Gebärmaschinen-Streit Konservative Katholiken führen bizarren Angriff gegen Beck

Der Streit über die Äußerungen des Augsburger Bischofs Mixa zur Kinderbetreuung eskaliert. Nun wirft die Gruppierung "Forum Deutscher Katholiken" SPD-Chef Beck vor, Mixa "im Stil des Stürmers" zu diffamieren. Beck hatte den Bischof mit einem kastrierten Kater verglichen.


Hamburg - In einem offenen Brief schreibt die vor sieben Jahren in Fulda für papst- und kirchentreue Katholiken gegründete Organisation: "Das Forum Deutscher Katholiken ist betroffen über den Vergleich, den der SPD-Vorsitzende Kurt Beck in seiner Kritik an Bischof Dr. Walter Mixa gebraucht hat. Das Forum Deutscher Katholiken begrüßt das Engagement von Bischof Walter Mixa und allen Bischöfen, die sich mit ihm zum Schutz der Familie, zum Vorrang der Kindererziehung durch die Eltern und zum Schutz der Würde der Frau in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet haben."

Nach der Würdigung Mixas greift der Verfasser des Briefes, der Vorsitzende des "Forums", Hubert Gindert, zu zweifelhaften Vergleichen: "Das Forum weist alle Versuche der Politiker, die den Bischöfen wie in Zeiten Bismarcks einen Maulkorb verpassen wollen mit Entschiedenheit zurück und rügt den Versuch des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck, mit dem unpassenden Vergleich eines "streunenden kastrierten Katers" im "Stil des Stürmers" und "Völkischen Beobachters" Bischof Walter Mixa zu diffamieren. Die SPD wird aufgefordert, sich von der Redeweise ihres Vorsitzenden klar zu distanzieren."

Mit Blick auf Mixa hatte Beck einen Witz von einem Kater erzählt, der trotz seiner Kastration immer noch in der Gegend herumlaufe. "Wieso denn, der kann doch gar nicht mehr?", werde die Besitzerin gefragt, die daraufhin sagt: "Das nicht, aber er berät jetzt."

Auch andere Spitzenpolitiker von SPD und Union sowie Vertreter der beiden großen Kirchen wiesen Mixas Kritik zurück. Der hatte erklärt, Ursula von der Leyens (CDU) Vorschläge zum Ausbau von Kindertagesstätten seien kinderfeindlich, ideologisch verblendet und degradierten die Frau zur Gebärmaschine. Am Wochenende bekräftigte der Augsburger Oberhirte seine Äußerungen und lehnte eine Entschuldigung ab.

"Wir sollten nicht die 50er Jahre wieder auferstehen lassen"

Familienministerin von der Leyen hat unterdessen ihre Kritiker scharf in die Schranken verwiesen. Eltern seien nicht gezwungen, ein Angebot für einen Kinderbetreuungsplatz anzunehmen. Von der Leyen warnte vor einem Generationenkonflikt in der Union. "Ich finde es schon fast zynisch, wenn einige jetzt so tun, als ob ein freiwilliges Angebot für einen Kinderbetreuungsplatz ein Zwang sei, sein Kind auch dorthin zu geben", sagte von der Leyen der "Frankfurter Rundschau" (Montagausgabe). In der Familienpolitik sei es bereits fünf nach zwölf. "Wir sollten nicht versuchen, die 50er Jahre wieder auferstehen zu lassen im Jahr 2010", sagte die Politikerin, die selbst Mutter von sieben Kindern ist.

Führende Politiker aus der CDU und vor allem der CSU hatten von der Leyen während der letzten Wochen vorgeworfen, sie gefährde mit ihrer Politik das Familienbild der Union und schrecke damit konservative Wähler ab. Unterstützung für ihre Forderung nach einem Ausbau der Kinderbetreuung erhielt sie von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Merkel sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Mütter und Väter sollen bei der Erziehung der Kinder Wahlfreiheit haben, soweit das staatliche Rahmenbedingungen ermöglichen können." Sie unterstütze deshalb den Ausbau der Kinderbetreuung. "Und was die Finanzierung angeht, so sage ich: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." Mixas Auffassung teile sie nicht.

SPD-Chef Beck betonte in Berlin, seine Partei wolle "jungen Familien nicht vorschreiben, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben". Aber sie müssten Wahlfreiheit haben. Auch seine Partei strebe einen Ausbau der Betreuungsplätze an.

Von der Leyen will die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder bis drei Jahre in der kommenden Legislaturperiode auf 750.000 verdreifachen. Das würde einer Betreuungsquote von rund 40 Prozent entsprechen. Die Kosten dafür bezifferte sie auf drei Milliarden Euro jährlich, die auf Bund, Länder und Kommunen verteilt werden sollen. Hinsichtlich der Finanzierung distanzierte sie sich von einem Vorstoß der SPD, dafür auf eine Erhöhung des Kindergeldes zu verzichten. "Das würde Eltern mit Schulkindern treffen, die von Kindergärten nichts mehr haben", sagte sie der "Frankfurter Rundschau".

asc mit AP



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