Pannengewehr CDU-Fraktionschef Kauder machte sich für G36 stark

Das Sturmgewehr G36 war schon vor seiner Einführung bei der Bundeswehr umstritten. Doch nach SPIEGEL-Informationen hatte Hersteller Heckler & Koch starke politische Fürsprache: Durch den heutigen CDU-Fraktionschef Kauder.

Soldaten am G36: Vor 20 Jahren als "nicht truppenverwendbar" eingestuft
picture alliance / dpa

Soldaten am G36: Vor 20 Jahren als "nicht truppenverwendbar" eingestuft


Volker Kauder hat vor mehr als 20 Jahren interveniert, als es um die Beschaffung eines neuen Sturmgewehrs für die Bundeswehr ging - das spätere G36. Diese Waffe steht seit einiger Zeit in der Kritik, weil sie unter Präzisionsproblemen leidet.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 24/2015
Wie die Angst vor Attentaten unsere Freiheit frisst

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Das neue Heft finden Sie hier.)

In einem Schreiben an den Abteilungsleiter Rüstung vom 11. August 1994 setzte sich der heutige CDU-Fraktionsvorsitzende nach Informationen des SPIEGEL für den "Aufschub einer Vergabeentscheidung" ein. Damit wollte er offenbar erreichen, dass sich die Arbeitsgruppe Verteidigung der Unionsfraktion des Bundestags noch einmal mit der Auftragsvergabe beschäftigen kann.

Offenbar war Kauder besorgt, dass sich die Bundeswehr für ein Konkurrenzprodukt aus Österreich entscheiden könnte. Anfang 1994 war das G36 bei einem Testschießen der Gebirgsjäger als "nicht truppenverwendbar" eingestuft worden.

Kauder, in dessen Wahlkreis der G36-Hersteller Heckler & Koch ansässig ist, ging es um "die Erörterung der Arbeitsmarktsituation in der Region Oberndorf". So steht es nach Informationen des SPIEGEL in einer Informationsvorlage zur Auswahl des Sturmgewehrs vom 2. September 1994. Darin heißt es weiter, dass sich für Heckler & Koch "in einem absehbaren Zeitraum die Existenzfrage" stelle, wenn die Firma den Bundeswehr-Auftrag nicht bekomme.

Kauders Wahlkreis und die Partei erhielten in der Vergangenheit insgesamt mehrere zehntausend Euro Spenden von Heckler & Koch. Der Politiker selbst wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern; eine Sprecherin sagte, er könne sich daran "nicht erinnern".

Die Linksfraktion überlegt, nun doch einen Untersuchungsausschuss anzustreben. "Die Seilschaft von Heckler & Koch reicht also nicht nur ins Verteidigungsministerium, sondern in die Spitze der CDU", sagt der Abgeordnete Jan van Aken.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 138 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Rainer Helmbrecht 06.06.2015
1.
Ich denke, er wird in der Betriebsanleitung etwas rum geblattert haben. Denn bei der kämpfenden Truppe, war er wohl nicht. MfG. Rainer
tumleh24 06.06.2015
2. Kauders Erinnerungslücken
Klar, wenn es brenzlich wird, dann helfen Erinnerungslücken. Dass Kauder ständiger Fürsprecher von Heckler & Koch war, lag für Insider ja längst auf der Hand. Die Parteispenden der Fa. gingen auch reichlich an Kauders CDU. Das gerät längst in den Geruch von Schmiergeld. Und nun haben wir auch dokumentiert, wie Kauder interveniert hat und durch Spenden reichlich belohnt wurde.
friedrich_eckard 06.06.2015
3.
Das dürfte ein Fall von bürgerlich-demokratischer Normalkorruption sein, und somit kein Grund zu besonderer Aufregung, zumal Herr Kauder ja noch den mildernden Umstand für sich geltend kann, sich für ein Unternehmen aus dem eigenen Wahlkreis in's Getümmel geworfen zu haben. Ohnehin ist so etwas bei "Schwarzen" ja keine besondere Überraschung, und es gilt in diesen Kreisen wohl auch kaum als ehrenrührig - und wer dergleichen unappetitlich findet möge sein Wahlverhalten überdenken.
Leser161 06.06.2015
4. Na endlich
Na endlich gewinnt die Diskussion etwas Anspruch. Unabhängig von meiner eigenen Meinung, gibt es nie schwarz und weiss. Es ist wahrscheinlich weder ein Übergewehr noch eine Schrottknarre. Ansonsten: Hauptsache das Ding schiesst (Ich sag mal frühes M16).
Ateles 06.06.2015
5.
Ich mag mich irren, aber gehört es nicht zu den Aufgaben eines Abgeordneten, sich für seinen Wahlkreis einzusetzen? Über Sinn und Unsinn dieses Einspruches haben letztlich Parlamentsausschüsse und (vermeintlich) sachkundige Staatsminister im betreffenden Ministerium zu entscheiden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.