Abschied aus bayerischem Landtag: Pfüati, Frau Pauli

Von , München

Gabriele Pauli: "Die rote Rebellin" Fotos
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Es war ihre letzte Rede im Plenum, Gabriele Pauli scheidet aus dem bayerischen Landtag aus. Die 56-Jährige, die maßgeblich zum Rücktritt von Edmund Stoiber beitrug, kehrt jedoch bald auf die Bühne zurück: In wenigen Wochen legt sie ihre politische Biografie vor.

Fünf Minuten hat Gabriele Pauli. Fünf Minuten für die Debatte im bayerischen Landtag zum umstrittenen Fall des Psychiatrie-Insassen Gustl Mollath. Sie steht am Rednerpult. Blaues Sakko, Rock, die Brille liegt neben ihr auf dem Tisch, sie liest Stichworte von ihren Zetteln ab. Sie wolle nicht "in einem Staat leben, der Kritiker mundtot macht", sagt die fraktionslose Abgeordnete, die nach eigenen Worten Kontakt zu Mollath unterhält. Ihr Beitrag ist aber auch ein Auftritt in eigener Sache: Sie werde hier ihre letzte Rede halten, sagt Pauli am Mittwochnachmittag im Landtagsplenum.

Pauli wird dem neuen Landtag, der im September gewählt wird, nicht mehr angehören - die 56-Jährige tritt von der politischen Bühne ab. Es war Pauli, die maßgeblich zum Rückzug von Edmund Stoiber als bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef im Jahr 2007 beitrug, indem sie sich über Bespitzelungen aus der bayerischen Staatskanzlei beklagte. Die ehemalige Fürther Landrätin, die sich als sogenannte CSU-Rebellin einen Namen machte, sorgte immer wieder mit schrillen Auftritten für Schlagzeilen. Etwa durch Aufnahmen als "schöne Rebellin" mit Latex-Handschuhen und Perücke in einer Zeitschrift. Oder mit ihrem Vorschlag, Ehen nur noch auf sieben Jahre probeweise abzuschließen, um sie anschließend vom Standesamt erneuern zu lassen. Oder durch Aufnahmen auf ihrer Internetseite in Lederkluft auf einem PS-starken Motorrad.

"Politikerin ohne Mandat"

Sie würde sich künftig als "Politikerin ohne Mandat" fühlen, sagte Pauli jetzt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Ihr Abschied aus dem Parlament ist wohl nicht ganz freiwillig. Die Freien Wähler, für die sie 2008 in den Landtag eingezogen war, hatten sich bereits im Mai 2009 von Pauli getrennt, seitdem sitzt Pauli als fraktionslose Abgeordnete im Landtag.

Vorausgegangen war Paulis Ankündigung, eine eigene Partei gründen und damit bei der Bundestagswahl antreten zu wollen. Nach dem Austritt aus der CSU und dem Rauswurf bei den Freien Wählern folgte also ein kurzes Gastspiel bei der von ihr gegründeten Freien Union. Im Frühjahr 2010 verließ Pauli die Freie Union "aufgrund parteiinterner Intrigen", wie sie auf ihrer Homepage schreibt. Versuche, zur CSU oder den Freien Wählern zurückzukehren, scheiterten. Ohne Zugehörigkeit zu einer Partei kann sie aber nicht für den Landtag kandidieren.

Pläne für die Buchpräsentation

Es ist ein stiller, fast unbemerkter Abschied Paulis am Mittwochnachmittag. Ein oder zwei Abgeordnete klatschen für einen kurzen Augenblick, als die Rednerin wieder auf ihren Platz in der letzten Reihe des Landtags zurückkehrt, das war es. Aber so leise will sich Pauli offenbar nicht zurückziehen. In wenigen Wochen soll ihre politische Biografie erscheinen. Das Gütersloher Verlagshaus hat sich dafür einen schmissigen Titel ausgedacht: "Die rote Rebellin. Fortschritt braucht Provokation".

Selbstverständlich gehe es in dem Buch auch noch einmal um ihre Zeit in der CSU und um die Auseinandersetzung mit Edmund Stoiber, sagte Pauli SPIEGEL ONLINE. Ihr Buch sei aber vor allem in die Zukunft gerichtet. Viel mag sie nicht verraten, aber es soll unter anderem um Thesen zur Arbeitswelt gehen.

Ihre berufliche Zukunft? Sie werde zusätzlich zum Buch Vorträge halten und als Selbständige tätig sein, sagt Pauli. Alles andere werde sich zeigen. Pauli erhält künftig lediglich ein Übergangsgeld für ihre Zeit als Landtagsabgeordnete, dauerhafte Ansprüche kann sie nicht geltend machen. Auch bezieht sie bislang keine Pension für ihre Zeit als Landrätin, diese soll sie nach einer Entscheidung des Fürther Kreistags erst ab dem vollendeten 62. Lebensjahr bekommen.

Es ist kaum vorstellbar, dass Pauli nicht auch in Zukunft versuchen wird, politisch weiter mitzumischen. Den Politberater Michael Spreng fragte sie nach dessen Angaben einst, was sie dafür tun müsse, um bayerische Ministerpräsidentin zu werden. Für ihre Buchpräsentation Anfang September hat Pauli jedenfalls schon den passenden Ort gewählt: den bayerischen Landtag.

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insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1. Pfüati?????????????
qwer 17.07.2013
Zitat von sysopDPAEs war ihre letzte Rede im Plenum, Gabriele Pauli scheidet aus dem bayerischen Landtag aus. Die 56-Jährige, die maßgeblich zum Rücktritt von Edmund Stoiber beitrug, kehrt jedoch bald auf die Bühne zurück: In wenigen Wochen legt sie ihre politische Biografie vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gabriele-pauli-verabschiedet-sich-aus-bayerischem-landtag-a-911705.html
Liebe Hamburger SPON Redaktion, Frau Pauli kommt aus Mittelfranken. Der von Ihnen gewählte Abschiedsgruß passt da aber überhaupt nicht. Servus, Adé, sehr gerne auch Tschüss, aber nicht DAS da oben in der Überschrift. Werde es wohl leider nicht mehr erleben, dass es sich mal ´rumspricht, dass das Bundesland BY bei weitem nicht identisch ist mit den (vor) alpinen Lederhosenseppln....
2. Eine Nachricht - kein Ereignis.
atair 17.07.2013
Zitat von sysopDPAEs war ihre letzte Rede im Plenum, Gabriele Pauli scheidet aus dem bayerischen Landtag aus. Die 56-Jährige, die maßgeblich zum Rücktritt von Edmund Stoiber beitrug, kehrt jedoch bald auf die Bühne zurück: In wenigen Wochen legt sie ihre politische Biografie vor. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gabriele-pauli-verabschiedet-sich-aus-bayerischem-landtag-a-911705.html
Nu ja, die politische Yellow Press wird weinen - muss sie sich doch ein neues Glamour-Politkasperl suchen bzw. aufbauen.
3. Hoffentlich hat sich für...
cafe_kehse 17.07.2013
...Fr. Pauli wenigstens finanziell gelohnt diese Aktion seit 2006/2007. Ich war damals, als sie Stoiber indirekt stürzte, irgendwie auch begeistert, dass so viel frischer Wind in der CSU möglich ist. Allerdings hatte sie es nach Stoibers Sturz nicht nur politisch übertrieben und steht politisch vor einem Scherbenhaufen. Unter dem Strich muss man heute die Sache eher zwiespältig betrachten.
4. Eine schillernde Figur, die Dame,
bambus07 17.07.2013
Narzisstin³, die wohl nur in unserer heutigen Spaßgesellschaft wahrgenommen wird. Ernsthaft Menschen dürften Frau P. wohl kaum auch nur einen Hauch von Aufmerksamkeit für ihre albern erscheinenden "Shows" schenken.
5. Was wäre wenn
fauleoma 17.07.2013
Zitat von bambus07Narzisstin³, die wohl nur in unserer heutigen Spaßgesellschaft wahrgenommen wird. Ernsthaft Menschen dürften Frau P. wohl kaum auch nur einen Hauch von Aufmerksamkeit für ihre albern erscheinenden "Shows" schenken.
man alle Narzissten aus der Politikerkaste entfernen würde. Da würden nicht mehr viele übrig bleiben.
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