Eskalation der Gewalt in Hamburg Protest ist trotzdem richtig

Schwarz Vermummte, die marodierend durch die Straßen ziehen, wollen einfach nur: Gewalt. Die braucht niemand. Anders als politischen Protest - der ist wichtiger denn je.

Teilnehmer der Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20"
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Teilnehmer der Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20"

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Die Bilder aus Hamburg sind entsetzlich. Schwarz Vermummte, die marodierend über die Elbchaussee ziehen, wahllos Autos anzünden, in blinder Wut alles zerstören, was ihnen in den Weg kommt. Schwarz Vermummte, die am Schulterblatt Barrikaden aufbauen, sich mit Steinplatten und anderen Wurfgeschossen zum Kampf gegen die Polizei rüsten. Schwarz Vermummte, die nur eines im Sinn haben: Gewalt.

Mit aller Härte muss der Staat gegen diese Leute vorgehen, zur Not auch mit schwer bewaffneten Sondereinheiten wie in der Nacht im Hamburger Schanzenviertel.

Was der Staat auf keinen Fall tun darf: die Gewalttäter verwechseln mit denen, die eine inhaltliche Auseinandersetzung suchen. Auch Vertreter demokratischer Parteien sollten sich vor Verallgemeinerungen hüten. Die Randalierer mögen politische Parolen brüllen - politisch sind sie nicht. Allerdings verstecken sie sich gerne hinter und unter denen, denen es um Politik geht.

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Proteste gegen G20-Gipfel: Hamburg, 7. Juli

Das macht es so schwer, diese Gruppen auseinanderzuhalten, zu differenzieren - auch praktisch. Wie schwer, das erlebt die Polizei gerade in Hamburg. Alle, die friedlich gegen G20 demonstrieren wollen, dürfen und sollen das selbstverständlich tun. Auch an diesem Samstag. Wer behauptet, jeder, der gegen den Gipfel auf die Straße geht, solidarisiere sich mit dem Mob, liegt falsch.

Im Video: Gewalt beim G20-Gipfel - "Wie im Krieg"

Es ist völlig legitim, in Hamburg gegen die Auswüchse der Globalisierung zu protestieren, gegen die klimaschädliche Politik vieler G20-Staaten oder generell gegen das Format des Gipfels: Niemand macht sich so mit denen gemein, die nur randalieren wollen. Ob es nach den Ereignissen der vergangenen Tage möglicherweise eine riskante Idee ist, steht auf einem anderen Blatt.

Gewaltfreiheit muss mehr sein als ein Lippenbekenntnis: Wer die Präsenz von Polizisten bei Demonstrationen als Provokation empfindet, sollte sein Verhältnis zu diesem Staat überdenken.

Der Staat gewährt seinen Bürgern viele Freiheiten und Rechte. Und er übt das Gewaltmonopol aus. Wer damit ein Problem hat, darf kein Verständnis erwarten.



insgesamt 194 Beiträge
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DJ Bob 08.07.2017
1. aber 100% richtig!
Freedom of speach ist das wichtigse gut in unsere Demokratie neben körperliche Unversehrtheit Und ich brauche auch kein Hamburger Minister der nur einen Grund sucht dieser einzuschränken Get lost Armin!!!
thilosc 08.07.2017
2. Na hoffentlich...
...lesen den Beitrag auch GrünInnen und LinkInnen AbgeordnetInnen. Gerade diese Klientel des Nanny-Staates hält seit Jahr und Tag den sogenannten "AntifaschistInnen" die Hand vor den Hintern. Gerade diese Damen und Herren und ihre 52 weiteren Geschlechter haben ihr Verhältnis zu Polizei und dem Gewaltmonopol nie richtig definiert. Die sogenannten "Verurteilungen von Gewalttaten" sind nicht mehr als Lippenbekenntnisse. Tatsächlich herrscht bei dieser linken Blase doch klammheimliche Freude über jeden verletzten Polizisten, wenngleich das Abfackeln von Twingos und Corsas "aus Protest gegen die Mächtigen" als "jetzt so irgendwie so nicht so gut und ein stückweit etwas dekonstruktiv" gesehen wird...
Izmir..Übül 08.07.2017
3.
Die autonomen Chaoten sind genau solche hirnlose Vollidioten wie die rechtsradika(h)len Schlägertrupps. Man müsste beide Parteien auf eine einsame Insel deportieren, wo sie sich dann ungestört gegenseitig die Schädel einschlagen könnten.
taglöhner 08.07.2017
4. Protest ist wichtig...
...aber auch wohlfeil ohne politisches Engagement. Veränderungen werden bei uns über Parlamente gemacht. Macht richtig Arbeit. Sehr viel mehr jedenfalls, als Randale oder gesellige Sonntagsspaziergänge mit der Blase.
Spiegelsicher 08.07.2017
5. Lieber Herr Gathmann, Sie fangen m.E. sehr gut an, ...
... dann aber drehen sie die Sache leider doch wieder zu einfach auf den Kopf, wenn Sie schreiben: "Was der Staat auf keinen Fall tun darf: Die Gewalttäter mit denen, die eine inhaltliche Auseinandersetzung suchen, verwechseln." Hier muss nicht erst der Staat differenzieren. Nehmen Sie bitte die angeblich so friedliche "Welcome to hell(!)"-Demonstation. Sorry, aber hier muss auch einmal ein Veranstalter in die Verantwortung und alle - angeblich - friedlich Mitmarschierenden. Direkt am Kopf der Demonstration fast 1000 schwarze Vermummte. Gemeldet als "Welcome to hell". Wen trifft denn hier zuvörderst die Verantwortung? Erst die Polizei? Oder die Mitläufer und Veranstalter, von denen einer auch noch zuvor verkündete, den Staatsmännern "die Hölle heiß zu machen." Ich möchte in einer Republik leben, in der die Menschen eigenverantwortlich handeln, und sich dann auch dafür - eben - verantworten. Das mit der bösen Polizei ist - sorry - zu billig.
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