Gedenken an 9. November Für Gauck gehören Pogromnacht und Mauerfall zusammen

Der 9. November ist ein Schicksalstag der Deutschen. Die NS-Pogromnacht 1938 und der Mauerfall 1989 ereigneten sich an dem Tag. Quer durch die Republik wurde daran erinnert. Bundespräsident Joachim Gauck sagte, für ihn gehörten das antijüdische Pogrom und der Mauerfall untrennbar zusammen.

Bundespräsident Gauck in jüdischem Gymnasium in Berlin: "Niemals vergessen"
DPA

Bundespräsident Gauck in jüdischem Gymnasium in Berlin: "Niemals vergessen"


Berlin - Pogromnacht und Mauerfall - die beiden historischen Ereignisse des 9. November in Deutschland gehören nach den Worten von Bundespräsident Joachim Gauck untrennbar zusammen. Die junge Generation dürfe die Taten der "Nazi-Barbarei" niemals vergessen, solle aber auch den Mauerfall in ihr Gedenken einbeziehen, sagte Gauck am Freitag in Berlin. "Dieses glückliche Geschehen des 9. November 1989 gehört zu dem anderen, bitteren 9. November."

Statt staatlicher Ausgrenzung von Juden gebe es in Deutschland heute ein Rechtssystem, Demokratie und Menschenrechte - auch dank des Einsatzes der Ostdeutschen in der Freiheitsrevolution, betonte Gauck. In ganz Deutschland erinnerten Menschen am Freitag mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen an die beiden Schicksalstage der Deutschen.

In der Nacht zum 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen, darunter Synagogen und Friedhöfe. Tausende Juden wurden gedemütigt, von den Nazis verschleppt und ermordet.

In Berlin steckten Besucher der Gedenkstätte Bernauer Straße Rosen in das Mauer-Denkmal. Zu Ehren der Holocaust-Opfer wurde eine Mauer mit Namenssteinen eingeweiht. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte, das Gedenken an die Zeit der Teilung Berlins sei heute wichtiger denn je.

Den Jahrestag nutzten offenbar Rechtsextreme auch für ihre Ziele. In Greifswald brachen Unbekannte alle im Stadtgebiet verlegten, sogenannten Stolpersteine aus dem Boden, mit denen an deportierte NS-Opfer erinnert wird. Die Polizei ging von einem Zusammenhang mit einer rechtsextremistischen Demonstration aus, die am Abend in der Region geplant war.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) betonte angesichts solch aktueller Vorfälle die andauernde Verantwortung, an das Schicksal der Juden zu erinnern. Überfälle auf die jüdische Bevölkerung blieben "nicht in dunklen Geschichtskapiteln, sie sind Schlagzeilen der Gegenwart".

fab/dpa/dapd



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