Scholz über G20-Krawalle "Ja, ich schäme mich"

Vor dem Gipfel strahlte er Zuversicht aus - G20 in Hamburg, kein Problem, schaffen wir. Nun gibt sich Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz reumütig. Die Ausschreitungen seien schwer auszuhalten gewesen.

Olaf Scholz
AFP

Olaf Scholz


Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat nach den gewaltsamen Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels ein bitteres Fazit gezogen. "Da gibt es nichts zu beschönigen, das waren schlimme Tage für Hamburg", sagte er dem "Stern". Er bestritt allerdings, dass die Behörden die Kontrolle über die Lage verloren hatten. "Der Staat hat nicht versagt." Einen Rücktritt lehnt der SPD-Politiker ab.

Es gehe jetzt darum, nach möglichen Fehlern zu suchen, die nötigen Lehren für die Zukunft zu ziehen und mit aller Konsequenz gegen die Straftäter vorzugehen. "Die Strafen setzen die Gerichte fest", sagte Scholz. "Ich hoffe, es werden harte sein."

Der Erste Bürgermeister von Hamburg galt bislang als Vorzeigepolitiker, der in der SPD auch nach der Bundestagswahl eine führende Rolle spielen wird. Die schweren Krawalle mit knapp 500 verletzten Polizeibeamten haben dieses Bild von Scholz beschädigt. Seine Glaubwürdigkeit hat gelitten. "Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist", hatte er vorher gesagt. Für diese Fehleinschätzung steht er nun in der Kritik.

"Größter Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte"

Scholz bestritt, dass die Polizei nicht ausreichend vorbereitet gewesen sei. Es seien auch nicht zu wenig Polizisten in der Stadt gewesen. "Es war der größte Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte, vom Bund und aus allen Ländern war in Hamburg, was irgendwie zu entbehren war", sagte er dem "Stern". Die Polizei habe getan, was getan werden konnte, um einen sicheren Ablauf des Gipfels in der Stadt zu gewährleisten. "Gerade deshalb ist es so sehr bitter, dass man nicht vermeiden konnte, was am Ende passiert ist."

Er verteidigte die Entscheidung, den G20-Gipfel in Hamburg abzuhalten. Kurz vor dem Gipfel habe es noch einmal ein Gespräch mit der Kanzlerin und den Chefs aller Sicherheitsbehörden gegeben. "Niemand von denen hat gewarnt, der Gipfel könne in Hamburg nicht stattfinden. Im Gegenteil, alle waren beeindruckt von der Professionalität der Vorbereitung", so Scholz.

Der Bürgermeister gab zu, dass die Situation am zurückliegenden Freitag, als die Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel ihren Höhepunkt erreicht hatten und die Polizei mehrere Stunden lang nicht eingriff, "für uns alle schwer erträglich" gewesen sei. Scholz räumte ein: "Ja, ich schäme mich für das, was passiert ist."

mho

insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
emma04 11.07.2017
1. Hut ab, vor Herrn Scholz!
Hut ab vor Herrn Scholz, er duckt sich nicht weg, sondern steht zu seinem Wort, während die Grünen nur herumeiern. Tatsache ist, dass sich der Staat nicht auf der Nase herumtanzen lassen kann. So ein Gipfel muss in einer Großstadt wie Hamburg möglich sein. Ich hoffe, die Randalierer bekommen ein saftiges Strafmaß. Autos abfackeln, Molotow-Cocktails und Pflastersteine werfen, nimmt die Verletzung oder gar den Tod von Polizisten oder unbeteiligten Dritten billigend in Kauf. Das ist Mordabsicht und keine friedliche Demonstration.
der Bulle 11.07.2017
2. Der Scholzomat
streitet immer noch- wieder besseren Wissens- ab, das der Staat nicht versagt hat. Die mehrstündige Preisgabe eines ganzen Viertels an den plündernden Mob dokumentiert dieses Versagen geradezu ! Wenn ich mich recht erinnere saß der 1. Bürgermeister zu dieser Zeit in der Elbphllharmonie um den Klängen der Hochkultur zu lauschen. Seine Bürger, deren Schutz er zugesichert hatte, lauschten in dieser Zeit dem kling klang klong Ihrer unter den rhythmischen Schlägen des Mobs berstenden Scheiben. Das Spektakel wurde zu dieser Zeit auch nicht vom Lalülala der Polizei gestört.
e.pudles 11.07.2017
3. Der Vorzeigepolitiker der SPD
Na wenn die SPD solche Leute als Vorzeigepolitiker puscht, dann muss sie sich nicht wundern, wenn sie am Wahltag die grösste Schlappe aller Zeiten einfahren wird. Für eine eventuelle Groko (danach sieht es ja auch aus) ist der Posten des Innenministers ja zum Glück schon definitiv mit Hermann aus der CSU besetzt. Man stelle sich vor Scholz würde diesen Posten bekommen. Was könnte man ihm den für eine Ministerium geben, bei welchem er so wenig wie möglich Schaden anrichten kann. Am besten keines. Soll in Hamburg bleiben und dort die Leute weiter ver...schen, obwohl sie das wirklich nicht verdienen.
purple 11.07.2017
4. Was redet der für einen Mist
Jeder Aggressionsforscher und auch Professoren der Polizeihochschule sagen, daß bei der angewendeten Polizeitaktik diese Ausschreitungen unvermeidbar waren. Die Intensität war tatsächlich in diesem Ausmaß vielleicht nicht absehbar, waren ausländische Chaoten dabei, denen es nur um Randale ging, aber der massenpsychologische Mechanismus war der Polizei bekannt. Jede Simulation wird genau zu diesem Ergebnis kommen. Zuerst die Wut (Lagerräumungen) auch bei friedlichen Demonstranten anstacheln, dann eine extreme Polizeipräsenz zeigen und beim geringsten Anlass (Welcome to Hell - Demo) losschlagen. Da kommt genau das raus - und alle haben es gewußt. Man wollte - vor allem solche Leute wie Dudde - das Augenmerk der Politik auf linke Gewalt lenken um von dem entstandenen rechtsbraunen Sumpf, mit dem auch große Teile der Polizei - und ich kenn da ein halbes dutzend persönlich - sympatisieren, abzulenken. Gibt jetzt ein nettes Wahlkampfthema
Overseasreader 11.07.2017
5. Ich sehe keinen Grund
warum der Oberbuergermeister sich schaemen sollte. Das Verhalten des Poebels war schaemenswuerdig und genau das sollten die Krawallmacher tun, sich schaemen. Deren Verhalten war widerwaertig und das volle Mass der Bestrafung durch die Justiz sollte und MUSS ihnen zuteil werden. Niemand konnte voellig voraussehen zu welchem Mass an Zerstoerungswut diese Chaoten faehig waren, auch Olaf Scholz nicht. Vielleicht ist es notwendig, den Einsatzgruppen der Polizei breitere Befugnisse in solchen Faellen zu erteilen. Man sollte aber nicht alle moeglichen Meckereien auf Olaf Schulz abladen. Das ist nicht fair.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.