G-8-Konflikt Merkel zeigt Härte im Klima-Kampf mit Bush

Deutschland lässt nicht locker im Bemühen um konkrete Vereinbarungen der führenden Industrieländer für mehr Klimaschutz: Kanzlerin Merkel will noch direkt vor dem G-8-Gipfel nächste Woche in Heiligendamm die Differenzen mit US-Präsident Bush ausräumen.


Hamburg - "Wir werden bis zu letzten Minute ringen, um ambitionierte Ziele zu erreichen", hieß es heute in Berliner Regierungskreisen. Ein "weicher Kompromiss" der G-8-Staaten werde abgelehnt.

Rückendeckung erhielt Merkel von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Ohne direkte Erwähnung des Klimastreits sagte Ban vor einem Gespräch mit Merkel im Kanzleramt: "Ich hoffe, dass der G-8-Gipfel unter der deutschen Präsidentschaft ein großer, großer Erfolg wird." Er sei zuversichtlich, dass die internationale Gemeinschaft unter deutscher Führung dort einen großen Erfolg erzielen werde, sagte der UN-Chef. Ban nimmt als Gast am Gipfel teil.

Barroso verlangte von den G8 eine langfristige und verbindliche Klimaschutzstrategie. Er werde beim Gipfel auf Bush zugehen, um ihn von der Notwendigkeit entsprechender Abkommen im Kampf gegen die Erderwärmung zu überzeugen, sagte er in Brüssel nach einem Treffen mit der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.

Die deutsche G-8-Präsidentschaft und die US-Regierung streiten vor allem darüber, ob die sieben führenden Industriestaaten und Russland (G8) beim Gipfel konkrete Ziele für mehr Klimaschutz vereinbaren sollen. Washington lehnt verbindliche Vorgaben bisher strikt ab. "Die Gespräche gestalten sich schwierig", hieß es in deutschen Regierungskreisen. Zugleich wurden Darstellungen zurückgewiesen, inzwischen sei auch Großbritannien auf US-Linie eingeschwenkt. "Dafür gibt es keinen Hinweis", verlautete aus Verhandlungskreisen. Ausgelotet wird eine Kompromisslinie mit den USA, die zumindest ein Fortschreibung des Kyoto-Protokolls nach 2012 ermöglichen würde.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte, den Gipfel schon vor Beginn für gescheitert zu erklären. Man dürfe nicht jenen Amerikanern in den Rücken fallen, die ihre Regierung zu bewegen versuchten. Positiv werte Gabriel die jüngste Einigung der Außenminister von 16 Staaten Asiens und 27 EU-Staaten, dass bis 2009 eine Nachfolgeregelung für das auslaufende Klimaabkommen von Kyoto gefunden werden müsse.

flo/dpa



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