Elmau-Gipfel Das G7-Missverständnis

Der G7-Gipfel in Bayern ist eine Megashow, die viel kostet und wenig zustande bringt. Die Verteufelung des Treffens ist trotzdem falsch.

Schloss Elmau: Eine Nummer kleiner tut's beim nächsten Mal auch
DPA

Schloss Elmau: Eine Nummer kleiner tut's beim nächsten Mal auch

Ein Kommentar von


Es ist groß in Mode, den G7-Gipfel doof zu finden. Sieben Politiker werden am Wochenende in den bayerischen Alpen hinter Maschendrahtzaun sitzen. Horst Seehofer wird sich durch geschicktes Foto-Bombing auf die Gipfel-Bilder drängeln. Das Volk muss leider draußen bleiben, Millionen werden verpulvert für Polizeischutz, Hubschrauberflüge und gekühlten Weißwein.

Viel Aufwand wird betrieben, und am Ende wird nur eine der üblichen wolkig-unkonkreten G7-Abschlusserklärungen herauskommen. Soweit, so ärgerlich. Aber ist der G7-Gipfel wirklich nutzlos?

Es gibt rund um diesen Gipfel ein großes Missverständnis. Die G7-Chefs übersehen, wie verstörend ihre Pomp-Show auf viele Menschen wirkt. Und die Gegner ignorieren den politischen Kern dieser Treffen. Wenn wichtige Anführer der westlichen Welt zusammenkommen, kann das den Planeten tendenziell nicht zu einem schlechteren, sondern nur zu einem besseren Ort machen. Es gibt eben bei aller Kritik auch gute Gründe, die für ein solches Gipfeltreffen sprechen.

Fotostrecke

13  Bilder
Schloss Elmau: Gipfel in den Bergen
Das mag jetzt etwas staatstragend klingen, aber es ist so: Die G7 sind ein Forum, in dem Staaten durch ihre obersten Repräsentanten gegenseitigen Respekt demonstrieren und miteinander ins Gespräch kommen, über gemeinsame Ziele und Probleme reden. In einer Welt voller schwelender Konflikte und echter Kriege ist das schon ein Wert an sich. Wenn die lockere Ferien-Atmosphäre eines Berghotels dabei hilft, sei's drum.

Ja, die G7 sind ein exklusiver Klub, weil darin nur starke Industrienationen sitzen. Aber es ist naiv anzunehmen, man könne globale Themen wie Umweltschutz allein dadurch voranbringen, dass immer alle Staaten gleichberechtigt an einen Tisch geholt werden. Es muss Antreiber geben, Gruppen, die wenigstens ansatzweise versuchen, in dieselbe Richtung zu marschieren. Das tun die G7.

Es gibt ganz andere Ganoven als die G7

Wie es ist, wenn jeder Staat bei globalen Themen mitredet (auch die schlimmsten Halunken-Diktaturen), sieht man bisweilen bei den Vereinten Nationen oder bei der Fifa. Es kommt nicht immer Gutes dabei heraus. Manchmal einigen sich die Gauner sogar gemeinsam auf das Gegenteil von dem, was wir in der westlichen Welt insgesamt für richtig und wichtig halten.

Natürlich könnten die Herrschaften im Schloss Elmau viel viel mehr gegen globale Probleme tun, als sie üblicherweise bei G7-Gipfeln verabreden. Und sicher führt westliches Versagen auch zu Problemen in der sogenannten Dritten Welt.

Aber wer, wenn nicht die G7-Staaten übernimmt überhaupt Verantwortung jenseits der eigenen Landesgrenzen? Die USA, Deutschland, Großbritannien geben Milliarden für die Entwicklung in anderen Staaten aus. Der vermeintliche Bösewicht USA hat Tausende Helfer nach Afrika geschickt, um dort Ebola zu

Fotostrecke

13  Bilder
Schloss Elmau: Gipfel in den Bergen
bekämpfen. Es ist schlicht ungerecht, in den G7-Staaten die Hauptverursacher von Ausbeutung und Unterdrückung zu sehen. Da gibt es ganz andere Ganoven.

Deshalb: Macht ruhig Euren G7-Gipfel. Aber eine Nummer kleiner tut's beim nächsten Mal auch.

Vote
Ist das G7-Treffen überflüssig?

Unter massivem Polizeischutz und mit viel Pomp treffen sich am Wochenende die G7-Regierungschefs im oberbayerischen Elmau. Muss das sein?

Zum Autor
Christian Thiel
Roland Nelles ist Ressortleiter Politik und Leiter des Berliner Büros sowie Mitglied der Chefredaktion von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Roland_Nelles@spiegel.de

Mehr Artikel von Roland Nelles

Das erwartet Sie auf SPIEGEL ONLINE zum G7-Gipfel
  • DPA
    Am Wochenende treffen sich im bayerischen Schloss Elmau die Staats- und Regierungschefs der G7. In den Bergen wollen sie über Wirtschaft und Politik, Weltkrisen und Epidemien, Entwicklungshilfe und Klimaschutz beraten. SPIEGEL ONLINE begleitet den Gipfel mit Nachrichten, Analysen, Hintergrundberichten und einem Liveticker. Unsere Reporter, Videoteams und Fotografen sind für Sie im Einsatz: ausgestattet mit schnellem Blick für das Geschehen - und Wanderschuhen.

insgesamt 149 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joG 05.06.2015
1. Wer kann darauf kommen, dass....
......ein Video Conferencing das lockere Treffen in aufatmender Atmosphäre ersetzten kann? Und das allein lohnt schon, wenn es die paar Leute sind, die wir und die Bürger der anderen Nationen beauftragt haben auf höchster Ebene. Es ist natürlich wichtig, das die sich auch persönlich sehen, kennenlernen, in die Augen schauen. Sie sollen für uns ja Sicherheit und Wohlstand organisieren zusammen.
uwelmeyer 05.06.2015
2. G194 + Regionen statt G7
Die bündlige (faschistische) Ausbeutung der Welt, der Produkte und Informationen der Menschen, führen zwangsläufig zu neuen Problemen. Deshalb stehen Verträge für die G7, wie TTIP ganz oben. Auch Bayern geht innerhalb Deutschlands seinen eigenen Weg, wenn auch unterm Deckmantel eines der G7. Der Beitrag ist verfremdlich, aus der Vergangenheit nichts gelernt ?
dickebank 05.06.2015
3. witzig
Die Gegener des G7 schaffen eine Situation, die den Schutz des Gipfel durch 17000 Polizeikräfte erforderlich macht, um sich dann über die Kosten zu echauffieren. Wer glaubt, dass Videokonferenzen "echte Kontakte" schaffen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Die offiziellen Gespräche im Kreise von Beratern und Verhandlungskommissionen lösen nämlich kein Problem, es sind die smalltalks auf den Fluren, die abendliche Kaminrunde oder das Tischgespräch beim Essen, wo die politisch Handelnden ohne iher "Aufpasser" agieren und etwas voranbringen können.
ralf.oberle 05.06.2015
4. Da kann man Angst bekommen
Demonstranten, die gestern für Fernsehen interviewt wurden waren so voller Vorurteile, Anti-Haltung und mit Verschwörungstheorien unterwegs, das mir, bei aller Sympathie, doch große Zweifel kamen. Die G7 sind ein exklusiver Club erfolgreicher Staaten. Deren Erfolg sicher mit deren Ordnung, guter Organisation und rechtsstaatlichen Prinzipien zusammenhängt. Nimm dass alles weg, dann sind wir plötzlich im Chaos. Für mich ist der Weg in Veränderung salutogen zu bewältigen. Das Prinzip der Gemeinwohl Orientierung könnte dazu ein Schlüssel sein. Demos mit altlinken Revolutionsparolen sind es sicher nicht. In einer Welt die nach diesen Prinzipien organisiert wird, will ich nicht leben.
philzero 05.06.2015
5. Teuer wird der Gipfel durch die Gegner
Man sollte nicht vergessen dass ein Grossteil der Kosten für den "grössten Polizeieinsatz Deutschlands" draufgehen. Ohne die linken Chaoten, die ein Bild vom Grossbrand in Schloss Elmau offenbar lustig finden und gewaltbereit gegen den Gipfel vorgehen wollen, wäre das alles viel billiger. Und ehrlich, über einen 26€ Bildband als Gastgeschenk machen wir ein grosse Getöse? Der Gipfel ist und bleibt ein wichtiges Instrument.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.