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Gauck bei Weltkriegsgedenken: "Auch Europa könnte zum Ziel von Angriffen werden"

Gauck mit Lebensgefährtin Schadt in Danzig: "Deutsche und Polen stehen beieinander und ziehen am selben Strang" Zur Großansicht
DPA

Gauck mit Lebensgefährtin Schadt in Danzig: "Deutsche und Polen stehen beieinander und ziehen am selben Strang"

Auf der Westerplatte bei Danzig erinnert Joachim Gauck an den deutschen Überfall auf Polen vor 75 Jahren. Zur aktuellen Krise in der Ukraine und zum "Islamischen Staat" findet der Bundespräsident klare Worte.

Danzig - Am 1. September vor 75 Jahren fielen auf der Halbinsel Westerplatte bei Danzig die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs. Zweiten Weltkriegs. Diesen Anlass hat Bundespräsident Joachim Gauck an diesem Montag genutzt, um die Freundschaft mit Polen zu betonen: "Niemand sollte daran zweifeln: Deutsche und Polen stehen beieinander und ziehen am selben Strang", sagte er laut vorab verbreitetem Redetext bei der zentralen polnischen Gedenkfeier zum Jahrestag. Von Moskau verlangte er bei dem gemeinsamen Auftritt mit seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski auf der Westerplatte, sich wieder an das Völkerrecht zu halten.

"Gemeinsam nehmen wir die besondere Verantwortung an, die uns in den Konflikten in unserer Nachbarschaft zugewachsen ist", lobte Gauck die Zusammenarbeit mit Polen. "Wir handeln entsprechend und engagieren uns für friedliche Lösungen." Auch die Europäische Union müsse angesichts der neuen Herausforderungen zusammenstehen. Der Jahrestag zum Kriegsausbruch 1939 zeige deutlich, wozu Menschen fähig seien, wogegen Europa sich auch heute verteidigen müsse.

Die "Erosion alter Ordnungen und das Aufflackern neuer Formen von Gewalt" gerade im Nahen Osten oder Nordafrika seien Herausforderungen für die westliche Gemeinschaft: Deutschland und die EU strebten eine deeskalierende Außen- und Sicherheitspolitik an, die imstande sei, "einer Aggression Einhalt zu gebieten, ohne politische Auswege zu verstellen".

Kämpfer wie die der Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak seien radikal und zielten auf die Errichtung eines terroristischen Kalifats im arabischen Raum. "Fanatisierte und brutalisierte Männer und Frauen aus unterschiedlichen Ländern missbrauchen die Religion und die Moral, um alle zu verfolgen und unter Umständen zu ermorden, die sich ihnen widersetzen - Muslime ebenso wie Andersgläubige."

Dieses Vorgehen zu verhindern, liege im gemeinsamen Interesse des Staatenbündnisses, denn Europa sei wegen der geografischen Nähe bedroht, auch "weil der Konflikt unsere europäischen Länder erreichen kann. Nicht auszuschließen ist, dass auch europäische Staaten zum Ziel islamistischer Angriffe werden", sagte Gauck.

Bundestag stimmt über Waffenlieferungen ab

Im Reichstagsgebäude in Berlin hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert bereits am Nachmittag an den Beginn des Zweiten Weltkrieg erinnert: "Wir würden uns wünschen, dass aggressive, militärische Gewalt aus dem Repertoire der Politik verschwunden wären", sagte Lammert vor der Regierungserklärung Angela Merkels. "Tatsächlich machen wir die bittere Erfahrung, dass weltweit Kriege geführt werden, Waffenstillstände unterbrochen, Menschen verfolgt, terrorisiert und getötet werden."

Im Anschluss an die Debatte stimmte der Bundestag für die Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak, um sie im Kampf gegen die IS-Miliz zu stärken. Damit unterstützten die Fraktionen von Union und SPD den Beschluss der Bundesregierung vom Vorabend.

vek

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1. Klare Worte
spon-facebook-1810274577 01.09.2014
Der Bundespräsident erinnert Russland daran, sich an das Völkerrecht zu halten. Nun bin ich aber gespannt, wie die Putin-Freunde diese Worte relativieren bzw. lächerlich machen wollen. Mein Tipp Nr. 1: Sie verweisen auf die USA, die ja auch schon mehrmals das Völkerrecht gebrochen hatten. Tipp Nr. 2: Sie versuchen, Gauck als Kriegshetzer zu diffamieren. Tipp Nr. 3: alles abstreiten: Russland habe die Grenzen niemals verletzt. Wie auch immer, Gauck hat natürlich recht: Russland muss an seine Verpflichtungen, das Völkerrecht zu achten, erinnert werden.
2.
mipez 02.09.2014
Nur um dem Vorredner zu helfen, er sollte an niemanden appellieren und ruhig und ohne Mucken seinen Kaffee aufm Schloss trinken. Heute kann jeder seine überaus aussagekräftige und natürlich weltrelevante Meinung in den Pöbel werfen, nur kümmert sich niemand mit Verstand darum.
3. ...
e-ding 02.09.2014
"Fanatisierte und brutalisierte Männer und Frauen aus unterschiedlichen Ländern missbrauchen die Religion und die Moral, um alle zu verfolgen und unter Umständen zu ermorden, die sich ihnen widersetzen - Muslime ebenso wie Andersgläubige." Mir scheint, Gauck sollte sich noch einmal ausführlich mit dem Thema "Strukturfunktionalismus von Religionen/Ideologien" beschäftigen.
4. Glaskugel
phaenologos 02.09.2014
Zitat von spon-facebook-1810274577Der Bundespräsident erinnert Russland daran, sich an das Völkerrecht zu halten. Nun bin ich aber gespannt, wie die Putin-Freunde diese Worte relativieren bzw. lächerlich machen wollen. Mein Tipp Nr. 1: Sie verweisen auf die USA, die ja auch schon mehrmals das Völkerrecht gebrochen hatten. Tipp Nr. 2: Sie versuchen, Gauck als Kriegshetzer zu diffamieren. Tipp Nr. 3: alles abstreiten: Russland habe die Grenzen niemals verletzt. Wie auch immer, Gauck hat natürlich recht: Russland muss an seine Verpflichtungen, das Völkerrecht zu achten, erinnert werden.
Schön dass Sie schon im voraus wissen, was Kommentatoren anderer Meinung hier gleich schreiben werden. Ihre vorausschickende Diffamierung dieser Person als Putin-Freunde zeigt auch, dass Sie gar nicht an einer Diskussion interessiert sind. Dennoch erlaube ich mit Stellung zu den Gauck-Worten zu nehmen. Der wesentliche Fehler in der Gauckrede liegt darin, dass er eine Bedrohung herbeiphantasiert, die nicht existiert. Er vertuscht, dass die Krise ausgelöst wurde durch einen Putsch in Kiew und die daraus folgende Politik. Er vertuscht, dass er sich gemein macht, mit Rechtsradikalen, Kriminellen und Oligarchen (gegen di am Maidan einmal demonstriert wurde). Der selbsternannte Bürgerrechtler zeigt sich in der Tat als der Kriegshetzer, der "Verantwortung übernehmen" mit Krieg für die USA führen verwechselt. Und für diese Kriege macht er sich stark, seit er das Amt übernommen hat.
5.
UweZ+ 02.09.2014
Zitat von spon-facebook-1810274577Der Bundespräsident erinnert Russland daran, sich an das Völkerrecht zu halten. Nun bin ich aber gespannt, wie die Putin-Freunde diese Worte relativieren bzw. lächerlich machen wollen. Mein Tipp Nr. 1: Sie verweisen auf die USA, die ja auch schon mehrmals das Völkerrecht gebrochen hatten. Tipp Nr. 2: Sie versuchen, Gauck als Kriegshetzer zu diffamieren. Tipp Nr. 3: alles abstreiten: Russland habe die Grenzen niemals verletzt. Wie auch immer, Gauck hat natürlich recht: Russland muss an seine Verpflichtungen, das Völkerrecht zu achten, erinnert werden.
Vielen Dank für Ihre Ratschläge, wie wir Bundesbürger mit der persönlichen Meinung Herrn Gaucks umgehen könnten. Sobald wir Bundesbürger Näheres darüber wissen, WELCHEN geheimnisvollen Personenkreis Herr Gauck hinter sich wähnt, wenn er die Umschreibung "wir" benutzt, werden WIR deutschen Otto-Normalos Ihre Vorschläge ggf. berücksichtigen... "...Nach dem Fall der Mauer hatten die Europäische Union, die NATO und die Gruppe der großen Industrienationen jeweils besondere Beziehungen zu Russland entwickelt und das Land auf verschiedene Weise integriert. Diese Partnerschaft ist von Russland de facto aufgekündigt worden. Wir wünschen uns auch in Zukunft Partnerschaft und gute Nachbarschaft. Aber die Grundlage muss eine Änderung der russischen Politik und eine Rückkehr zur Achtung der Prinzipien des Völkerrechts sein. Weil wir am Recht festhalten, es stärken und nicht dulden, dass es durch das Recht des Stärkeren ersetzen wird, stellen wir uns jenen entgegen, die internationales Recht brechen, fremdes Territorium annektieren und Abspaltung in fremden Ländern militärisch unterstützen. Und deshalb stehen wir ein für jene Werte, denen wir unser freiheitliches und friedliches Zusammenleben verdanken. Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umständen anpassen..." http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2014/09/140901-Gedenken-Westerplatte.html
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Hilfe für Kurden: Bundeswehr liefert Ausrüstung in den Irak

Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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