Gedenken an Dresdner Bombennacht: Menschenkette stärker als Neonazi-Aufmarsch

Mit einer kilometerlangen Menschenkette gedenken Tausende Dresdner des Jahrestags der Zerstörung ihrer Stadt und setzen ein Zeichen gegen rechts - der Neonazi-Aufmarsch wird vorzeitig abgebrochen, Polizisten eskortieren die Rechtsextremen zurück zum Bahnhof. Ausschreitungen bleiben aus.

dapd

Dresden - Sie kamen zu Tausenden. Bei Schnee und Minusgraden reihten sich laut Stadtverwaltung 13.000 Menschen am Montagabend in eine 3,6 Kilometer lange Menschenkette ein. Viele trugen eine weiße Rose in der Hand oder als Anstecker an der Jacke, zum Zeichen des friedlichen Widerstands. Mit den Aktionen erinnerten die Dresdner an die Opfer der Bombennacht vor 67 Jahren und setzten ein deutliches Zeichen gegen Rechts.

Die Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen am 67. Jahrestag der Zerstörung der Stadt blieben in diesem Jahr friedlich. Rechtsextreme versuchen seit Jahren, die Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomber im Februar 1945 für ihre Propaganda zu missbrauchen. Die Menschenkette sei ein "klares Bekenntnis gegen Nationalsozialismus, Rassismus und Gewalt", sagte Dresdens Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Das allein reiche aber nicht. Es gehe auch darum, Tag für Tag Alltagsrassismus und Intoleranz zu bekämpfen.

Zu den Teilnehmern gehörten auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), die Bundesspitze der Grünen um Claudia Roth und Cem Özdemir sowie Linken-Chefin Gesine Lötzsch.

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Dresden: Tausende stellen sich gegen rechts
Nach dem Ende der Menschenkette versammelten sich wie angekündigt Neonazis am Dresdner Hauptbahnhof. Die Polizei zählte 1.600 Rechtsextreme, die gegen 19.30 Uhr unter Polizeischutz mit einem Fackel-Aufmarsch begannen. Der Bereich um den Hauptbahnhof und die Marschroute waren zuvor weiträumig abgesperrt worden.

Gegendemonstranten mit Trillerpfeifen und Sirenen

Rund 2000 Gegendemonstranten stellten sich ihnen entgegen. Sie errichteten mindestens zwei große und mehrere kleinere Straßenblockaden und drückten ihren Unmut gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen mit "Nazis raus!"-Rufen, Trillerpfeifen und Sirenen aus. Wegen der Blockaden wurde die Aufmarschstrecke der Rechtsextremen verkürzt. Bereits um kurz nach 20.00 Uhr mussten die Neonazis sogar ihren Marsch vorzeitig beenden. Die Polizei eskortierte die Rechtsextremen nach Ende ihres Aufmarsches am Abend bis zum Bahnhof zurück und schirmte sie von den Gegendemonstranten ab. Bis 21.00 Uhr zogen die letzten Neonazis schließlich frustriert ab.

Laut Polizei blieb es weitgehend friedlich. Zusammenstöße gab es demnach nicht, neun Menschen wurden unter anderem wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz in Gewahrsam genommen. 6.000 Polizeibeamte sicherten die Innenstadt. Die Neonazi-Gegner feierten den Rückzug als Erfolg. Unter ihnen war auch der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer. "Wir haben klargemacht, dass diese Stadt keine Nazis will", sagte Kramer nach den Protesten. Den Rechten sei der Spaß vergangen.

Im vergangenen Jahr hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen Rechten, Linken und der Polizei gegeben. Bei Protesten gegen Neonazis war es damals zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen, bei denen mehr als hundert Polizisten verletzt wurden.

"Man kann nicht widerspruchslos den Nazis die Straße überlassen"

Bundestagsvizepräsident Thierse hatte vor dem Aufmarsch gesagt, "man kann nicht ganz widerspruchslos und unkommentiert den Neonazis die Straße überlassen". Er habe Sympathie für Menschen, die sagten, Neonazis dürften nicht ungestört durch die Dresdner Straßen marschieren. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) sagte, solange es Rechtsextremismus und Antisemitismus gebe, seien Gegenproteste notwendig.

Am Nachmittag hatten bereits Politiker, Diplomaten und Bürger auf dem Dresdner Heidefriedhof an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert. Bei den Luftangriffen britischer und amerikanischer Bomber am 13. und 14. Februar 1945 auf Dresden starben rund 25.000 Menschen. Weite Teile der historischen Altstadt wurden damals zerstört. Für Samstag hat die Arbeitsgemeinschaft "13. Februar", ein breites Bündnis gesellschaftlicher Gruppen, zu einer weiteren Demonstration unter dem Motto "Mit Mut, Respekt und Toleranz" aufgerufen. Eine rechtsextreme Kundgebung war für das Wochenende zunächst nicht angemeldet.

lgr/AFP/dapd

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insgesamt 75 Beiträge
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1. Respekt
rheinläufer 13.02.2012
Zitat von sysopMit einer kilometerlangen Menschenkette gedenken Tausende Dresdner dem Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt und setzen ein Zeichen gegen Rechts - der Neonazi-Aufmarsch wird vorzeitig abgebrochen, Polizisten eskortieren die Rechtsextremen zurück zum Bahnhof. Ausschreitungen bleiben aus. Gedenken an Dresdner Bombennacht: Menschenkette stärker als Neonazi-Aufmarsch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815078,00.html)
Respekt für die Bürgergesellschaft in Dresden! Sie hat ein in Deutschland überdurchschnittlich hohes Niveau.
2. Mir fällt kein passender Titel ein
paradiddlediddle 14.02.2012
Zitat von sysopMit einer kilometerlangen Menschenkette gedenken Tausende Dresdner dem Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt und setzen ein Zeichen gegen Rechts - der Neonazi-Aufmarsch wird vorzeitig abgebrochen, Polizisten eskortieren die Rechtsextremen zurück zum Bahnhof. Ausschreitungen bleiben aus. Gedenken an Dresdner Bombennacht: Menschenkette stärker als Neonazi-Aufmarsch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815078,00.html)
Alle Jahre wieder lese ich von den Nazi-Aufmärschen in Dresden, was wollen die denn ausgerechnet in Dresden? Es wurden doch viele Städte während des Krieges massiv bombardiert, da gibt es keine Demos und auch keinen rechten Spuk - was sind das für Leute und was wollen die erreichen?
3. 25.000 Menschen,
Thomasius111 14.02.2012
Zitat von sysopMit einer kilometerlangen Menschenkette gedenken Tausende Dresdner dem Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt und setzen ein Zeichen gegen Rechts - der Neonazi-Aufmarsch wird vorzeitig abgebrochen, Polizisten eskortieren die Rechtsextremen zurück zum Bahnhof. Ausschreitungen bleiben aus. Gedenken an Dresdner Bombennacht: Menschenkette stärker als Neonazi-Aufmarsch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815078,00.html)
das ist die Zahl die eine, natürlich unabhängige, Expertenkomission endgültig festgelegt hat. Es gab da ja ZEITGENOSSEN, die behaupteten, es wären wesentlich mehr gewesen. Na, gottseidank hat das jetzt mal jemand klargemacht.
4.
Altesocke 14.02.2012
Zitat von sysop6.000 Polizeibeamte sicherten die Innenstadt.
Aber die Rechten zahlen diesen Personalaufwand nicht, oder? [/rhetorik]
5. Das Gedenken an die Toten...
nichtWeich 14.02.2012
Zitat von sysopMit einer kilometerlangen Menschenkette gedenken Tausende Dresdner dem Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt und setzen ein Zeichen gegen Rechts - der Neonazi-Aufmarsch wird vorzeitig abgebrochen, Polizisten eskortieren die Rechtsextremen zurück zum Bahnhof. Ausschreitungen bleiben aus. Gedenken an Dresdner Bombennacht: Menschenkette stärker als Neonazi-Aufmarsch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,815078,00.html)
..... wird wiedereinmal von Rechts UND von Links für politische Zwecke missbraucht. Das Gedenken an die Toten von Dresden sollte nicht genutzt werden um gegen Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit aufzurufen. Still und schweigend die Opfer anerkennen wäre die richtigere Variante gewesen. Stattdessen wurde wiedereinmal geschrien und gepöbelt. Schade und traurig.
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