+++ Newsblog +++ Wieder Zusammenstöße zwischen Vermummten und Polizei

Den ganzen Tag sah es so aus, als bliebe es am Ende des G20-Gipfels friedlich. Im Schanzenviertel kam es aber erneut zu Krawallen. Die Polizei rückte mit Räumpanzern an. Das Minutenprotokoll zum Nachlesen.

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Nachdem die Polizei am Freitag von Randalierern überwältigt wurde, geht sie im Schanzenviertel heute mit massiven Kräften gegen "Störer" vor. Hunderte Polizisten, Wasserwerfer und Räumpanzer sind in den Straßen unterwegs, Spezialeinheiten mit Schnellfeuerwaffen waren zu sehen. Auch heute treiben sich vermummte Randalierer auf den Straßen herum, teilweise sehr jung und nicht ausschließlich dem klassischen linksextremen Spektrum zuzuordnen. Gleichzeitig haben sich Schaulustige auf den Straßen versammelt. Die Polizei hat die Situation am Samstagabend bisher aber deutlich besser im Griff als gestern und hat die wichtigsten Kreuzungen besetzt, schreibt SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr. Dennoch gelang es der Polizei stundenlang nicht, die Lage unter Kontrolle zu bringen - Barrikaden brannten, es kam an wechselnden Schauplätzen zu schweren Ausschreitungen mit Randalierern - bis tief in die Nacht. Die Polizei meldete auch erneut verletzte Beamte.
Bento-Redakteurin Dilan Gropengießer berichtet von einem Zwischenfall auf St. Pauli:
Sonntagmorgen zwischen 02:07 und 02:17 Uhr liefern sich rund 30 Mitglieder des schwarzen Blocks einen Schlagabtausch mit Deutschsprachigen, die Schlagstöcke bei sich tragen. Sie stehen auf der Gerhardstraße, die vom schwarzen Block auf der Erichstraße - beide Seiten werfen Flaschen um die Ecke und schreien. Eine Minute nachdem ich den Vorfall der Polizei gemeldet hatte, rückte diese auch schon an und konnte eine Person festgenehmen. 
Die Polizei ist in der Nacht noch im Dauereinsatz. Immerhin verzeichnet sie eine leichte Beruhigung der Lage.
 
Die Polizei hat am frühen Sonntagmorgen die Angaben zur Zahl der Demonstranten aktualisiert, die festgenommen beziehungsweise in Gewahrsam genommen wurden. Seit Beginn der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg seien 144 Personen festgenommen und 144 weitere in Gewahrsam genommen worden, teilte ein Polizeisprecher auf Anfrage mit.
Die Krawalle in der Nacht zum Sonntag sind nicht nur weit weniger heftig als die am Vortag, sie sind auch deutlich gemischter. 

"Ich wohne hier", schreit einerseits ein Mann dem Wasserwerfer entgegen. Flaschen zerschlagen auf dem gepanzerten Fahrzeug, das mit hartem Strahl in Richtung des Mannes spritzt, der seinen blanken Hass in die Nacht herausbrüllt.
 
Foto: SPIEGEL ONLINE
 
Neben ihm allerdings drückt sich ein junges Mädchen ans Fenster einer Currywurstbude und hält mit traurigem Gesicht ein Schuld hoch: "Werft Blumen statt Steine." Und direkt vor dem Wasserwerfer tanzt eine kleine Gruppe Friedensbewegte den Ausdruckstanz. 
 
 
Die Polizei ist in der Nacht auf Sonntag wiederholt mit Wasserwerfern gegen Sitzblockaden im Hamburger Schanzenviertel vorgegangen. Zuvor waren Aufforderungen, etwa den Bereich vor dem Kulturzentrum Rote Flora zu räumen, ignoriert worden.
 
 
SPIEGEL-ONLINE-Reporter Martin Jäschke berichtet von einer absurden Szenerie im Schanzenviertel.
 
 
Am Hamburger Hauptbahnhof ist ein Sonderzug losgefahren, der G20-Gegner in Richtung Basel bringen sollte. Die Abfahrt verzögerte sich um gut eine Stunde, weil die Polizei die Personalien von Mitfahrenden aufnehmen und Videos von ihnen machen wollte. Mit der Maßnahme sollte nach mutmaßlichen Straftätern gesucht werden. Letztlich kontrollierten die Beamten nur oberflächlich. Festnahmen gab es nicht.
 
Wasserwerfereinsatz am Schulterblatt. Foto: Reuters
 
Die Krawalle am Rande des G20-Gipfels in Hamburg schaden nach Ansicht von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) Deutschlands Ansehen in der Welt. "Deutschlands Bild in der internationalen Öffentlichkeit wird durch die Ereignisse in Hamburg schwer in Mitleidenschaft gezogen", schreibt Gabriel in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Es habe eine "Orgie an Brutalität" gegeben. Die unfassbare Gewalt dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben.
 
Den Tätern "aus allen Teilen Europas" sei es nur "um Gewalt an sich" gegangen, schreibt Gabriel weiter. Sie unterschieden sich "überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen". Mit angeblich linken Motiven habe das nichts zu tun. Gabriel forderte eine europaweite Zusammenarbeit bei der Fahndung nach den Straftätern. Dafür müssten "alle möglichen rechtsstaatlichen Mittel eingesetzt werden". "Der demokratische Rechtsstaat muss jetzt seine Wehrhaftigkeit beweisen", forderte Gabriel.
 
Angriffe mit Steinen und Flaschen auf Polizeibeamte waren nach Angaben der Polizeipressestelle der Auslöser für den massiven Einsatz gegen teils vermummte Demonstranten auf dem Pferdemarkt. Zudem seien bei einer Sparkassen-Filiale Fenster zu Bruch gegangen. Der Polizei lagen zugleich Meldungen über Personen vor, die gegen Störer vorgehen wollten. Sie rief dazu auf, das Einschreiten unbedingt den Einsatzkräften zu überlassen. Laut Bundespolizei kam es wegen der aktuellen Situation zu erheblichen Beeinträchtigungen im S-Bahn-Verkehr im gesamten Stadtgebiet.
 
 
In der Gefangensammelstelle in Hamburg-Harburg sind nach Angaben der Rechtsanwältin Gabriele Heinecke aktuell 290 Gefangene. Sie kritisierte, dass es massive Probleme gebe, den Gefangenen die Nummer des anwaltlichen Notdienstes zu geben. "Stattdessen werden Telefonbücher hingelegt mit der Aufforderung, sich einen Anwalt herauszusuchen." Sie fügte hinzu, dass die Polizisten auf jeden Fall über den Notdienst informiert seien. "Das ist eine Schikane." Im wesentlichen seien die Anträge auf Haftbefehle von den Gerichten zurückgewiesen worden, dafür sei Gewahrsam bis Sonntag zwischen 15 und 18 Uhr ausgesprochen worden.
Details zum Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Sonntag in Hamburg. Er wird mit dem Führungsstab der Polizei sowie mit Polizisten sprechen. Außerdem trifft er laut Bundespräsidialamt verletzte Beamte sowie Hamburger Bürger, die von den gewalttätigen Krawallen betroffen waren. Begleitet wird Steinmeier vom Ersten Bürgermeister Olaf Scholz.
Trotz der Warnung der Polizei strömen immer noch viele Menschen aus Richtung Norden ins Schanzenviertel. Viele von ihnen sind sehr jung, einige noch minderjährig. Zwei junge Männer sind aus Volksdorf hergereist. Sie unterstützten die Proteste, sagten sie SPIEGEL-ONLINE-Reporter Steffen Lüdke. Seit gestern hätten sie aber auch "ein bisschen Mitleid mit der Polizei". Ein paar Meter weiter zielt eine Gruppe junger Männer mit Laserpointern auf Passanten, um sie zu erschrecken.
 
Rettungskräfte versorgen nach Angaben der Feuerwehr Verletzte im Schanzenviertel. Am Bahnhof Sternschanze ist der Zugverkehr aufgrund der laufenden Polizeieinsätze eingestellt.
Letzte Warnung: Die Polizei fordert alle Unbeteiligten auf, "bitte umgehend den öffentlichen Verkehrsraum im Bereich Schanzenviertel" zu verlassen, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Auch Kräfte des Spezialeinsatzkommandos der Polizei sind zu sehen.
Hunderte Polizisten sind derzeit wieder im Hamburger Schanzenviertel im Einsatz. Kurz nach 22 Uhr twitterte die Hamburger Polizei, es komme auf dem Neuen Pferdemarkt zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Auf der Kreuzung befanden sich zudem Dutzende Menschen. Die Polizei rückte darauf mit mehreren Hundertschaften und Wasserwerfern an, räumte die Kreuzung und trieb die Menschen teilweise unter Flaschen- und Böllerwürfen in Richtung des Schanzenviertels.
 
Es rückten immer neue Einsatzkräfte an, darunter auch österreichische Bundespolizisten. Bevor es zu der Eskalation kam, hatten Hunderte Menschen im Schanzenviertel friedlich gefeiert. Doch gleichzeitig mit dem Anrücken der Polizei griffen Jugendliche wieder zu massiver Gewalt gegen Geschäfte und Restaurants, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Mathieu von Rohr.
"Am Neuen Pferdemarkt ist die Lage eskaliert", berichtet SPIEGEL-ONLINE-Reporter Dominik Peters. Aus einem entspannten Sit-in an den Kreuzungen bei Bier wurde Krawall. "Wenig schwarzer Block, viele alkoholisierte Teenager, die offenkundig genau das wollten." Die Polizei, bereits den ganzen Abend vor Ort, setzte schließlich Wasserwerfer zur Räumung der Kreuzung bei zunehmender Dunkelheit ein.
 
Nach mehrmaliger Aufforderung zu gehen, brach plötzlich Panik aus. Die Menschen rannten Richtung Schulterblatt und Schanzenstraße, die Menge brüllte: "Ganz HH hasst die Polizei!" Die Polizei rückte anschließend weiter vor mit mehreren Hundertschaften. Böller und Flaschen flogen. In der Menge waren auch Jugendliche, die gewalttätig wurden: In der Schanzenstraße schlugen zwei von ihnen mit einem Holzknüppel auf Schaufenster ein, die von Gejohle begleitet zerbrachen. 
Die Polizei hat offenbar mit der Räumung des Neuen Pferdemarkts begonnen. Flaschenwürfe, Wasserwerfereinsatz - mit dem Tageslicht verabschiedet sich leider auch die friedliche Stimmung. Trotzdem: Im Vergleich zum Freitagabend noch immer relativ harmlos.
 
Als die Wasserwerfer anfangen zu spritzen, rufen einige Menschen: "Randale!" Viele flüchten in eine Seitenstraße des Neuen Pferdemarkts, kurz bricht Panik aus. Ganz in schwarz gekleidete Vermummte ziehen sich in der Seitenstraße die Jacken aus. Bunte Pullover kommen zum Vorschein. Als die Wasserwerfer weiter in Richtung Sternschanze ziehen, gehen auch viele Menschen mit Bierflaschen hinterher. "Lass mal näher ran, Digger", sagt einer. 
Vielleicht ist es zu früh für ein Fazit des Samstags. Die Kollegen wagen es trotzdem.
 

Friedlicher G20-Protest: "Hass ist krass, Liebe ist krasser" - SPIEGEL ONLINE - Politik

Es geht auch anders: Am Tag nach den Krawallen im Schanzenviertel haben in Hamburg Zehntausende Menschen gegen den G20-Gipfel demonstriert - größtenteils friedlich und bemerkenswert kreativ.
 
Am Neuen Pferdemarkt stehen sich seit einigen Minuten Polizei und eine größere Menschenmasse gegenüber. SPIEGEL-ONLINE-Reporter Dennis Deuermeier schätzt die Situation allerdings noch als "eher entspannt" ein. (Foto: SPIEGEL ONLINE)
Uno-Generalsekretär António Guterres hat die Ergebnisse des G20-Gipfels als wichtige Bestandsaufnahme bezeichnet. "Wir müssen diesen Gipfel nicht als einen der Problemlösung sehen, sondern als einen, bei dem wir eine Bestandsaufnahme der bestehenden Probleme vornehmen", sagte Guterres im Interview mit den ARD-"Tagesthemen". Dies ermögliche es, "die Fundamente" zu legen für gemeinsame Maßnahmen gegen die bestehenden Probleme.

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der 20 großen Industrie- und Schwellenländer sei also "kein Fehlschlag, sondern ein wichtiger Augenblick mit der Möglichkeit, voll zu erfassen, wie weit wir weg sind vom Konsens", sagte Guterres. Er verwies auf den "Klimawandel, das akuteste und schwierigste Problem im Augenblick". Die USA hätten in Hamburg zwar auf ihrer Ablehnung des Pariser Klimaabkommens beharrt, "aber 19 Länder haben solide zusammengestanden und sich verpflichtet, Kurs zu halten", lobte der Uno-Generalsekretär. Dies sei "ein wichtiger Erfolg".
#JesuisREWE - ein heißer Anwärter auf den Hashtag des Tages.
Da aktuell noch immer ein Fahndungsaufruf in den verschiedenen sozialen Medien kursiert: Die Polizei hat längst dementiert, der abgebildete Mann wird nicht gesucht.


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Seite 1
ericstrip 08.07.2017
1. Da kommen sie jetzt erst drauf?
Zumal diese Treffs bislang noch sehr gut aus den Mitteln "gegen rechts" schöpfen können... Die Geister, die ich rief...
hajueberlin 08.07.2017
2. Ein "rechter" Politiker
sagt, daß ein linkes Zentrum dicht gemacht werden muss. Das sagt doch alles. Ich glaube nicht, daß die Leute von der roten Flora mit dem was da und wie es abläuft einverstanden sind. Aber ein Rechter schwingt schon wieder die Keule. Muss man halt ausnutzen. So eine Gelegenheit kommt nicht wieder. Nach seinem Selbstverständnis ist er bestimmt ein Demokrat. Nach meinem Verständnis nicht. Er schmeißt alle in einen Topf. Ist in Berlin zum 1. Mai ähnlich. Da kommen Krawalltouristen (die danach wieder nach hause fahren und sich wohlfühlen, weil sie sich aus getobt haben) und dann heißt es "die Berliner" waren das. Schmarrrrrrrn! Wirkliche Linke würden keine Autos von Arbeitern/Angestellten anzünden oder Geschäfte von Einzelhändlern demolieren. Das sind einfach nur Krawalltouristen. Das ist KEIN Klassenkampf.
Monika Lowinsky 08.07.2017
3. Die Politik traegt die Verantwortung fuer die Krawalle
Jetzt lassen sie die Katze aus dem Sack. Es war intendiert, um einen Grund finden, die buergerlichen Freiheiten weiter einzuschraenken. Es ist an der Zeit, den Widerstand gegen die menschenverachtende Politik der Bundesregierung zu erhoehen.
brechthold 08.07.2017
4. Genau! Am besten das ganze Schanzenviertel plattmachen
...das freiwerdende Gelände an Immobilienhaie verhökern und den Mietspiegel in HH noch etwas höher treiben. Die Welt (des Herrn Schuster, und nur dessen) wird fortan ein glücklicher friedlicher Ort sein. Überhaupt - am besten auch noch nicht nur linke Gesinnung, sondern generell jegliche Opposition verbieten, und den gesamten pöbelnden Mob gleich mit! (Könnte ironisch gemeint sein).
wahlossi_80 08.07.2017
5.
Ist etwa die Schnapsidee, den Gipfel in Hamburg stattfinden zu lassen, mit der Idee verfolgt worden, die CDU-Politiker Schuster ausspricht: “Linke Zentren wie die Rote Flora müssen konsequent dichtgemacht werden"
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