G-8-Schutz Heiligendamm bereit für die Zaungäste

Röntgengeräte, Sprengstoffspürhunde, Straßensperren: Heiligendamm gleicht seit heute einer riesigen Hochsicherheitszone. Der Ort ist gerüstet für das Treffen der Staats- und Regierungschefs - der Alltag der Einwohner zutiefst verändert.

Aus Heiligendamm berichtet


Heiligendamm - Es ist nur ein kurzes Surren, das Heiligendamm von der Außenwelt trennt. Eine rot-weiß markierte Schranke hebt sich auf der langen Allee, die von Bad Doberan in das Ostseebad führt, auf Höhe der Galopprennbahn aus dem Boden. Der Hubbalken, wie die Polizei die Anlage nennt, riegelt um 7.55 Uhr die Straße ab. Hier soll jetzt niemand mehr durch. Der Weg führt nur noch über die Kontrollstelle.

Heiligendamm ist abgesperrt. Ein isolierter Ortsteil Bad Doberans, eine Hochsicherheitszone, umgeben von einem zwölf Kilometer langen Zaun, bewacht von Tausenden Polizisten, bis einen Tag nach dem Abschluss des G-8-Gipfels am 8. Juni nur mit Berechtigungsausweisen an zwei Kontrollstellen passierbar. Hotelangestellte und Zulieferer dürfen durch und natürlich die rund 280 Einwohner Heiligendamms.

Was sie in den nächsten Tagen erwartet, erleben die ersten gleich an diesem Morgen. Dutzende Einsatzwagen der Polizei rauschen mit Blaulicht in Kolonnen Richtung Heiligendamm, 7500 Beamte sollen heute bereits im Einsatz sein. An der Kontrollstelle ist es wie am Flughafen: Röntgengeräte durchleuchten in einer eigens eingerichteten Leichtbau-Halle das Gepäck, einzeln müssen die Leute durch die Sicherheitsschleusen, Taschen, Uhren und Schlüssel in Plastikboxen auf Laufbänder legen. Zollbeamte stehen bereit, Polizisten lesen die Ausweise in Computer ein. Draußen überprüfen Sicherheitsbeamte Autos, für die es nur mit Sonderausweis Zufahrt gibt: Ein Unterbodenscanner sucht nach Unregelmäßigkeiten, anschließend wird das Wageninnere gefilzt, in Verdachtsfällen kommen Sprengstoffspürhunde zum Einsatz.

Eine Frage der Geduld

Eigentlich soll alles schnell und reibungslos abgewickelt werden, an diesem Vormittag aber stehen die Leute Schlange. Susan Mitmeier schaut auf die Uhr, es ist schon weit nach acht, eigentlich sollte sie längst bei ihrer Arbeit im Hotel Kempinski sein. "Zehn Minuten sollte es dauern, jetzt stehe ich hier schon eine halbe Stunde rum", sagt sie. Ein eigens eingerichteter Shuttle-Bus wird sie später nach Heiligendamm bringen. Es ist alles eine Frage der Geduld, aber Mitmeier hat keine andere Wahl - in den nächsten Tagen führt sie nur dieser Weg zur Arbeit in der Buchhaltungsstelle des Hotels.

Kathrin Henning will diesen ganzen Stress gar nicht erst mitmachen. Sie wohnt zusammen mit Mann, Tochter und Sohn in Heiligendamm. Den Ort wollen sie erst wieder verlassen, wenn alles vorbei ist. Geschäfte gibt es in dem Seebad nicht mehr, deswegen hat die 38-Jährige Großeinkäufe gemacht. Sie arbeitet in den nächsten Tagen von zu Hause, für ihre Kinder Josephin und Johannes wird vorübergehend das Wohnzimmer zum Klassenraum. Die Grundschule in Bad Doberan und das Gymnasium in Bukow haben der Familie angeboten, dass die Kinder bis zum Ende des Gipfels zu Hause lernen können. "Für Johannes hat uns die Grundschule eine Mappe mit dem Unterrichtsstoff geschickt", sagt Henning.

Sie sieht die nächsten Tage sehr entspannt. "Man wusste das alles, wir konnten uns lang genug darauf vorbereiten", sagt Henning. Was sie stört: Das Gejammere über Aufwand und Beeinträchtigungen, die mit dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen und Russlands in ihrem Ort verbunden sind. "Wir haben hier neue Straßenbeleuchtung und Bürgersteige bekommen, das hätte es doch sonst nie gegeben", sagt Henning.

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