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Geburtenanstieg: Warum Deutschland vergeblich auf einen Babyboom hofft

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Bekommen die Deutschen wieder Lust auf mehr Kinder? Eine erste Statistik deutet auf einen Geburtenanstieg in diesem Jahr hin - doch Experten warnen: Die Zahlen sind noch nicht verlässlich. Von einem Babyboom ist die Republik in Wahrheit weit entfernt.

Babys in der Uni-Klinik Leipzig: "Weit von der Trendwende entfernt" Zur Großansicht
DPA

Babys in der Uni-Klinik Leipzig: "Weit von der Trendwende entfernt"

Berlin - Deutschland schrumpft! Der Republik geht der Nachwuchs aus! Das ist die Botschaft, die Statistiker und Wissenschaftler immer wieder übermitteln, alle paar Monate, Jahr für Jahr. "Geburtenzahl in Deutschland sinkt dramatisch", meldete SPIEGEL ONLINE im Mai dieses Jahres. "Frauen in Deutschland bekommen weniger Kinder", lautete eine Überschrift erst vor wenigen Wochen.

Doch jetzt das: Es gibt neue Zahlen. Die Deutschen bekommen demnach wieder mehr Kinder. Deutlich mehr.

Ist der Abwärtstrend also gestoppt?

Tatsächlich sind die Daten, die das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlicht hat, auf den ersten Blick überraschend. Demnach steigt die Zahl der Geburten in Deutschland kräftig. Fast 510.000 Kinder haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres das Licht der Welt erblickt - 18.000 mehr als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Das ist ein Plus von 3,6 Prozent. Eine solche Steigerungsrate hat die Behörde seit zehn Jahren nicht mehr festgestellt.

Für das Bundesfamilienministerium müssten solche Zahlen eine wahre Freude sein. Was hat es nicht alles getan, um Familien die Entscheidung fürs Kinderkriegen leichter zu machen: Krippenausbau, Vätermonate, Elterngeld. Gebracht hat es bisher nichts, Experten geißeln die milliardenschweren Transferzahlungen als kontraproduktiv.

"So schön die Zahlen scheinen"

Also war man im Haus von Ministerin Kristina Schröder (CDU) an diesem Mittwoch äußerst vorsichtig. "Wenn sich alles bewahrheitet, dann freut sich unser Haus natürlich", sagte eine Sprecherin. Darüber hinaus wollte sie die Zahlen - "so schön sie scheinen" - nicht kommentieren. Immerhin: Es zeichne sich wohl ab, dass die Wirtschaftskrise für junge Familien kein Grund ist, sich vom Kinderwunsch zu verabschieden.

Die Zurückhaltung ist angebracht. Denn aussagekräftig sind die Daten nicht.

Das weiß das Ministerium, und das betont auch das Statistische Bundesamt. Die nun auf der Homepage der Behörde veröffentlichten Tabellen enthalten nämlich nur vorläufige Zahlen. Sie spiegeln lediglich den Bearbeitungsstand der Daten bei den örtlichen Standesämtern wieder. Es können jedoch Daten fehlen, auch nachträgliche Korrekturen sind nicht ausgeschlossen. Erst im kommenden Sommer hat das Statistische Bundesamt vollständige Informationen, die dann vorgestellt werden.

Ob es dann mehr oder weniger Babys sein werden, lässt sich jetzt also noch nicht sagen. "Das kann sich noch in beide Richtungen ändern", sagt Statistiker Martin Conrad vom Bundesamt. Die vorläufigen Zahlen sagen auch noch nichts über die Geburtenrate aus. Denn diese bezieht sich auf das ganze Jahr. Wie viele Geburten es im Oktober, November und Dezember gab, weiß aber noch niemand abschließend.

Steigerung von niedrigem Niveau

Allerdings: Die Zahl der statistisch gesehen potentiellen Mütter, also der gebärfähigen Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren ist laut "Süddeutscher Zeitung" in den vergangenen Jahren stetig gesunken, um rund 300.000 pro Jahr. Würde sich dieser Trend 2010 fortsetzen und sich das absolute Plus bei den Geburten tatsächlich bestätigen, könnte die Geburtenrate in der Tat steigen.

Doch Grund zur Euphorie besteht auch für diesen Fall nicht. Die Geburtenzahlen sind seit mehr als einem Jahrzehnt rückläufig. Allein von 2006 auf 2007 gab es einen kleinen Sprung ins Plus - dann aber zeigte die Kurve auch schon wieder nach unten. Die Geburtenrate bewegt sich seit 1997 zwischen rechnerisch 1,33 und 1,38 Kindern pro Frau. Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 1,36. Die sogenannte "natürliche Reproduktionsrate" wird dagegen mit mindestens 2,1 Kindern pro Frau bemessen.

Die absolute Geburtenzahl fiel 2009 sogar so tief wie nie zuvor. In jenen zwölf Monaten kamen rund 665.000 Kinder zur Welt, etwa 17.000 weniger als im Vorjahr und nicht einmal halb so viele wie im Geburten-Rekordjahr 1964. Eine Steigerung im Jahr 2010 käme also von einem ausgesprochen niedrigen Niveau. Von einem echten Babyboom könnte keine Rede sein.

"Ein Indiz für eine Verhaltensänderung sind diese Zahlen jedenfalls nicht", warnt auch der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg von der Universität Bielefeld mit Blick auf die neuen Daten des Statistischen Bundesamtes. Und zwar nicht nur, weil die vorläufigen Ergebnisse noch nicht belastbar sind. Selbst wenn in der Endabrechnung für 2010 unterm Strich tatsächlich ein deutliches Geburtenplus stehe, lasse dies nicht auf eine Trendwende schließen, erklärt der Demografie-Forscher.

"Von einer Trendwende kann man nur sprechen, wenn die Geburtenrate über einen Zeitraum von vier oder fünf Jahren hinweg steigt", sagt Birg. "Und davon sind wir weit entfernt."

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1. Die Miesmacher-Republik...
bürgerschreck 29.12.2010
Zitat von sysopBekommen die Deutschen wieder Lust auf mehr Kinder?*Eine erste Statistik deutet*auf einen Geburtenanstieg in diesem Jahr hin - doch Experten warnen: Die Zahlen sind noch nicht verlässlich. Von einem Babyboom ist die Republik weit entfernt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,737001,00.html
... hat wieder zugeschlagen. Jede positive Nachricht muß aufs äußerste kleingeredet und nieder gemacht werden. Es werden wieder mehr Babies geboren, gut so! Warum muß SPON wieder vorneweg alles schlecht machen? Warum soll nicht der wirtschaftliche Aufschwung - wie übrigens auch in anderen Ländern schon x-fach beobachtet - das Selbstbewußtsein der Erwachsenen so weit stärken, daß sie es sich wieder trauen Kinder zu bekommen? Warum gesteht man dem Elterngeld nicht einmal eine Entwicklungsphase zu? Ich bekomme doch nicht plötzlich ein Kind, weil ich etwas mehr Geld bekomme. Da müssen Lebenswege neu durchdacht und umgesetzt werden. Das dauert einige Jahre. Falls jetzt die Wirkung einsetzt sollten alle zufrieden sein. Ausser SPON natürlich, denn dann gibts ja nix mehr zu meckern.....
2. ooo
MarkH, 29.12.2010
Zitat von sysopBekommen die Deutschen wieder Lust auf mehr Kinder?*Eine erste Statistik deutet*auf einen Geburtenanstieg in diesem Jahr hin - doch Experten warnen: Die Zahlen sind noch nicht verlässlich. Von einem Babyboom ist die Republik weit entfernt. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,737001,00.html
Viel interessanter wäre doch mal eine Statitistik wieiviele der Kinder in einer normalen "Ehe" zur Welt kommen. Zu vermuten ist, dass dies ausser der Kaste der Juristen niemand mehr schafft.
3. Das Bild
hilfloser, 29.12.2010
mit den Süßen Beiden Kleinen ist definitiv Falsch. Die Kinder die Heutzutage in Deutschland geboren werden sehen ein wenig anders aus! Das ist jetzt nicht grundsätzlich Falsch oder Schlecht, aber bitte zeigen sie Bildchen die der Realität entsprechen und machen sie uns Lesern und sich selbst nichts vor.
4. Moin!
tz88ww 29.12.2010
Was heißt hoffen, bangen muß das heißen, noch mehr Konkurrenz am Arbeitsplatz. Schö
5. Wenn es endlich
mumike 29.12.2010
überall ausreichend verfügbare und bezahlbare Kinderkrippen- und -gartenplätze gäbe, welche Öffnungszeiten haben, die mit den Arbeitszeiten einer in Vollzeit beschäftigten Frau kompatibel sind und es ihr ermöglichen, ihre Kinder sofort nach Ende des Mutterschutzes dort hinzubringen, dann werden die Frauen auch wieder Kinder bekommen. So lange es aber einem Lotteriespiel gleicht, überhaupt einen Kindergartenplatz zu bekommen, aufgrund noch geringerer Verfügbarkeit von Kindergrippenplätzen gezwungen zu sein, die ersten drei Jahre nach der Geburt aus dem Beruf auszusteigen und Kindergärten nur von 9-12 und von 14-16 Uhr geöffnet haben, wie es ganz besonders im Westen der Republik der Fall ist, dann bleibt der Wunsch nach einer höheren Geburtenrate Utopie. Denn eine Singlefrau mit Kinderwunsch kann es sich finanziell gar nicht leisten, länger als Mutterschutz zu pausieren oder in Teilzeit zu arbeiten und auch für ein Paar ist es finanziell kaum machbar. (Oder eine in Partnerschaft lebende Frau will es nicht riskieren, eventuell als arbeitslose Singlemum dazustehen, weil die Partnerschaft auseinanderging.) Die Alternative Tagesmutter ist finanziell auch Harakiri, denn bei einer Vollzeitstelle der Mutter wäre die Tagesmutter 40h + An- und Abfahrt zzgl. Mittagspause im Einsatz, d.h. ca. 50h pro Woche, bei einem marktüblichen Stundensatz von 8-12 EUR lohnt es sich für die Mutter dann gar nicht, arbeiten zu gehen, außer, sie hat einen finanzkräftigen Partner und ihr geht die Karriere über alles. Wenn all das o.g. Realität wäre, hätte ich wohl schon längst zwei Kinder bekommen. Aber offensichtlich ist es bis heute in Deutschland ganz besonders von den grauen Herren gewünscht, dass die Frauen beizeiten aus dem Job aussteigen und sich nach Mutterschutz eine Stelle als Aushilfe oder Verkäuferin suchen, aber ganz bestimmt nicht Karriere machen.
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