+++ G20-Newsblog +++ Sprecher der Roten Flora distanziert sich von "sinnbefreiter Gewalt"

Im Hamburger Schanzenviertel spielen sich dramatische Szenen ab. Die Polizei rückte mit Maschinenpistolen an, ein langjähriger Aktivist des linken Veranstaltungszentrums Rote Flora zeigt sich erschreckt. Die Entwicklung im Newsblog.

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"In der Flora wird kein Hinterhalt oder Ähnliches geplant. Das Gebäude ist geschlossen und wir versorgen hier drin ausschließlich Verletzte“, sagt Sprecher Andreas Blechschmidt, der derzeit in der Roten Flora im Schanzenviertel ist, zu SPIEGEL ONLINE. Es seien noch immer Verletzte vor Ort, insgesamt habe man zwanzig Menschen mittlerweile medizinisch versorgen können, drei wurden vom Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Zuvor waren über Twitter Sanitäter gesucht worden, die in der Roten Flora helfen können. Blechschmidt kritisiert die Situation in der Schanze: Man finde Protest und Blockaden gegen G20 und die Messehallen richtig, aber die "sinnbefreite Gewalt" jetzt in der Schanze sei Selbstzweck und falsch.
Unbekannte haben am frühen Samstagmorgen die Scheiben mehrerer Geschäfte in der Rostocker Innenstadt eingeworfen. Betroffen waren nach Informationen der Polizei drei Bekleidungsgeschäfte, davon gehören mindestens zwei zu internationalen Ketten. "Wir müssen von einem Zusammenhang mit dem G20-Gipfel ausgehen", sagte ein Polizeisprecher unter Verweis auf die linksautonome Szene in der Stadt. Die Täter konnten zunächst fliehen.
Bei dem Großeinsatz im Schanzenviertel wurden nach Polizeiangaben 13 Menschen festgenommen. In ein Gebäude seien Spezialkräfte eingedrungen und hätten es gesichert. Eine unbekannte Zahl von Randalierern habe sich auf Dächer geflüchtet. Etwa 500 Autonome hätten in der Altonaer Straße nördlich der Roten Flora einen Supermarkt geplündert und angezündet. Die Kriminalpolizei ermittle. Inzwischen beruhige sich die Lage im Schanzenviertel aber.
 

Die Polizei bittet um die Zusendung von Videos und Fotos der Krawalle. Dazu wurde ein entsprechendes Internetportal geschaltet.

 

 

Nach einigen Stunden relativer Ruhe berichtet die Polizei wieder von brennenden Autos oder Barrikaden in Altona und St. Pauli. Es handele sich jedoch nur um Kleinstfeuer, erklärte ein Sprecher. Einsatzkräfte schritten ein.
 
Die Polizei hat die Absperrung der Straße Schulterblatt im Schanzenviertel beendet. Hunderte Polizisten liefen in Richtung Pferdemarkt.
 
Teile des Schanzenviertels sehen aus wie ein Schlachtfeld. Auf den Straßen liegen die verkohlten Überreste von Barrikaden, der Asphalt ist noch nass von den Wasserwerfern, mit denen die Polizei die Autonomen gejagt hat. Noch immer dreht ein Hubschrauber am Himmel seine Runden.
 
Vereinzelt kam es in den frühen Morgenstunden noch zu Flaschenwürfen auf Polizeifahrzeuge. Wasserwerfer fuhren durch die Straßen, gelegentlich kamen sie gegen Randalierer zum Einsatz. Die Straße Schulterblatt war noch immer abgeriegelt.
 
Die Hamburger Polizei hat Berichte zurückgewiesen, wonach Einsatzkräfte die Rote Flora gestürmt hätten. Der Zugang zu dem früheren Theater war am frühen Samstagmorgen noch abgeriegelt. Das seit fast 30 Jahren besetze Gebäude gilt bundesweit als eines der wichtigsten Zentren der autonomen Szene. Das bestätigen auch Unterstützer der G20-Gegner. Es befände sich kein Polizist in dem Gebäude, sagte ein Mitglied des sogenannten Legal Teams am frühen Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Anwälte unterstützen Protestler, wenn sie in Schwierigkeiten mit der Polizei geraten.
Die Polizei hat die Straßen rund um die Rote Flora wieder unter Kontrolle. (Foto: Reuters)
Ein Großteil der Straße Schulterblatt ist nach Angaben der Polizei geräumt worden. In diesem Zusammenhang bestätigte die Polizei den Einsatz von Spezialkräften. Die Gefährdung sei erheblich gewesen.
Spezialkräfte der Polizei haben die Randalierer vom Platz vor der Roten Flora vertrieben. (Foto: dpa)
Die Polizei hat nach eigenen Angaben in der Straße Schulterblatt eine Vielzahl von Spezialkräften zusammengezogen, weil es Hinweise darauf gegeben habe, dass Straftäter Angriffe mit Molotowcocktails, Zwillen und Wurfgegenständen vorbereiteten.
Zwei 15-jährige Hamburger standen lange Zeit neben den brennenden Barrikaden im Schanzenviertel, beide waren ganz in schwarz gekleidet. SPIEGEL-ONLINE-Reporter Steffen Lüdke sagten sie: "Wir sind hier, weil wir uns anschauen wollen, wie die Leute gegen die Polizei vorgehen. Und weil wir uns beweisen wollen, dass wir gegen den G20-Gipfel sind. Das Treffen ist Geldverschwendung. Vorhin haben wir Angst bekommen, als die Polizisten in unsere Richtung gerannt sind. Wahrscheinlich gehen wir bald."
Spezialkräfte der Polizei im Schanzenviertel. (Foto: Reuters)
Die Polizei ist nach einer langen Phase des Abwartens gegen die Randalierer in der Sternschanze vorgerückt. Unbeteiligte wurden dringend aufgefordert, sich zu entfernen. Mehrere Wasserwerfer sind im Einsatz und räumen die Straßen, auf denen zuvor gewaltbereite Demonstranten mehrere Barrikaden angezündet hatten. Inzwischen seien erste brennede Barrikaden gelöscht worden. 

Auch mehrere bewaffnete SEK-Kräfte mit Maschinenpistolen sind im Einsatz
. Ein Hubschrauber mit Suchscheinwerfer schwebt am Himmel. Nach Angaben der Polizei befinden sich noch immer bewaffnete Randalierer auf Hausdächern.
Ein Großteil der Randalierer ist vor Wasserwerfern und Polizei-Hundertschaften geflüchtet und hat sich offenbar im Viertel verteilt. Die Polizei meldet, "einen Großteil der Straße Schulterblatt" gesichert zu haben. Hunderte Menschen befinden sich derzeit am nahegelegenen S-Bahnhof Sternschanze. Etwa 150 Meter vom Bahnhof haben Vermummte die Scheiben eines Bio-Supermarkts eingeschlagen. In der Schanzenstraße wurde ein auf Apple-Produkte spezialisiertert Computerladen geplündert.
Über Twitter werden Sanitäter gesucht, die Verletzte in der Roten Flora behandeln können.
An der Roten Flora geht die Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mit dem Schlagstock auch gegen einen Fotografen vor. Die Polizei verbietet Journalisten, den Sicherheitskräften bei ihrem Vorrücken gegen die Autonomen zu folgen.
Die Polizei zielt mit Wasserwerfern auf Randalierer, die sich auf Gerüsten und Dächern verschanzt haben. (Foto: Reuters)
Im Schanzenviertel rückt jetzt die Polizei mit Wasserwerfern vor. (Foto: Reuters)
Wir bitten Medien & Privatpersonen, das taktische Vorgehen der Einsatzkräfte nicht zu filmen /zu senden, um sie nicht zu gefährden
#G20HAM17
Plünderer des Supermarkts im Schanzenviertel heizen die Feuer mit Klopapier an. (Foto: Reuters)
Der S-Bahn-Verkehr im Hamburger Innenstadtbereich ist nach Angaben der Bundespolizei bis auf Weiteres eingestellt worden. Die Bürger wurden werden aufgefordert, die Innenstadt großräumig zu meiden.
Ein Polizeihubschrauber überfliegt das Schanzenviertel. (Foto: Reuters)
Nach Einschätzungen von Beobachtern ist das Schanzenviertel derzeit eine "komplett polizeifreie Zone". Auf dem Schulterblatt brennen drei Barrikaden, viele Schaufensterscheiben sind zu Bruch gegangen. Rund 2000 Menschen sollen auf den Straßen unterwegs sein.
SPIEGEL-ONLINE-Reporter Sven Becker fällt zu den Szenen im Schanzenviertel nur ein Satz ein: "Das ist Anarchie." (Foto: Reuters)
"Frieden ist keine Option" steht auf dem T-Shirt dieses Mannes, der vor brennenden Barrikaden im Schanzenviertel steht. (Foto: Reuters)
Szene aus dem geplünderten Supermarkt im Schanzenviertel. (Foto: Reuters)
Nach Angaben der Polizei sind inzwischen 83 Menschen festgenommen worden, 19 weitere seien in kurzzeitigen Gewahrsam genommen worden.


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Seite 1
Silversurfer2000 07.07.2017
1. Show für die Presse ...
... ganz weit weg vom G-20 Gipfel. Auf den Videos kommen auf einen Demonstranten zwei Fotografen. Und rund um die Alster, wo die Vorgespräche zum G20-Gipfel stattfanden, herrschte Ruhe und Frieden.
schmuella 07.07.2017
2. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?!
Warum lässt man den G20 in Großstädten stattfinden? Es wäre viel einfacher, den Gipfel auf einer flächenmäßig überschaubaren Insel mit Flughafen stattfinden zu lassen. Oder vielleicht ganz ausfallen lassen.
nesmo 07.07.2017
3. Die Hamburger Polizei
wollte ganz korrekt sein. Vermummung ist verboten und kündigt quasi Straftaten an, also wurde die Demo gestoppt, bis die Vermummten ihre Tücher pp. abnehmen. Diese taten es nicht, also der Versuch die Vermummten zu stoppen und die anderen demonstrieren zu lassen. Das machten der schwarze Block der Vermummten aber nicht mit und schon war die Schlacht eröffnet. Die prollige berliner Polizei, die aus dem Containerdorf von den Hamburgern zurückgeschickt wurde, hätte es anders gemacht. In Berlin werden Vermummte zunächst geduldet, zur Deeskalation. Daran haben die sich die Vermummten fast gewöhnt und sehen es als ihr Recht an. Der Versuch der Hamburger streng Recht und Ordnung durchzusetzen hat langfristig vielleicht positive Folgen, kurzfristig eskaliert es nun um so mehr. War es Unerfahrenheit der Hamburger oder ordnungspolitische Weitsicht, die Demo zu stoppen, man wird sehen, ob die auf Krawall gebürsteten sich davon beeindrucken lassen
ftraven 07.07.2017
4. Bewußte Eskalation
Weder der Senat noch die Polizei wollte offenbar den Demonstrationszug mit dem merkwürdigen Namen. Also wurde ein Grund gesucht, diesen nicht so stattfinden zu lassen. Oberhartliner Dudde ist wohl zufrieden. Dass mit solchen Eskalationen natürlich weitere geschürt werden ist doch wohl klar. Es ist schon ein trauriges Bild, wenn die angeblich weltoffene Stadt Versammlungsverbotszonen in ihrer Stadt festlegt. Man fühlt sich eher an Maidan oder Gezi erinnert, als an Deutschland. Es war ein großer Fehler, dieses G20-Spektakel in Hamburg stattfinden zu lassen. Die Folgen daraus, ca. 130 Mio Euro Kosten, massivste Einschränkungen für Anwohner, Verluste der Geschäfte, wahr- scheinlich hohe Kosten für Versicherungen und Schäden, ein Schaden an der Demokratie etc. hat SPD-Scholz zu verantworten. Er wird es bei der nächsten Wahl merken. Er ist ja selbst so stur, dass er die richtige Strategie von SPD-Gabriel und Schulz, solche Treffen bei der UN stattfinden zu lassen, in Abrede stellt. Armes Hamburg, armes Deutschland.
eriatlov 07.07.2017
5. Wie war das noch?
"Werbung für Hamburg als weltoffene, völkerverbindende Stadt". Das ich nicht lache! Hamburg hat doch diesen G20 Zirkus gar nicht nötig! Die Bilder, die jetzt um die Welt gehen, wirken eher abschreckend auf potentielle Touristen. Scholz und Merkel werden sicher keinen G20 Gipfel mehr ausrichten.
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