Gegen Asylbewerber Zahl rechtsextremer Proteste gegen Flüchtlingsheime steigt

Hoyerswerda, Schneeberg, Berlin-Neukölln - wo immer ein Flüchtlingsheim steht oder gebaut werden soll, muss laut Bunderegierung mit rechtsextremen Kundgebungen gerechnet werden. Und die Zahl der Aktionen gegen Asylbewerber nimmt zu.

Proteste gegen Asylbewerberheim in Sachsen (Archivbild): Wachsendes Problem
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Proteste gegen Asylbewerberheim in Sachsen (Archivbild): Wachsendes Problem


Berlin - Sie richten sich gezielt gegen Flüchtlingsunterkünfte oder gegen die Aufnahme von Asylsuchenden allgemein: Die Zahl der rechtsextremen Proteste gegen Asylbewerberheime in Deutschland hat zugenommen. Allein im ersten Quartal dieses Jahres zählten die Behörden zwanzig solcher Kundgebungen - etwa so viele wie im gesamten Jahr 2013. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Gezählt wurden alle Aktionen, an denen mindestens 20 Menschen teilnahmen, manchmal kamen sogar mehrere Hundert. Als Organisatoren der meisten Kundgebungen nannte die Regierung die rechtsextreme NPD oder deren Jugendorganisation, die Jungen Nationaldemokraten.

Immer wieder kommt es etwa in Hoyerswerda, wo vor rund zwanzig Jahren Brandsätze auf ein Asylbewerberheim flogen, zu Protesten der Rechtsextremen gegen den Neubau. "Nein zum Heim in Hoyerswerda", fordern die Neonazis, denen der sächsische Verfassungsschutz NPD-Nähe bescheinigt.

In Schneeberg im Erzgebirge lässt sich beobachten, wie die Rechten ihre Kampagnen tarnen: Vermeintlich unabhängige Bürgerinitiativen trommeln mit Slogans wie "Schneeberg wehrt sich" gegen die Flüchtlinge. Sie sind Sprachrohre der NPD. Gleiches gilt für den Berliner Bezirk Hellersdorf, wo die NPD im vergangenen Sommer die Angst der Bewohner für ihre Zwecke nutzte.

Doch nicht nur die Zahl der Proteste, auch die der Straftaten und Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte steigt: Allein in den ersten drei Monaten des Jahres registrierten die Behörden laut Bundesinnenministerium mehr als 30 solcher Delikte aus dem rechten Spektrum.

Nach Angaben der Linksfraktion waren es 2011 noch 18 Delikte gewesen, im Jahr danach 24 und im vorigen Jahr schließlich 59. "Der kontinuierliche Anstieg rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte darf niemanden kalt lassen", mahnte die Linke-Innenpolitikerin Ulla Jelpke.

vek/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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altesmädchen 29.05.2014
1. asyl - bedeutung ?
Ist jemand noch Asylbewerber, dessen Antrag abgelehnt wurde ? In Berlin sind 160 Botschaften, warum kümmern diese sich nicht um ihre Staatsangehörigen ?
hotgorn 29.05.2014
2.
Die Rechten sind neidisch sie wollen in die luxerieösen Unterkünfte einziehen und in Rechtenheime umbenennen. Die Gefahr von Links ist klar zu erkennen so verursachen Sitzblockaden abriebspuren von Jeanstoff auf unserem deutschen Asphalt den wir aus deutsch Saudi Arabien und von Großführer Putin importieren.
RbTb 29.05.2014
3. Nicht jeder ist gleich rechtsradikal
Nur weil jemand gegen ein Asylbewerberheim protestiert, ist er noch lange nicht rechtsradikal. Wenn man sich in diesem Land einmal gegenseitig zuhören würde, ohne jedem, der sich gegen mehr Zuwanderung und und für eine restriktivere Einwanderungspolizik ausspricht gleich die Swastika auf die Stirn zu stempeln, würden wir als Nation davon sehr profitieren.
spon-facebook-10000672769 29.05.2014
4. Asylantenheim in Schneeberg
Zitat von sysopDPAHoyerswerda, Schneeberg, Berlin-Neukölln - wo immer ein Flüchtlingsheim steht oder gebaut werden soll, muss laut Bunderegierung mit rechtsextremen Kundgebungen gerechnet werden. Und die Zahl der Aktionen gegen Asylbewerber nimmt zu. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gegen-asylbewerber-immer-mehr-proteste-gegen-fluechtlingsheime-a-972385.html
Die Bürger in der kleinen Stadt Schneeberg wurden zum Asylantenheim mit 750 Plätzen nicht gefragt. Deshalb gingen sie auf die Straße. Die NPD sprang auf das Pferd und machte eigene Werbung. Der Mitteldeutsche Rundfunk filmte die Demo-Teilnehmer und sprach von Rechtsextremen und Bürgern, welche der NPD auf den Leim gegangen wären. Danach hatten viele Angst, in der Öffentlichkeit als Nazis bezeichnet zu werden oder evt. Probleme mit ihrer Arbeitsstelle zu bekommen. Freie Meinungsäußerung ist demnach in unserem Lande sehr schwierig,
Mieze Schindler 29.05.2014
5. Mit dem AfD rückt die Ausländerfeindlichkeit vom
rechten Rand (NPD) weiter in die Mitte unserer Gesellschaft und wird salonfähig, befürchte ich.
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