Fußball-WM Beckstein fürchtet Provokation iranischer Agenten

Bayerns Innenminister Beckstein schließt nicht aus, dass iranische Agenten bei der Fußball-WM Zwischenfälle provozieren wollen. Der französische Geheimdienst soll deutsche Sicherheitsstellen gewarnt haben. Politiker debattieren darüber, ob Präsident Ahmadinedschad die Einreise verwehrt werden kann.


Berlin - "Die Möglichkeit, dass iranische Agenten Aktionen gegen die eigene WM-Mannschaft im Schilde führen, muss in Betracht gezogen werden", sagte Beckstein der "Bild"-Zeitung. Das Blatt berichtete, der französische Geheimdienst habe deutsche Sicherheitsstellen davor gewarnt, iranische Geheimagenten sollten Provokationen der iranischen Mannschaft planen, um damit Exil-Iraner zu diskreditieren.

Gestern hatten rund tausend Menschen gegen die israelfeindliche Politik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in Nürnberg protestiert. An der Kundgebung beteiligten sich auch Regimegegner aus Iran.

Deutsche Politiker streiten unterdessen über den Umgang mit Mahmud Ahmadinedschad. Der Präsident erwägt zur WM zu kommen, falls das iranische Team die Vorrunde übersteht.

Bosbach: Einreiseverbot kaum möglich

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hält ein Einreiseverbot kaum für möglich. Es sei sehr schwer, Ahmadinedschad als Staatsoberhaupt eine eventuelle Einreise zu verwehren, sagte Bosbach dem "Tagesspiegel".

Der Unions-Fraktionsvize verwies unter anderem auf Verträge mit dem Fußballweltverband Fifa, die es erschwerten, eine Einreise des umstrittenen iranischen Staatschefs zu verhindern. Deutschland hat in den Verträgen zur Fußball-Weltmeisterschaft Regierungsgarantien abgegeben. Das WM-Organisationskomitee betrachtet Ahmadinedschad allerdings nicht als Mitglied der Delegation. Die Zeitung zitierte dazu einen Sprecher des Innenministeriums mit den Worten, man werde sich mit der Frage befassen, wenn Ahmadinedschad sein Kommen bekundet.

"Ebenso herzlich, wie wir die iranischen Spieler empfangen sollen, müssen wir Ahmadinedschad sagen, dass er hier nicht willkommen ist", sagte Bosbach. "Ahmadinedschad hat hier nichts verloren." Sollte er dennoch kommen, dürfe er auf keinen Fall mit Protokoll empfangen werden.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok (CDU), knüpfte Bedingungen an eine Einreise Ahmadinedschads. "Er kann dann kommen, wenn er seine anti-jüdische und anti-israelische Rhetorik einstellt und deutlich macht, dass er bei den Verhandlungen in der Nuklearfrage eine konstruktive Rolle einnehmen will", sagte Brok.

Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, nannte die Forderung nach einem Einreiseverbot "verständlich, aber nach meiner Auffassung falsch".

"Jenseits des Einreiseverbots gibt es viele protokollarische Möglichkeiten", sagte auch der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck. Entscheidend aber sei das zivilgesellschaftliche Engagement gegen den Besucher. Die Grünen-Europaabgeordnete Angelika Beer sagte, sie erwarte im Fall einer Einreise Ahmadinedschads in Deutschland Massenproteste gegen den iranischen Staatschef. Ein Einreiseverbot lehnte die Grünen-Politikerin hingegen ab. "Das wäre eine Stigmatisierung einer Person, die nur darauf wartet, aufgewertet zu werden", sagte sie.

Zum ersten Spiel der iranischen Mannschaft war Ahmadinedschads Stellvertreter Mohammed Aliabadi angereist.

als/Reuters/ddp



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