G7-Gipfel in Elmau Altkanzler Schmidt findet Ausschluss Putins "wenig hilfreich"

Am G7-Gipfel in Bayern wird der russische Präsident nicht teilnehmen, der Westen hat ihn ausgeschlossen. Ein Fehler, findet Altkanzler Helmut Schmidt: "Ich sehe deutlich, dass Putin beleidigt ist."

Altkanzler Schmidt: "Meine Erwartungen sind begrenzt"
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Altkanzler Schmidt: "Meine Erwartungen sind begrenzt"


Seit der Annexion der Krim vor einem Jahr treffen sich die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen ohne den russischen Präsidenten Wladimir Putin, so auch am kommenden Wochenende beim G7-Gipfel in Elmau. Putins Ausschluss hat Altkanzler Helmut Schmidt nun als wenig sinnvoll bezeichnet. "Meine Erwartungen sind begrenzt", sagte er. Mit Blick auf die Ukraine-Krise hoffe er, dass kein "Öl ins Feuer" gegossen werde. "Und damit bin ich dann zufrieden", sagte Schmidt.

Im bayerischen Schloss Elmau treffen sich von Sonntag bis Montag die Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Frankreichs, Italiens, Japans und Großbritanniens auf Einladung der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Russland wurde 2014 nach der Übernahme der Halbinsel Krim ausgeschlossen, G8 wieder zu G7.

Schmidt vermutet, Putin hätte eine Gipfel-Einladung des Westens angenommen, wenn sie "in gehöriger Form ausgesprochen worden wäre". Der 96-Jährige sagte: "Ich sehe deutlich, dass Putin beleidigt ist durch die Tatsache, dass der Westen ihn seiner Vorstellung nach nicht ernst genug nimmt."

Für Moskaus aggressive Politik, die ihn im Westen isoliert hat, äußert der Altkanzler ein gewisses Verständnis: "Putin ist derjenige Mann, der nach der Wildwest-Periode unter Jelzin den russischen Staat wiederhergestellt hat. Das ist nach seinen Vorstellungen seine Aufgabe." Der russische Präsident habe das letzte noch bestehende "Kolonialreich geerbt", das er zu erhalten versuche.

Auch deutsche Wirtschaftsvertreter bedauern die Abwesenheit Putins: "Ein Treffen G7 plus Russland könnte einen Beitrag zur Krisenlösung leisten und Russland zu konstruktiven Schritten im Ukraine-Konflikt bewegen", sagte der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, der "Welt am Sonntag". Es sei eine verpasste Chance, wenn Gesprächsformate wie die G7-Treffen nicht zum Dialog mit Russland genutzt würden. "Es ist immer besser, miteinander statt übereinander zu reden. Gerade in der Krise brauchen wir solche etablierten Gremien."

vek/dpa

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