Gewalt beim G20-Gipfel Eskalation am Schulterblatt

Es herrschte das Chaos: In der Nacht verwandelten militante G20-Gegner das Hamburger Schanzenviertel in ein Schlachtfeld. Die Polizei rückte schließlich mit Spezialkräften vor.


Barrikaden brennen, Fensterscheiben werden mit schweren Pflastersteinen eingeschlagen, eine Drogerie und ein Supermarkt geplündert. Auf den Straßen Randalierer und viele Schaulustige, in der Straße Schulterblatt rund um das autonome Zentrum Rote Flora brennt es lichterloh. Am Himmel kreist ein Helikoptern mit Suchscheinwerfern. Gut drei Stunden herrscht Chaos, schließlich rückt die Polizei gegen Mitternacht mit einem massiven Aufgebot vor.

Es sind dramatische Szenen, die sich am Abend und in der Nacht im Hamburger Schanzenviertel abspielen.

Rund 1500 militante G20-Gegner, vor allem aus dem schwarzen Block, sollen sich laut Polizei in dem Viertel aufgehalten haben. Die Polizei rief vor dem Vorrücken die Bürger via Facebook auf, sich deutlich von Gewalttätern zu distanzieren. "Wir gehen jetzt konsequent gegen die Straftäter im Schulterblatt vor. Unterstützt unsere Arbeit und entfernt euch umgehend!"

Es dauerte, bis das Schulterblatt geräumt war. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Spezialkräfte waren im Einsatz, laut Polizei sei die Gefährdung für die Beamten erheblich gewesen. Es habe Hinweise darauf gegeben, dass Angriffe mit Molotowcocktails, Zwillen und Wurfgegenständen vorbereitet worden seien. Die Einsatzkräfte forderten Unbeteiligte auf, sich zu entfernen. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie Einsatzkräfte in Häuser eindrangen und auf Dächern standen. Mit gepanzerten Fahrzeugen wurden Barrikaden weggeschoben. Wasserwerfer waren im Einsatz. Die Polizei sprühte auch Tränengas.

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Proteste gegen G20-Gipfel: Hamburg, 7. Juli

13 Personen wurden laut Polizei in einem Haus am Schulterblatt festgenommen. Bei den Krawallen wurden nach Polizeiangaben vom Freitagabend 197 Beamte verletzt, darunter seien keine Schwerverletzten. Zur Zahl der verletzten G20-Gegner und friedlichen Demonstranten konnten weder Polizei noch Feuerwehr Angaben machen. Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Autonomen hätten eigene Sanitäter dabei, sodass sie in vielen Fällen nicht auf fremde Hilfe angewiesen seien.

Im Video: Gewalt beim G20-Gipfel - "Wie im Krieg"

Im Laufe der Nacht beruhigte sich die Lage. Vereinzelt kam es in den frühen Morgenstunden noch zu Flaschenwürfen auf Polizeifahrzeuge. Der zuvor eingestellte S-Bahn-Betrieb und der Bahn-Fernverkehr liefen wieder an.

Schon seit Donnerstagabend ging die Polizei immer wieder mit Wasserwerfern und Tränengas gegen teils vermummte Linksautonome vor. Auch am Freitag zündeten militante Täter laut Polizei Autos an, schlugen Fensterscheiben ein und errichteten Straßenbarrikaden. Sie nutzten demnach dabei mitunter Eisenstangen und warfen Molotowcocktails, es gab Verletzte durch den Beschuss mit Stahlkugeln aus Zwillen. Im Schanzenviertel gab ein Beamter laut Polizei am Abend einen Warnschuss ab, nachdem er von Gewalttätern massiv bedrängt worden war.

In der Nähe der Elbphilharmonie kam es ebenfalls zu Ausschreitungen. Die Polizei berichtete, sie sei massiv mit Gegenständen beworfen worden und habe Wasserwerfer eingesetzt. In der Elbphilharmonie hatten sich am Freitagabend die Teilnehmer des G20-Gipfels zu einem Konzert versammelt.

Gipfelgegner warfen der Polizei vor, bei Räumungen "enthemmte Gewalt" mit Pfefferspray und Wasserwerfern angewandt zu haben. Wegen der Auseinandersetzungen hatte die Hamburger Polizeiführung am Freitag weitere Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung nachgefordert. Die Zahl der eingesetzten Polizisten sollte damit bei bis zu 21.000 liegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, sie habe Verständnis für friedlichen Protest, aber gewalttätige Demonstrationen brächten "Menschenleben in Gefahr" und seien "nicht zu akzeptieren". Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte konsequente Strafen.

max/dpa



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