Ukraine-Konflikt Seehofer stellt WM in Russland infrage

Als erster deutscher Spitzenpolitiker bringt Horst Seehofer eine Absage der Fußball-WM 2018 in Russland ins Spiel. Angesichts der Ukraine-Krise halte er die Veranstaltung für schwer denkbar, sagt der CSU-Chef.

CSU-Chef Seehofer: "Verantwortung gegenüber den Hinterbliebenen"
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CSU-Chef Seehofer: "Verantwortung gegenüber den Hinterbliebenen"


Berlin - Bislang waren es eher Politiker aus der zweiten Reihe, nun stimmt mit Horst Seehofer der erste Unions-Spitzenmann mit ein: Angesichts der Entwicklung des Ukraine-Konflikts hat der CSU-Chef die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland infrage gestellt. Solange die Regierung in Moskau nicht zur Entspannung der Krise beitrage, seien weltweite Sportveranstaltungen dort schwer denkbar, sagte Seehofer der "Welt".

Bis 2018 bleibe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin noch viel Zeit, die Dinge in der Ostukraine zum Besseren zu wenden, sagte der bayerische Ministerpräsident der Zeitung. "Bleibt Putin bei seiner bisherigen Linie, kann ich mir eine Fußball-WM in Russland nicht vorstellen."

Seehofer begründete seinen Vorstoß auch mit dem mutmaßlichen Abschuss des Passagierflugzeugs der Malaysia Airlines durch moskautreue Separatisten. Dadurch habe man gegenüber den Hinterbliebenen der fast 300 Opfer eine Verantwortung, sagte der CSU-Chef.

Mit den aktuellen Entwicklungen nähern sich Unionspolitiker damit zumindest verbal der Position der Grünen an. Deren Bundestagsfraktion hatte bereits im Sommer 2012 eine Initiative für neue Kriterien für Großveranstaltungen vorgelegt, die von der damaligen Regierungsmehrheit aus Union und FDP aber abgelehnt wurde. Grünen-Chefin Simone Peter sagte der Zeitung, die Menschen- und Bürgerrechte müssten bei der Entscheidung mehr Gewicht bekommen, auch im Hinblick auf die Fußball-WM 2022 in Katar. In Bezug auf Russland sagte Peter, sie setze darauf, dass sich die Lage in der Region bis 2018 verändere.

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In den vergangenen Tagen hatten unter anderem die Unions-Bundestagsabgeordneten Michael Fuchs und Stephan Mayer sowie der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) den Entzug der WM in Russland gefordert, sollte die Regierung in Moskau nicht einlenken. Auch der britische Vizeregierungschef Nick Clegg drängte darauf, die WM neu zu vergeben.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) lehnte dies hingegen ab und kritisierte die Debatte über einen Boykott angesichts der Ukraine-Krise als nebensächlich. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach sich gegen die Debatte aus - vier Jahre im Voraus sei das nicht besonders klug.

Der Fußball-Weltverband Fifa hat es bislang abgelehnt, eine Neuvergabe der WM zu prüfen. Das Turnier könne "eine positive Veränderung bewirken", teilte die Fifa zuletzt mit.

fdi/dpa/Reuters/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 137 Beiträge
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Badischer Revoluzzer 02.08.2014
1. Meiner Meinung nach
ist nun Seehofer wirklich nicht die Person, die hier mitreden kann. Er ist bayerischer MP und soll sich um Bayern kümmern - da ist er gefordert genug.
dickebank 02.08.2014
2. Desinform
Zitat von sysopDPAAls erster deutscher Spitzenpolitiker bringt Horst Seehofer eine Absage der Fußball-WM 2018 in Russland ins Spiel. Angesichts der Ukraine-Krise halte er die Veranstaltung für schwer denkbar, sagt der CSU-Chef. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fussball-wm-csu-chef-seehofer-stellt-russland-als-gastgeber-infrage-a-984192.html
Mit dem vierten Wort des Artikels beginnt schon die Desinformation; Seehofer ist ein Regionalpolitiker - Vorsitzender einer Regionalpartei und MinPrä. Wenn der Spitzenpolitiker ist, dann ist Schuh-Platteln ein Spitzentanz. Na ja, so zickig wie 'ne Primaballerina ist der Horstl ja schon:-)
raber 02.08.2014
3. Seehofer who?
Ist ja schön und gut, dass man sich in Deutschland darüber Gedanken macht. Herr Seehofer ist ausserhalb der Grenzen ein Unbekannter. Wie seine Vorstellungskraft aussieht ist schwer vorstellbar. Ob er sich eine WM in Russland vorstellen kann ist mir ziemlich egal. Seine Meinung ändert er ständig und es fehlen noch 4 Jahre. Amigo-Affären, Hoeness-Steuerthema, usw, usw sind keine richtigen Zeichen wie er es damit hält.
joot 02.08.2014
4. Wie gut dass Seehofer nicht entscheidet wo die WM stattfindet
Ich weiß nicht was diese populistischen Forderungen immer sollen, wenn ein bayrischer Ministerpräsident überhaupt nicht zu entscheiden hat wo weltweite Sportereignisse stattfinden. Selbst Merkel hat darauf keinen direkten Einfluss, man könnte höchstens mit einer Nicht-Teilnahme des deutschen Teams drohen (aber wie bekommt man dann noch umstrittene Gesetzesvorgaben durch, wenn nicht alle 2 Jahre König Fußball die Medienberichterstattung dominiert?). Es hätte genügend Gründe gegeben Russland die WM nicht zuzusprechen (Menschenrechtslage, Diskriminierung, Pressefreiheit, ...), aber der Abschuss von MH17 zählt meiner Meinung nach nicht dazu.
hei-nun 02.08.2014
5. Vorsicht !
Auch wenn der Gedanke im ersten Moment gut aussieht, man sollte sich schnell davon lösen. Erstens würde es Putin ganz gelegen kommen, wenn er dafür kein Geld ausgeben müsste und zweitens könnte er sich verstärkt dem Ukraine-Thema nach seiner "Auslegung" widmen. Also: Dieser Vorschlag ist komplett kontra produktiv. Außerdem wird sich die FIFA keinen Millimeter bewegen ! Wenn Russland die WM behält, muss Putin sich stärker um das russische Renommee kümmern - und das könnte der Ukraine helfen !
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