G20 in Hamburg Gipfelauftakt im Schatten der Gewalt

Draußen brennen Autos, drinnen wird verhandelt: Überschattet von Krawallen hat der G20-Gipfel begonnen. Die Kanzlerin mahnt Kompromissbereitschaft an - jetzt richten sich die Augen auf US-Präsident Trump. Was stellt er diesmal an?

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Es ist so gekommen, wie viele befürchtet haben. In Hamburg treffen sich die mächtigsten Staatenlenker der internationalen Gemeinschaft - und um die Welt gehen Bilder von Gewalt und Chaos. Die Ausschreitungen vom Donnerstagabend setzen sich am Freitag fort. Randalierer ziehen marodierend durch die Straßen, setzen Autos oder Barrikaden in Brand, versuchen Zufahrtswege zum Tagungsgelände in der Messe zu blockieren.

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Proteste gegen G20-Gipfel: Hamburg, 7. Juli

Die Gipfelteilnehmer dürften von den Krawallen nur über Fernsehbilder etwas mitbekommen. Allerdings verzögern die Störaktionen den offiziellen Auftakt - wenn auch nur um wenige Minuten. Einige Delegationen werden auf dem Weg zu den Messehallen offenbar durch Proteste kurzfristig aufgehalten, sodass sich das rituelle Handschlag-Defilee bei Gastgeberin Angela Merkel ein bisschen hinzieht.

Donald Trump ist schließlich der Einzige, der aus dem traditionellen Fototermin eine kleine Show machte. Mit ausgestrecktem Arm schreitet er auf die Kanzlerin zu, kräftiger Händedruck, Griff an den Ellenbogen, Smalltalk. Als Merkel ihm schon den Weg zur Eröffnungssitzung weist, stellt sich Trump für die Fotografen noch mal mit ernster Miene neben ihr auf. Merkel blickt irritiert, dann schreitet der Präsident davon - und ballt dabei in Richtung Kameras energisch die Faust, als wolle er sagen: Alles im Griff.

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Später, als beim traditionellen Familienfoto Hunderte Objektive auf die Gipfelteilnehmer gerichtet sind, wirkt Trump allerdings zunächst ein wenig verloren. In der Mitte der ersten Reihe lächelt die Kanzlerin im signalroten Blazer zwischen all den dunklen Anzügen, dem US-Präsidenten dagegen ist ein Platz ganz außen zugewiesen.

Trump drückt den Rücken noch einmal durch, dann schlüpft Emmanuel Macron von hinten zu ihm durch, klopft ihm beidhändig auf die Schultern und stellt sich an seine rechte Seite - damit steht Trump nicht mehr am Rand. Als sich die Gruppe auflöst, gehen beide plaudernd von der Bühne. Schon beim G7-Gipfel auf Sizilien Ende Mai hatte Frankreichs neuer Präsident die Rolle als Brückenbauer gesucht.

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G20 in Hamburg: Der Gipfel ist eröffnet

Aufeinander zubewegen, "ohne uns zu sehr zu verbiegen"

Als dann die große Runde Platz im Sitzungssaal genommen hat, muss Großbritanniens Premierministerin Theresa May ihren Sitznachbarn Trump anstupsen, damit der sich wie alle anderen noch einmal zu den Fotografen umdreht. Die Kanzlerin mahnt schließlich in ihren öffentlichen Begrüßungsworten Kompromissbereitschaft an. Man müsse sich aufeinander zubewegen, "ohne uns zu sehr zu verbiegen". Unterschiede müssten auch benannt werden.

Damit ist, ohne auf konkrete Inhalte einzugehen, wohl die Linie für den Gipfel vorgegeben. Denn im weiteren Verlauf des Freitags stehen die besonders heiklen Themen auf der Tagesordnung. Beim Mittagessen - unter anderem wurde Landhuhn-Frikassee mit Erbsencrème und Schoten, gebratene Flusskrebse und schwarzer Reis serviert - wollten die G20 über die Weltwirtschaft und den Handel sprechen, anschließend geht es um Energie und Klimaschutz.

Bei beiden Themen gibt es viel mit dem amerikanischen Präsidenten zu besprechen. Schließlich hat Trump mit seiner wirtschaftlichen Abschottungspolitik und dem angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen den Rest der Welt verunsichert.

Ausgerechnet kurz nach Beginn der Klimasitzung aber wollten sich Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin zu ihrem ersten Zweiergipfel zurückziehen - ein Affront, der viel darüber aussagt, wie wichtig der US-Präsident diese Fragen nimmt.

Andererseits schauen eben alle gebannt auf die persönliche Begegnung der beiden Atommächte. Nachdem Trump im Wahlkampf noch eine Annäherung an Moskau versprochen hatte, gibt es bis heute überhaupt keinen Draht zwischen beiden - was die Lösung internationaler Krisen erschwert.

Im Vorfeld hat der US-Präsident Russland "destabilisierendes Verhalten" vorgeworfen, der Kreml hat das umgehend zurückgewiesen.

insgesamt 210 Beiträge
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Seite 1
isi-dor 07.07.2017
1.
Dass Trump nicht gerade als Top-Diplomat gilt, dürfte inzwischen bekannt sein. Die Frage ist eigentlich eher, warum man noch mit ihm redet, obwohl man weiß, dass dabei überhaupt gar nichts raus kommt. Es bringt einfach nichts, der Bürger steht kopfschüttelnd da und denkt sich seinen Teil.
kwoik 07.07.2017
2. Wir
Dürfen gespannt sein was in der Abschlusserklärung steht, ich befürchte, außer Spesen nix gewesen.... oder netter Werbeauftritt für die Raute.
cor 07.07.2017
3. Ein wenig übertrieben
Ich Trump auch nicht, aber nun über jede Mimik oder Handbewegung von ihm zu berichten oder gar zu beurteilen finde ich dann doch etwas übertrieben.
nestor01 07.07.2017
4. Da bin ich mir mit Justizminister Maas einig.
Es wird Zeit, mit der ganzen Härte des Gesetzes gegen diese gewalttätigen AfD-Horden vorzugehen. Man kann ja die Auswirkungen der Globalisierungen kritisieren, aber nur im Rahmen unserer demokratischen Parteien.
i.dietz 07.07.2017
5. Was sind
Zitat von isi-dorDass Trump nicht gerade als Top-Diplomat gilt, dürfte inzwischen bekannt sein. Die Frage ist eigentlich eher, warum man noch mit ihm redet, obwohl man weiß, dass dabei überhaupt gar nichts raus kommt. Es bringt einfach nichts, der Bürger steht kopfschüttelnd da und denkt sich seinen Teil.
eigentlich Top-Politiker ? Sind das die , die nichts außer nichtssagenden und einschläfernden Floskeln labern ?
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