Deutsche Museen: Gauweiler fordert größere Anstrengung bei Rückgabe von Beutekunst

Von Steffen Winter

In ganz Europa haben die Nazis Kunstwerke geraubt - Abertausende liegen bis heute ungeprüft in deutschen Museen. Ein Unding, findet der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler und fordert, mehr Aufwand zu betreiben, um eventuelle Rückgabeansprüche zu klären.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler fordert von der Bundesregierung einen Bericht zum Stand der Provenienzforschung an deutschen Museen. Hintergrund ist ein Bericht des SPIEGEL, wonach die Suche nach Beute- und Raubkunst in den Kunsthäusern der Bundesrepublik nach wie vor nur schleppend vorangeht. So fördert der Bund zwar Provenienzrecherchen in Museen, bisher wurden aber nur 84 derartige Projekte bewilligt - bei 6300 Museen in Deutschland.

Gauweiler, der im Bundestag dem Unterausschuss für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik vorsteht, will eine Debatte zu dem Thema anstoßen: "Der Umgang mit diesen Kunstwerken beeinflusst auch das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland." Deutschland dürfe sich bei dem Thema nicht verstecken. "Wir müssen uns befreit vom Schatten der Vergangenheit damit beschäftigen", so Gauweiler. Der CSU-Politiker will unter anderem klären lassen, in welchen Museen noch Bedarf an Stellen für die Provenienzforschung besteht.

Zuvor hatte bereits der einstige SPD-Kulturstaatsminister Michael Naumann im SPIEGEL gefordert, der Bund müsse die Rückgabeansprüche ehemaliger Besitzer von Beutekunst gesetzlich neu regeln. Naumann forderte auch mehr Geld für die Forschung und schlug vor, zehn Millionen Euro aus dem Etat für ein neues Sudetendeutsches Museum dafür zu verwenden.

4400 Gemälde - und nur eine Kunsthistorikerin

Die Nationalsozialisten hatten zu Kriegsende fast fünf Millionen Kunstwerke gehortet. Sie waren in fast ganz Europa zusammengerafft und bis zur Kapitulation im Mai 1945 in 1500 Depots im gesamten Reich eingelagert worden. Etliche Kunstwerke gingen in den letzten Kriegstagen Flammen auf, andere wurden von Soldaten mitgenommen oder von der Zivilbevölkerung geraubt. Bis 1950 gingen vor allem auf Betreiben der Alliierten schätzungsweise 2,5 Millionen Kunstwerke an ihre ursprünglichen Besitzer zurück.

Noch heute lagern Teile des Kunstschatzes in deutschen Museen. Der Bund hat gut 20.000 derartige Erbstücke aus der NS-Zeit in seinem Besitz, darunter 2300 Gemälde. Hinzu kommen Hunderte Werke in deutschen Museen. Die Kunsthäuser müssen ihre gesamten Sammlungsbestände seit Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 auf ihre Herkunft hin überprüfen, was einen enormen Personalaufwand bedeutet. So gibt es bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen eine festangestellte Kunsthistorikerin, die allein 4400 Gemälde und 770 Skulpturen überprüfen muss. Wenn sie keine personelle Unterstützung bekommt, ist das eine Lebensaufgabe.

Bis heute fordern Erben meist jüdischer Kunstsammler Kunstwerke aus deutschen Museen zurück. Die Hinterbliebenen der Opfer von einst beklagen, dass die Beweisanforderungen viel zu hoch seien und die Museen nicht selbst auf die Erben zukämen.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Beute ?
planet2 28.01.2013
Zitat von sysopWer redet eigentlich von den abertausenden deutschen Kunstwerken, die von den Alliierten geraubt wurden, als nach dem Krieg Deutschland ausgeplündert wurde? Da würde ich mir ein ähnliches Engagement wünschen. Selbst Generationen später geht es immer nur in eine Richtung.
Stimme ich vollkommen zu.
2. Geraubte Nazi-Kunst
guteronkel 28.01.2013
Da gab es in den 1990ern doch ein kleines Skandälchen: Ein Münchener Museum weigerte sich geraubte Kunst an die Hinterbliebenen zurückzugeben. Bayerische Gerichte gaben dem Museum recht. Bis dann ein europäisches Gericht dem Saustall ein Ende bereitete. Der Hehler ist schlimmer als der Stehler. Das sollte heute auch noch gelten. Auch in München und in Bayern.
3. Unrecht mit Unrecht vergelten?
Galgenstein 28.01.2013
Zitat von sysopWer redet eigentlich von den abertausenden deutschen Kunstwerken, die von den Alliierten geraubt wurden, als nach dem Krieg Deutschland ausgeplündert wurde? Da würde ich mir ein ähnliches Engagement wünschen. Selbst Generationen später geht es immer nur in eine Richtung.
Falls Sie der Meinung sind, dass man Unrecht, das den einen angetan wurde, mit Unrecht das man anderen antut vergelten sollte und darf, haben Sie weder das Wesen des Rechtsstaats, noch das der Gerechtigkeit begriffen.
4. Kausal haben die Nazis
bambus07 28.01.2013
den Kunstraub zu verantworten. Da gibt es gar nichts zu beschönigen.
5. Und?
Stelzi 28.01.2013
Zitat von sysopWer redet eigentlich von den abertausenden deutschen Kunstwerken, die von den Alliierten geraubt wurden, als nach dem Krieg Deutschland ausgeplündert wurde? Da würde ich mir ein ähnliches Engagement wünschen. Selbst Generationen später geht es immer nur in eine Richtung.
Von den "abertausenden" wurden wie viele von den Nazis vorher geraubt und enteignet? Sollte man etwa Raubkunst behalten bis die anderen was zurückgeben? Und dann ist da ja noch der Kriegsreparationsanspruch den man nicht einfach so ignorieren darf - oder wurde die BRD im Anschluss an den Krieg etwa einfach so im Stich gelassen oder etwa von den Amis wieder aufgepeppelt? Die haben durchaus auch was gegeben, was mehr wert als alle tatsächlich entwendete Kunst ist: eine Zukunft.
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