Pannen und Patzer beim G7-Gipfel Das Tier im Ärmel der Kanzlerin

Ein makellos inszeniertes Spektakel - so hatte sich Kanzlerin Merkel ihren G7-Gipfel gewünscht. Doch in Elmau gab es kleine Pannen, unerwartete Aktionen und seltsame Äußerungen. Zehn Momente, die das perfekte Bild störten.

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"Welcome dahoam", so begrüßte die bayerische Staatsregierung die G7-Gäste. Angela Merkels geladene Politprominenz bekam traumhafte Berge präsentiert, weiß-blauen Himmel und üppige Wiesen, Lederhosen und Dirndl, Weißwürste und Brezn.

Vor dieser Zuckerguss-Kulisse konnte man beinahe vergessen, dass es bei dem Treffen vor allem um Weltwirtschaft, Hunger und Krisenpolitik gehen sollte. Doch bei einem Spitzentreffen wie diesem kommt es eben auch auf die richtige Inszenierung an - schließlich wollen sich Gastgeber und Gäste von ihrer besten Seite zeigen.

Ganz nach Plan lief in Elmau dann aber doch nicht alles. Der Gipfel wurde begleitet von kleinen Pannen und Pännchen, unerwarteten Aktionen und schrägen Äußerungen.

Warum wurde der Zeitplan für das wichtigste Foto umgeworfen? Womit hatten die Demonstranten zu kämpfen? Und wie verschafften sich Umweltschützer Aufmerksamkeit? Zehn Momente, die das perfekte Bild störten.


1. Die Kanzlerin und das Ungeziefer

Kanzlerin mit Joachim Sauer, David Cameron und mutmaßlichem Stich
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Kanzlerin mit Joachim Sauer, David Cameron und mutmaßlichem Stich

Als Großbritanniens Premier David Cameron eintraf, stand die Kanzlerin zunächst nicht zur Begrüßung parat. Hinter einer Schutzwand überprüfte sie offenbar einen Insektenstich, eilte gerade noch rechtzeitig zu Cameron. "Ein Tier in Merkels Blazerärmel", schrieb die Nachrichtenagentur dpa. Bei Politik-Spektakeln dieses Formats können auch solch scheinbare Nebensächlichkeiten das Protokoll durcheinander bringen.
2. Spott über die Wiesen-Wägelchen

Die Staats- und Regierungschefs flanieren samt Entourage durch die Bergwelt. Hinter ihnen zuckelt eine Golfkart-Kolonne, um müde G7-Beine spontan entlasten zu können. Aufnahmen wie diese sollte es laut Gipfel-PR-Strategie eigentlich gar nicht geben - schließlich suggerieren sie Abgehobenheit und überflüssigen Luxus. Dank zahlreicher Beobachter und Handykameras gibt es sie aber durchaus.


3. Der Stress ums Familienfoto

  Hübsch, das Familienfoto der G7. Und so sonnig!
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Hübsch, das Familienfoto der G7. Und so sonnig!

Eigentlich sollte das übliche Familienfoto am Samstagnachmittag geschossen werden, der Termin galt als unverrückbar. Kaum drohte jedoch eine Gewitterfront, war plötzlich alles flexibel. Das Foto wurde spontan um drei Stunden vorgezogen - was die Organisatoren ordentlich unter Druck setzte. Die Anweisung sei "von ganz oben gekommen", hieß es. Anscheinend waren der sonst so unprätentiösen Merkel hübsche, sonnige Bilder ziemlich wichtig.
4. Protest mit Sonnenbrand und Wadenkrampf

Die Kulisse für den Anti-G7-Protest war traumhaft, aber der Marsch durch die Berge ein Alptraum für alle Durchschnitts-Sportler. Wie sich die Demonstranten durchs Gelände kämpften, sehen Sie in diesem Kurzvideo:

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5. Der überzogene XXL-Polizeischutz

Aus Sicht Bayerns war das Sicherheitskonzept ein Erfolg: Die Demos liefen überwiegend friedlich ab, Randale blieb aus. Dennoch muss man die Frage stellen, ob der Polizeischutz nicht etwas übertrieben war. Es waren mehr Ordnungshüter als Protestierende im Einsatz, phasenweise kamen auf einen Demonstranten fünf Polizisten.


6. Der taktlose CSU-Kommentar

Gipfelgegner in Garmisch-Partenkirchen suchen Schutz vor Unwetter
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Gipfelgegner in Garmisch-Partenkirchen suchen Schutz vor Unwetter

In der Nacht vor dem Gipfel zog ein Unwetter über die Region. Das Protest-Zeltlager wurde unter Wasser gesetzt, Anwohner beherbergten durchnässte Demonstranten, Gipfelgegner übernachteten in der Bahnhofshalle von Garmisch-Partenkirchen. "Das muss man erst hinkriegen: gestern die Demonstranten wegschwemmen und heute so ein Wetter", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Was wohl witzig gemeint war, wirkte angesichts der kritischen Lage ziemlich ignorant.


7. Junckers getrübter Gipfelglanz

Es wäre schön gewesen, wenn Europa in der Griechen-Krise einen Schritt voran gekommen wäre. Zumal die USA, Kanada und Japan in Elmau von sich aus die Kanzlerin auf das Thema ansprachen. Stattdessen gab es einen Streit zwischen EU-Kommissionschef Jean-Claude Junckerund dem griechischen Premier Alexis Tsipras. Damit platzte auch Junckers Wunsch, als Repräsentant eines einigen Kontinents nach Elmau zu reisen. Bei seinem Auftritt vor der Weltpresse ging es fast nur um eines: den Schuldenstreit.


8. Obamas Weglächeln der Spähaffäre

Barack Obama im Biergarten in Krün: Ein Prosit für den US-Präsidenten
REUTERS

Barack Obama im Biergarten in Krün: Ein Prosit für den US-Präsidenten

Stress zwischen den USA und Deutschland? Zum Beispiel wegen einer Spähaffäre? I wo, beim öffentlichen Programm war aller Zwist vergessen, Barack Obamas Auftritt in einem Biergarten sollte Bürgernähe und Bodenständigkeit vermitteln. Kleiner Haken: Der Rest der Welt ist nun wieder in der Annahme bestärkt, dass sich die Deutschen grundsätzlich von Bier und Weißwurst ernähren.


9. Wie Greenpeace einen Fels verstrahlte

Voll Laser! Von Greenpeace dekoriertes Bergmassiv
AP/dpa

Voll Laser! Von Greenpeace dekoriertes Bergmassiv

Auf dieses spektakuläre Bild hätten Merkel und Co. sicher gern verzichtet. Greenpeace organisierte im Montags-Morgengrauen eine gigantische Laserprojektion auf das Zugspitzmassiv. Ein extrem leistungsstarker Projektor warf die Forderung "G7: 100 Prozent Erneuerbare Energien!" aus knapp 2,5 Kilometern Entfernung auf eine Felswand des Waxensteins. Mehr als 20 Polizisten rückten an - Greenpeace muss mit einer Anzeige wegen einer nicht angemeldeten Versammlung rechnen.


10. Nano-Nana, was für ein Partnerprogramm!

Zwar keine Panne, aber zu hübsch um es zu unterschlagen, ist dieses Gipfel-Detail: Merkels Mann Joachim Sauer begleitete Akie Abe, Ehefrau des japanischen Premiers. Und Laureen Harper, verheiratet mit dem kanadischen Premierminister. Und Malgorzata Tusk, Frau von EU-Ratspräsident Donald Tusk. Für sie organisierte er ein Referat des Biophysikers Wolfgang Heckl, der über Lotus-Effekt-Krawatten, Hightech-Wundpflaster und keimfeindliche Türklinken sprach. Auch Nano-Chemiker Sauer selbst erzählte von seiner Wissenschaft. Eine interessante Idee. Die das Sat-1-Frühstücksfernsehen allerdings zu der dümmlichen Bemerkung motivierte, dass die Damen "wohl lieber shoppen gegangen" wären. Das war vermutlich nicht die von den Organisatoren gewünschte Außenwirkung.


amz/dab/phw/dpa



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insgesamt 65 Beiträge
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galbraith-leser 08.06.2015
1. Überdimensionierter Polizeieinsatz
Ich bin eine Woche vor dem Gipfel auf dem Weg nach Süden über die B11 von Kochel nach Innsbruck gefahren - auf der Strecke sind mir locker 100 Einsatzfahrzeuge in mehreren Kolonnen begegnet. Es ist schon bezeichnend, dass sich von ihren Völkern gewählte Politiker so vor dem eigenen Volk schützen müssen. Oder ihre Berater meinen, dies tun zu müssen. Auf Kosten des Volkes - wohlgemerkt. Wofür die 130 Millionen draufgehen, kann ich mir zumindest vorstellen.
trick66 08.06.2015
2. Bild 6
Natürlich redet Merkel da mit den Händen. Wie soll der Italiener sie sonst verstehen?
glen13 08.06.2015
3.
Wenn man ergebnisorientiert den Gipfel betrachtet, war er überflüssig. Schade.
dr.haus 08.06.2015
4.
Wer miteinander redet,schlägt nicht aufeinander ein! Bei neun Gefallenen/Vermissten Angehörigen meiner an sich nicht besonders grossen Familie seit 1864,1871,1914 u. 1939/41 überkommt mich jedesmal die Rührung ob solcher Bilder der westlichen verbündeten Staatschefs und ihrer mit uns befreundeten Völker- alle von mir in den letzten Vierzig Jahren häufig bereist und kennengelernt. "Liebe" Gipfelgegner, ihr seid naiv,befangen in Eurer Ideologie und für die internationale Gemeinschaft ein m.E. nicht notwendiges Übel!
pezi1706 08.06.2015
5. Luxusquartier für Polizisten und Michelle Obama beleidigt?
Rund 1000 Polizisten waren während des Gipfels in Füssen stationiert, es war in der Kaserne aber nur Platz für 800. Die anderen wurden in Hotels untergebracht, eine Abordnung aus Hamburg residierte in einem 4-Sterne-Hotel am Forggensee, dem besten Hotel am Platz, Preis pro Übernachtung und Frühstück rund 100 € pro Nase. Extra aus Berlin wurde eine Reiterstaffel nach Mittenwald abkommendiert. Und warum war Michelle Obama nicht dabei? Im Ticketcenter von Schloss Neuschwanstein hatte man - top secret - vier Tage extra für sie geblockt und für diese Zeit keine Reservierungen entgegen genommen. Michelle Obama hatte sich einen Besuch auf dem Märchenschloss so sehr gewünscht. Doch der Geheimdienst winkte ab und setzte sich schließlich durch: Zu gefährlich, lautete die Einschätzung der Sicherheitsexperten. Daraufhin blieb Michelle zu Hause, sie will angeblich jetzt im Sommer kommen.
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