Energieminister-Treffen Gabriel sieht keine Renaissance der Atomenergie

Jedes Jahr werden mehr Atomkraftwerke geschlossen als neu gebaut. Von einem Comeback könne daher nicht die Rede sein, sagt Energieminister Sigmar Gabriel. Diese Energieform sei viel zu teuer. Greenpeace zeigt sich nicht überzeugt.

SPD-Politiker Gabriel: "Ich höre diese Story seit 20 Jahren"
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SPD-Politiker Gabriel: "Ich höre diese Story seit 20 Jahren"


Brüssel - Sigmar Gabriel rechnet nicht mit einem Wiederaufleben der Atomkraft in Europa. "Ich glaube, dass es diese Renaissance nicht geben wird", sagte der Energieminister am Dienstag vor einem Treffen der EU-Minister in Brüssel. Jedes Jahr würden weltweit mehr Atomkraftwerke geschlossen als neu gebaut, ergänzte der SPD-Politiker.

Auf der Brüsseler Tagesordnung: die neue EU-Energie- und Klimapolitik. Sie sieht bislang eine Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent bis 2030 vor. Dieses Einsparziel könnte Umweltschützern zufolge die Atomkraft beflügeln, wenn die EU sich nicht zugleich ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien setze. Sowohl bei der Nutzung erneuerbarer Energien als auch bei der Atomkraft wird fast kein Klimagas freigesetzt. Ohne ein scharfes Erneuerbare-Energien-Ziel ließe sich also das Einsparziel auch durch Atomkraft erreichen, warnen die Umweltschützer.

"Hohe Kosten schrecken die Regierung nicht ab"

Alte Argumente, meint Gabriel: "Die Story von der Renaissance der Atomenergie höre ich seit 20 Jahren." Allerdings sei Kernkraft die teuerste Form der Stromerzeugung. Daher baue niemand mehr Atomkraftwerke, "es sei denn, jemand gibt ganz viel staatliches Geld dafür".

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hält das Kostenargument allerdings für nicht überzeugend. Der gegenwärtige Kurs Großbritanniens in der Energiepolitik zeige, dass die hohen Kosten für Atomkraft "die Regierung nicht abschrecken", sagte eine Greenpeace-Vertreterin in Brüssel.

In der EU gibt es bis 2020 eine Pflicht zum Klimaschutz. So muss der Ausstoß des Treibhausgases CO2 um 20 Prozent sinken. In gut zwei Wochen könnten Europas Staats- und Regierungschefs entscheiden, wie es von 2021 bis 2030 weitergeht. Großbritannien und Deutschland sowie weitere EU-Staaten sind für ein neues Ziel von 40 Prozent CO2-Reduktion. Polen ist strikt dagegen. Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen bei ihrem Gipfel in der übernächsten Woche darüber sprechen.

vek/AFP/dpa

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