Früherer Innenminister Werner Maihofer ist tot

Er folgte Hans-Dietrich Genscher als Innenminister und trat nach der Schleyer-Ermordung zurück: Werner Maihofer war in den siebziger Jahren einer der prägenden Politiker der FDP. Jetzt ist der 90-Jährige gestorben.

Werner Maihofer (Archivbild aus dem Jahr 1976): Mitinitiator der Freiburger Thesen
AP

Werner Maihofer (Archivbild aus dem Jahr 1976): Mitinitiator der Freiburger Thesen


Berlin - Der frühere Bundesinnenminister Werner Maihofer (FDP) ist tot. Eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin bestätigte am Montagabend indirekt eine entsprechende Meldung der "Süddeutsche Zeitung" und sagte, der heutige Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) werde der Familie Maihofers sein tiefstes Mitgefühl übermitteln.

Dem Zeitungsbericht zufolge starb Maihofer bereits vor zwei Wochen und soll am Dienstag in der Nähe von Frankfurt am Main beigesetzt werden. Maihofer wäre morgen 91 Jahre alt geworden.

"Mit dem unerschütterlichen Bekenntnis zur Freiheit als zentralem Wert der Demokratie hat Werner Maihofer den organisierten Liberalismus wie kaum ein anderer Gelehrter geprägt", sagte die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

1969 trat Maihofer in die FDP ein und war ein Jahr später bereits Mitglied des Präsidiums. Zusammen mit FDP-Generalsekretär Karl Herrmann Flach und Walter Scheel galt er als einer der Väter der Freiburger Thesen, die den Aufbruch der Partei in den "Sozialen Liberalismus" einleiteten. 1972 zog Maihofer in den Bundestag ein.

Im gleichen Jahr wurde er unter Willy Brandt (SPD) zum Minister für besondere Aufgaben berufen. Zwei Jahre später unter Helmut Schmidt (SPD) folgte er Hans-Dietrich Genscher (FDP) als Innenminister. Nachdem ihm Versäumnisse bei der Fahndung nach Hanns-Martin Schleyer vorgeworfen wurden, trat er 1978 von seinem Amt zurück und kandidierte danach nicht mehr für den Bundestag.

Maihofer kehrte zurück an die Universität Bielefeld, wo er schon vor seiner politischen Karriere Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht, Rechtssoziologie und Rechtstheorie, Rechtsphilosophie und Sozialphilosophie war. 1982 bis 1988 wurde er Präsident des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz.

hen/ddp/dpa



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