CSU-Affären Drogen-Ermittlungen gegen Münchner Stadtrat

Nächste Affäre um einen CSU-Politiker: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen Georg Schlagbauer, Chef der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Der Stadtrat soll mehrmals Drogen gekauft haben - und ist bereits zurückgetreten.

CSU-Politiker Georg Schlagbauer
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CSU-Politiker Georg Schlagbauer

Von Conny Neumann, München


Für die CSU ist es die Woche der unappetitlichen Affären: Erst legte der Nürnberger Landtagsabgeordnete Michael Brückner 51, alle Ämter nieder. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Sex mit einem minderjährigen Mädchen vor. Brückner räumte ein, dass er sich über ein Inserat im Internet mit einem Mädchen kurz vor ihrem 16. Geburtstag verabredet und sie für Sex bezahlt habe. Er schäme sich.

Am Donnerstagmittag erfuhr Ministerpräsident Horst Seehofer von der nächsten Affäre. Diesmal steht ein Shootingstar der CSU München im Mittelpunkt: der smarte Stadtrat und Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Georg Schlagbauer, 44. Der Metzgermeister, verheiratet und Vater von zwei Töchtern, hat überraschend seinen Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern bekannt gegeben.

Schlagbauer nannte "dringende gesundheitliche und familiäre Gründe" für seinen Rückzug. Wenig später wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München I ein Ermittlungsverfahren wegen Drogenerwerbs gegen ihn führt und ein Bordell durchsuchen ließ. Tatsächlich war der Rücktritt schon vor einiger Zeit erfolgt, wurde aber auf Anraten der Staatsanwaltschaft nicht publik gemacht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wie Schlagbauers Anwalt, Michael Philippi, gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte.

Schlagbauer hatte demnach vor geraumer Zeit die Ermittlungen durch eine Meldung bei den Strafverfolgern selbst ausgelöst. Warum? Wurde der CSU-Politiker bedroht? Oder erpresst? Die Fahnder wollen dazu nichts sagen. Schlagbauer soll häufiger Betäubungsmittel gekauft haben, angeblich auch im Rotlichtmilieu. Zu konkreten Details wollte sich auch Schlagbauers Anwalt nicht äußern. Privates habe zu keiner Zeit Auswirkungen auf seine Amtsführung gehabt, sagte Anwalt Philippi.

Der Münchener Metzgermeister war lange einer der jüngeren Hoffnungsträger der Münchner CSU. Schlagbauer war neben seinem Amt an der Spitze der Handwerkskammer auch Präsident des Handwerkertages und Landesinnungsmeister des bayerischen Fleischerhandwerks. Im Münchner Stadtrat war er im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft tätig und seit 2014 als Wiesn-Stadtrat für das Oktoberfest mit zuständig.

Seehofer nahm die Nachricht von den Ermittlungen gegen den CSU-Mann betroffen zur Kenntnis. "Das ist wieder eine äußerst betrübliche Nachricht", sagte der Ministerpräsident. Der Fall sei sehr ernst und sehr ärgerlich.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Schlagbauers Haus sei durchsucht worden; tatsächlich wurde ein Bordell durchsucht. Zudem hieß es in einer früheren Version, Schlagbauers Rücktritt sei auf Anraten der Staatsanwaltschaft erfolgt. Tatsächlich wurde der Rücktritt auf Anraten der Staatsanwaltschaft nicht publik gemacht, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Das bestätigte Schlagbauers Anwalt. Wir bitten die Fehler zu entschuldigen.



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