Georg Streiter: Koch-Mehrin-Vertrauter wird Regierungssprecher
Vizekanzler Philipp Rösler ist fündig geworden: Neuer stellvertretender Sprecher der Bundesregierung wird Georg Streiter. Der frühere "Bild"-Journalist war zuletzt Sprecher von FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin.
Berlin - Ihn hatte kaum jemand auf dem Zettel - doch bevor Kanzlerin Angela Merkel zum Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach Paris flog, bat sie Georg Streiter ins Kanzleramt. Anschließend machte sich Streiter wieder auf den Weg zurück nach Brüssel, seinem bisherigen Arbeitsschwerpunkt. Doch schon bald dürfte er in Berlin seine Stelle antreten - als Vize-Regierungssprecher.
Die Wahl Streiters durch den Vizekanzler und FDP-Chef Philipp Rösler gilt in Berlin als Überraschung. In den vergangenen Wochen wurden manche Namen unter der Hand gehandelt, auch die von aktiven Journalisten in der Hauptstadt.
Doch Rösler erhielt Absagen. Zwar ist der Job gut dotiert, aber im hochtourigen Politikbetrieb nicht gerade ein Traum. Hinzu kommt: Er ist bis zum Herbst 2013 befristet. Und da die Liberalen derzeit unter fünf Prozent taxiert werden, dürfte eine Weiterbeschäftigung in einer Neuauflage der schwarz-gelben Koalition kaum wahrscheinlich sein.
Die Bundesregierung hat drei Sprecherposten: Neben Merkels erster Stimme Steffen Seibert zwei weitere, die von der FDP und der CSU vorgeschlagen werden.
Mit Georg Streiter wird künftig ein erfahrener Journalist in der Bundespressekonferenz die Politik der schwarz-gelben Koalition erläutern. Bislang ist Streiter - einst Politikchef bei der "Bild"-Zeitung und bei "Bild am Sonntag", zuvor auch bei "Stern" und "Max" - im Büro der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin tätig. Seit Februar vergangenen Jahres saß er für sie in Brüssel, zuletzt war der 55-Jährige vor allem damit beschäftigt, seine Chefin in der Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit zu verteidigen.
Ablösung für Christoph Steegmanns
Streiter wird Christoph Steegmanns ablösen, der seit Beginn der Koalition im Herbst 2009 Vizesprecher der Regierung war. Der Westerwelle-Vertraute, der die Politik des früheren FDP-Chefs und Ex-Vizekanzlers auch in kniffligen Lagen zu vertreten suchte und zu vielen Journalisten ein gutes Verhältnis pflegte, hatte nicht das Vertrauen Röslers.
Bereits im Frühjahr, nach dem Ende der Ära Westerwelle, war gerätselt worden, ob Steegmanns bleiben würde. Auf diese Frage pflegte Steegmanns mit einem Achselzucken zu antworten - er wusste es schlichtweg nicht. Die CDU-Politikerin Merkel hätte wohl nichts gegen eine Fortsetzung der Arbeit mit dem 40-jährigen Historiker Steegmanns gehabt. Rösler aber wollte nicht einen Mann übernehmen, der jahrelang eng mit Westerwelle zusammengewirkt hatte.
Seine Ablösung erfuhr der Vize Ende Juli zunächst aus der Zeitung - und erst wenige Tage später durch den FDP-Chef selbst. Ein Umstand, der in den Medien für Aufsehen sorgte.
Nun also soll Streiter, verwitweter Vater zweier Kinder, die Politik von Angela Merkel und Philipp Rösler in ein möglichst gutes Licht stellen. Er wird es, wie alle Vizes, nicht leicht in seinem neuen Job haben. Im Gegensatz zum ersten Sprecher, den die Kanzler selbst aussuchen, muss er sich das Vertrauen der Regierungschefin erst erarbeiten.
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