Gebärmaschinen-Streit Mixa rühmt Hausmütter

Kirchenkollegen protestieren, Politiker sind empört - doch Augsburgs Bischof Mixa legt nach. Kein Wort der Entschuldigung für seine Äußerungen über Familienministerin von der Leyen, stattdessen kritisiert er: Ohne intensive Eltern-Beziehung würden Kleinkinder geschädigt.


Hamburg - "Wir müssen familiengerechte Arbeitsplätze schaffen und nicht arbeitsgerechte Familien", sagte Bischof Walter Mixa im ARD-"Morgenmagazin". Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern müsse in den ersten Jahren auf jeden Fall erhalten bleiben, "weil sonst die Kinder ja geschädigt sind", sagte der Bischof weiter und ergänzte, dass er seine Wortwahl bei der Kritik an Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) nicht bereue. Seine Äußerung, die geplante staatliche Förderung degradiere Frauen zu "Gebärmaschinen", hatte gestern heftige Gegenwehr ausgelöst.

Mixa (vor Marienstatue im Sommer 2006): "Frauen, die zu Hause bleiben, gebührt große Anerkennung"
DPA

Mixa (vor Marienstatue im Sommer 2006): "Frauen, die zu Hause bleiben, gebührt große Anerkennung"

Mixa sagte, nach Ansicht von Fachleuten seien Kinder aufgrund der Entwicklung ihrer Hirnzellen in den ersten drei Lebensjahren ganz wesentlich auf dieselben Bezugspersonen angewiesen. Dadurch komme "das Selbstbewusstsein des Kindes im Innersten zum Wachstum und zum Reifen" und das Kind erhalte die Voraussetzungen, um "später selber das Leben zu bewältigen".

86 Prozent der Frauen blieben in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes zu Hause. Diesen Frauen gebühre große Anerkennung. Mixa sprach sich jedoch "selbstverständlich" für Wahlfreiheit aus.

Im Sender N24 verwies Mixa auf allein erziehende Mütter und solche, die ohne ein zusätzliches Familieneinkommen nur schwer auskämen. "Hier muss ernsthaft überlegt werden, solchen Frauen eine größere Unterstützung in Form des Kindergeldes zu geben und ihre Erziehungstätigkeit später für die Rente anzurechnen." Für Alleinerziehenden, die wirklich auf einen Nebenverdienst angewiesen seien, müsse das Erziehungsgeld "wesentlich" angehoben werden. Hier könne nicht einfach nach einem Maßstab "mit dem Rasenmäher" über soziale Situationen hinweggegangen werden, sagte er.

Mixa hatte sich gegen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gewandt. Sie will bis zum Jahr 2013 die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren auf 750.000 verdreifachen und damit Müttern die Erwerbstätigkeit erleichtern.

Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover) sagte der "Passauer Neuen Presse" zu Mixas Ausfall gegen von der Leyen, sie könne die Kritik in keiner Weise nachvollziehen. Die christlichen Kirchen sollten alles tun, um Deutschland kinderfreundlich zu machen, sagte Käßmann. Die Bischöfin verwies darauf, dass 2013 erst Krippenplätze für jedes dritte Kind zur Verfügung stehen würden.

Auch der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, äußerte sich kritisch. Er plädierte ebenfalls in der Zeitung für mehr Ruhe und Sachlichkeit in der familienpolitischen Debatte. Eltern müssten eine echte Wahlfreiheit erhalten und sich frei entscheiden können, ob sie ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren während der Arbeitszeit in eine Betreuungseinrichtung geben. "Wir brauchen mehr Respekt für die Entscheidung der Eltern", sagte Vesper.

Die Frauen in der Union haben sich im Streit um einen Ausbau der Zahl der Krippenplätze auf von der Leyens Seite gestellt. Die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer (CDU), sagte im ARD-"Morgenmagazin", sie sei "sehr erschrocken" über die harsche Kritik des Augsburger Bischofs Walter Mixa.

"Polemik hilft niemandem", sagte Böhmer. Mixa hatte gesagt, wer mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleite, ihre Kinder schon kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere die Frau zur "Gebärmaschine". Mixa nannte die Pläne von der Leyens "kinderfeindlich und ideologisch verblendet". Die Doppelverdiener-Ehe werde geradezu zu einem "ideologischen Fetisch" erhoben. Böhmer forderte, die Zeiten, in denen Frauen ein schlechtes Gewissen eingeredet wird, müssten endgültig vorbei sein.

Angesichts der Finanzierungsfrage der Kinderbetreuung forderte Böhmer, alle familienpolitischen Leistungen auf den Prüfstand zu stellen. In diesem Bereich müsse mehr Transparenz und Effizienz herrschen, damit das Geld die Familien wirklich erreiche.

asc/ddp/Reuters/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.