Geiselnahme in Nigeria Terroristen töten zwei ausländische Ingenieure

Der Terror in Nigeria hat weitere Opfer gefordert: Ein Italiener und ein Brite sind am Donnerstag getötet worden. Soldaten sollten die beiden Geiseln befreien - doch der Rettungsversuch misslang.


London/Sokoto - Tragisches Ende einer Entführung: Bei einer missglückten Befreiungsaktion in Nigeria sind ein Brite und ein Italiener ums Leben gekommen. Das teilte der britische Premierminister David Cameron am Donnerstag in London mit. "Wir warten noch immer auf die endgültige Bestätigung der Details, aber die frühen Signale sind klar, dass beide Männer von ihren Entführern ermordet wurden, bevor sie gerettet werden konnten", sagte Cameron.

Die beiden Europäer, die für eine italienische Baufirma in Nigeria tätig waren, befanden sich seit zehn Monaten in der Gewalt nigerianischer Terroristen. Sie wurden am 12. Mai 2011 in der Stadt Birnin Kebbi im Norden des Landes gekidnappt.

Da das Leben der beiden Männer sich mutmaßlich in "unmittelbarer und wachsender Gefahr" befand, hätten die nigerianischen Behörden mit britischer Hilfe einen Rettungsversuch in die Wege geleitet, sagte Cameron. Er selbst habe gemeinsam mit der nigerianischen Regierung grünes Licht für die Befreiungsaktion gegeben. Nach Meldungen der Agentur AP kam es in der nordwestlichen Stadt Sokoto zum Zugriff. Dabei seien die beiden Gefangenen von ihren Entführern getötet worden, ehe sie gerettet werden konnten.

Der Bundesstaat Kebbi grenzt an den Niger, wo die nordafrikanische Terrorgruppe Aqmi, mutmaßlich ein Qaida-Ableger, in den vergangenen Jahren mehrfach Ausländer entführt hat. In Nordnigeria ist die islamistische Sekte Boko Haram aktiv. Sie bekannte sich auch zu den Anschlägen im Januar, bei denen mindestens 185 Menschen getötet wurden, darunter Dutzende Polizisten. Erst Ende Februar wurden bei einem weiteren Angriff auf eine Polizeistation in der Stadt Gombe mindestens 14 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Im Januar meldete das Auswärtige Amt die Entführung eines deutschen Ingenieurs in Nigeria.

vks/dapd/dpa/AP



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insgesamt 2 Beiträge
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aeronaut79 08.03.2012
1.
Boko Haram ist keine islamische Sekte, sondern eine islamische Terrororganisation. Ich trauere um die beiden Opfer.
waelder 09.03.2012
2. Boko Haram
Laut dem, was mir meine einheimischen Kollegen, vor allem die der drei Regionalbüros des Projektes, die im Norden Nigerias (Kano, Jigawa, Yobe) bestanden, erzählt haben, ist Boko Haram auch keine Organisation. Es wird vielmehr angenommen, dass es viele Gruppen, vor allem im Norden Nigerias, gibt, die sich an den Rand der Gesellschaft gedrückt fühlen und denen nahezu jedes Mittel Recht zu sein scheint, sich dafür zu rächen. Jedoch macht die fehlende Organisationsstruktur die Ermittlungsarbeit, für die Polizei und andere Sicherheitsorgane in Nigeria sich als kaum qualifiziert zeigen, noch schwerer.
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