritär arbeitender Kindertagesstätten und seine positive Haltung zur Startbahn West.

Als im Jahr 1986 als Reaktion auf den Reaktorunfall von Tschernobyl ein Bundesumweltministerium geschaffen wurde, bekam Wallmann den Ministerposten im Kabinett von Helmut Kohl. Forderungen nach einem schnellen Ausstieg aus der Kernenergie fand Wallmann damals "unrealistisch".

1987 wurde er nach dem Scheitern der rot-grünen Koalition in Hessen zum Ministerpräsidenten des Landes gewählt und führte eine Koalition mit der FDP in dem Bundesland. In die Schlagzeilen geriet er im Rahmen der sogenannten Tulpenzwiebelaffäre: Der Landtag hatte genehmigt, dass Wallmanns Privatgarten mit Hilfe öffentlicher Gelder gepflegt wurde.

Schon im Januar 1991 verlor Wallmann sein Amt als Ministerpräsident wieder. Erneut regierte in Hessen eine rot-grüne Regierung, wenn auch mit einer knappen Mehrheit. Mitte des Jahres gab Wallmann auch den Landesvorsitz der CDU ab und begann, in Frankfurt am Main als Rechtsanwalt zu arbeiten. Parallel engagierte er sich weiter in der CDU, etwa als Vorsitzender von deren Grundsatzkommission.

1995 kehrte Wallmann in die aktive Politik zurück und wurde zum neuen Vorsitzenden der Frankfurter CDU gewählt. 1997 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen aus der aktiven Politik zurück.

Am 22. September 2013 ist Walter Wallmann im Alter von 80 Jahren gestorben, wie seine Familie der Nachrichtenagentur dpa bestätigte.

cis/dpa



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