Fukushima-Jahrestag: Tausende protestieren gegen Atomkraft

In Deutschland haben am Wochenende an mehreren Orten insgesamt mehr als zehntausend Menschen gegen Atomkraft protestiert. Anlässlich des Jahrestags der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima forderten sie einen schnelleren Ausstieg aus der Kernkraft.

Berlin - Am Jahrestag der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima sind in Deutschland mehr als Zehntausend Menschen gegen die Nutzung der Atomkraft auf die Straße gegangen. Viele Demonstranten versammelten sich in der Nähe von Kernkraftwerken und forderten deren sofortige Abschaltung.

Am 11. März 2011 hatte ein schweres Erdbeben mit Tsunami mehrere Reaktorblöcke des japanischen Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi stark beschädigt. Es kam zu Kernschmelzen, radioaktive Strahlung trat aus. In Deutschland wurde wenige Monate später der Atomausstieg bis Ende 2022 beschlossen.

Allein in Hannover kamen am Sonntag etwa 4500 Demonstranten zusammen. Nach einer Kundgebung auf dem Opernplatz, bei der auch Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) sprach, zogen sie durch die Innenstadt. Der Protest richtete sich vor allem gegen den Weiterbetrieb des nahegelegenen AKW Grohnde.

In Neckarwestheim in Baden-Württemberg forderten nach Angaben der Veranstalter etwa 5000 Menschen eine "echte Energiewende". Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 4000 Demonstranten. "Atomenergie ist nicht vollständig beherrschbar und führt im Unglücksfall zu verheerenden Folgen", sagte die Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund), Brigitte Dahlbender.

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Atomausstieg: AKW-Gegner protestieren in Deutschland
In der Nähe des Atomkraftwerks im schwäbischen Gundremmingen demonstrierten ebenfalls Tausende. Die Polizei sprach von 3000 Teilnehmern, die Veranstalter zählten 5000. Die Demonstranten forderten die schnellstmögliche Abschaltung des Kraftwerks. Zudem müsse endlich transparent und demokratisch nach einem atomaren Endlager gesucht werden.

Menschenkette um Brokdorf

Die Stilllegung der Uranfabrik im nordrhein-westfälischen Gronau verlangten etwa 2000 Demonstranten. Sie liefen in einem Protestzug vor die einzige deutschen Anreicherungsanlage für Uran.

Ebenfalls etwa 2000 Menschen bildeten eine Menschenkette rund um das Kernkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein. An dem Protest nahmen auch Grünen-Chefin Claudia Roth und Schleswig-Holsteins SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig teil. Laut den Veranstaltern war die Menschenkette vier Kilometer lang.

Auch im luxemburgischen Schengen nahe der deutschen Grenze wurde demonstriert. Mehrere Hundert Menschen forderten die Abschaltung des französischen Kernkraftwerks Cattenom. Bereits am Samstag hatte es vereinzelt Kundgebungen gegeben. So gingen etwa 3000 Atomkraftgegner im elsässischen Fessenheim und in Freiburg auf die Straße.

Zu den verschiedenen Demonstrationen riefen regionale Bürgerinitiativen und bundesweite Organisationen auf, darunter die Initiative Ausgestrahlt, Attac, der Bund und Robin Wood. In einer gemeinsamen Mitteilung sprachen die Veranstalter von einem Signal an die Bundesregierung, "endlich die notwendigen Konsequenzen aus der Fukushima-Katastrophe zu ziehen". Der "halbherzige und viel zu langsame Atomausstieg" müsse deutlich beschleunigt und die Energiewende energisch vorangetrieben werden. Die Mehrheit der Bevölkerung sei für einen schnelleren Atomausstieg.

ore/dapd

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Anti-Atomkraft
modernworld 11.03.2012
Zitat von sysopIn Deutschland haben am Wochenende an mehreren Orten insgesamt mehr als zehntausend Menschen gegen Atomkraft protestiert. Anlässlich des Jahrestags der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima forderten sie einen schnelleren Ausstieg aus der Kernkraft. Fukushima-Jahrestag: Tausende protestieren gegen Atomkraft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,820655,00.html)
Wer sich zwischen dem Für und Wider der Kernenergie nicht entscheiden kann, der sollte sich die Phoenix-Dokumentation über die Kinder von Fokushima anschauen, wo eine ganze Stunde lang die Kinder aus dem Sperrgebiet rund um das havarierte Atomkraftwerk interviewt werden und ihre Geschichte erzählen. Danach gibt es nichts mehr, was einen weiteren Betrieb von Kernkraftwerken rechtfertigen würde.
2. Emotionen dürfen nicht über Energiepolitik bestimmen
resistor 11.03.2012
Zitat von modernworldWer sich zwischen dem Für und Wider der Kernenergie nicht entscheiden kann, der sollte sich die Phoenix-Dokumentation über die Kinder von Fokushima anschauen, wo eine ganze Stunde lang die Kinder aus dem Sperrgebiet rund um das havarierte Atomkraftwerk interviewt werden und ihre Geschichte erzählen. Danach gibt es nichts mehr, was einen weiteren Betrieb von Kernkraftwerken rechtfertigen würde.
Das ist das große Problem in D., dass die Entscheidungen gegen Atomkraft rein emotionalen Entscheidungen waren. Wahrscheinlich hat Frau Merkel auch diese Phoenix-Dokumentation gesehen und gehandelt. Das wird sehr schwerwiegende ja fatalen Folgen für jeden Bürger dieses Landes haben. Da kann man nur wiederholen, "Deutschland schafft sich ab".
3. Und wer gedenkt der Toten
gfssfg 11.03.2012
Zitat von modernworldWer sich zwischen dem Für und Wider der Kernenergie nicht entscheiden kann, der sollte sich die Phoenix-Dokumentation über die Kinder von Fokushima anschauen, wo eine ganze Stunde lang die Kinder aus dem Sperrgebiet rund um das havarierte Atomkraftwerk interviewt werden und ihre Geschichte erzählen. Danach gibt es nichts mehr, was einen weiteren Betrieb von Kernkraftwerken rechtfertigen würde.
den über 20000 Toten des Tsunamis und wer hat hier die traumatisierten Kinder interviewt deren Eltern in den Schlamm und Dreckwüsten nie mehr gefunden wurden. In D sicher niemand, der Angstbürger denkt nur an sich, getrieben von der irrationalen Angst vor dem unsichtbaren Atom. Diese Fukushimahysterie ist nur noch zum Fremdschämen geeignet.
4. Raus
pauerkraut 11.03.2012
Zitat von sysopIn Deutschland haben am Wochenende an mehreren Orten insgesamt mehr als zehntausend Menschen gegen Atomkraft protestiert. Anlässlich des Jahrestags der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima forderten sie einen schnelleren Ausstieg aus der Kernkraft. Fukushima-Jahrestag: Tausende protestieren gegen Atomkraft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,820655,00.html)
aus der Nuklear Energie ist ja sicherlich nachzuvollziehen und vertretbar. Aber derartig "HalsueberKopf" und lediglich dem "politically correctness" syndrom folgen?? Da herscht gewaltiger Ordnungs bedarf. Ich wuensche mir wirkllch- WIRKLICH- das in Deutschland die Strom versorgung mal kurzfristig zusammen bricht und das Volk kapiert; auf welchem Vulkan wir eigentlich tanzen. Wenn es kalt wird fuer ein paar Tage werden wir flugs und ganz rapide ein Unmdenken/Umschwenkungen erleben...
5. Objektive Emotionen
mrsa 11.03.2012
Zitat von resistorDas ist das große Problem in D., dass die Entscheidungen gegen Atomkraft rein emotionalen Entscheidungen waren. Wahrscheinlich hat Frau Merkel auch diese Phoenix-Dokumentation gesehen und gehandelt. Das wird sehr schwerwiegende ja fatalen Folgen für jeden Bürger dieses Landes haben. Da kann man nur wiederholen, "Deutschland schafft sich ab".
In Bezug auf die Kernkraft ist eigentlich nur eine Emotion von Bedeutung, nämlich tiefsitzende "Angst". Und da diese aufgrund von weltweiten Ereignissen absolut nicht unbegründet ist, stellt sie eher einen natürlichen Abwehrmechanismus dar. Weshalb ist sie nicht unbegründet? Neben den beiden Supergaus siehe auch die Liste von bekannten kerntechnischen Unfällen auf Wikipedia: Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen)) Der Ausstieg aus der Kernkraft ist wie die Grundidee von Versicherungen - man braucht sie nicht, solange nichts passiert. Aber wenn dann doch ...
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