Fußballstadion Ein Nazi als Namensgeber

Als Namenspatron für sein Stadion hat sich der 1. FC Schweinfurt einen verdienten Sohn der Stadt ausgesucht. Doch der Unterfranke Willy Sachs war nicht nur Industriemagnat, sondern auch überzeugter Nationalsozialist.


Die Fußball-Mannschaft von Maccabi Haifa, die am kommenden Freitag zum Freundschaftsspiel im Schweinfurter Willy-Sachs-Stadion gegen den 1. FC Schweinfurt 05 antritt, könnte der Stadtverwaltung reichlich Ärger bereiten.

Die Israelis haben allen Grund, am Namenspatron des städtischen Stadions Anstoß zu nehmen: Willy Sachs war nicht nur größter Industrieller der Stadt (Fichtel & Sachs) und Stifter des Stadions, sondern auch überzeugter Nationalsozialist und Jagdfreund von Hermann Göring.

Der Buchautor Werner Skrentny ("Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien") fand heraus, dass Sachs bereits vor 1933 in der SS war, später in die NSDAP eintrat und von Heinrich Himmler zum Obersturmbannführer ernannt wurde.

Während die "Initiative gegen das Vergessen ­ Zwangsarbeit in Schweinfurt" eine sofortige Umbenennung der Spielstätte fordert, wollen die Vereinsoberen nichts ändern: "Alles muss irgendwann vorbei sein", so FC-Geschäftsstellenleiter Matthias Böhnke. "Ich persönlich habe mit dem Namen Willy Sachs überhaupt kein Problem."



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