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Geheimakten über DDR-Staatschef: Honecker und die linken Skischuhe

Der BND verfügte nach Informationen des SPIEGEL über intime Kenntnisse über das Privatleben von Erich Honecker. So sei dessen Ehe "zerrüttet" gewesen - Gattin Margot habe der DDR-Diktator gerne einmal nach Jugoslawien abgeschoben. Aus Versehen schenkte er seinem Enkel dagegen zwei linke Schuhe.

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DDR-Staats- und Parteichef Honecker (im Jahr 1989): Neue BND-Details über "Honi"

Hamburg - Überraschend persönliche Einblick in das Familienleben von Erich Honecker, 1994 verstorbener SED-Diktator, hat der Bundesnachrichtendienst (BND) nach Informationen des SPIEGEL gesammelt. Demnach soll der Politiker unter seiner Ehe mit DDR-Volksbildungsministerin, heute 84, ziemlich gelitten haben.

So ließ er 1981 für die Gattin eilig eine Einladung aus Jugoslawien organisieren, als ein Staatsbesuch in Japan anstand. Die Folge: Er flog nach Tokio, sie nach Belgrad. Und Ehemann Honecker hatte seine Ruhe.

Dies ist zumindest die Version des BND, der nun einige Honecker-Akten zugänglich gemacht hat. Offenkundig interessierten sich die westdeutschen Geheimen intensiv für das Privatleben des langjährigen DDR-Chefs, den sie vertraulich "Honi" nannten.

Selbst höchst Banales schien erwähnenswert: Im Januar 1978 berichtete ein BND-Mann, der Einheitssozialist habe seinem Enkel zu Weihnachten versehentlich zwei linke Skischuhe geschenkt. Auch die Suche des SED-Generalsekretärs nach einem Hund stieß auf Interesse. Meldung vom 2. Dezember 1981: "In der ganzen Republik Ausschau nach Jagdhund für Honecker, mehrere Fehlversuche. Fündig im Bezirk Erfurt: Kurzhaarrüde, dreieinhalb Jahre."

Schluss mit den "häufigen Affären"

Die Ehe der Honeckers war nach BND-Erkenntnissen zu diesem Zeitpunkt bereits zerrüttet und wurde nur "aus Gründen der Partei- und Staatsräson aufrechterhalten". Pullachs Informanten sagten ihm ein Verhältnis mit seiner Internistin nach; über Margot spekulierte der Dienst, sie sei möglicherweise mit DDR-Wirtschaftschef Günter Mittag liiert.

Für die Honecker-Experten im BND war eine solche Entwicklung keine Überraschung. Nach ihren Erkenntnissen hatte Erich seine Margot 1953 auf Druck des Politbüros heiraten müssen - damit "seine häufigen Affären mit jungen Mädchen ein Ende" fanden. Zumindest ein BND-Mann scheint für die damalige Damenwahl Honeckers Verständnis gehabt zu haben. Margot Honecker, notierte er 1979, sei früher "eigentlich ganz hübsch" gewesen.

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