Terror Mutmaßliche IS-Terroristen sollen in Flüchtlingsunterkunft gelebt haben

Vier Männer sollen im Auftrag der Terrormiliz "Islamischer Staat" einen Anschlag in Düsseldorf geplant haben. Bis zu ihrer Festnahme tarnten sie sich offenbar als Flüchtlinge.

Asylbewerberheim in Bliesdorf bei Wriezen (Brandenburg)
DPA

Asylbewerberheim in Bliesdorf bei Wriezen (Brandenburg)


Zwei der mutmaßlichen Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben nach SPIEGEL-Informationen in Flüchtlingsunterkünften gelebt. Die Männer wurden demnach am Donnerstag in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen festgenommen. Auch der dritte mutmaßliche Komplize tarnte sich demnach als Flüchtling, er wurde in Baden-Württemberg aufgegriffen.

Die drei Terrorverdächtigen waren im Auftrag von Generalbundesanwalt Peter Frank festgenommen worden. Sie sollen nach SPIEGEL-Informationen vom IS nach Deutschland geschickt worden sein, um einen Terroranschlag in der Düsseldorfer Altstadt zu begehen.

Zunächst hätten sich zwei Selbstmordattentäter nahe der Heinrich-Heine-Allee in die Luft sprengen sollen. Geplant war, dass weitere Terroristen nach den Explosionen mit Gewehren Menschen töten. Ein vierter Komplize sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft. Er soll die Behörden über die Pläne informiert haben und sich ebenfalls als Flüchtling getarnt haben.

Aus französischen Justizkreisen ist inzwischen bestätigt worden, dass ein mutmaßliches IS-Mitglied der Polizei in Paris die Pläne für einen Anschlag in Düsseldorf enthüllt hat. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Demnach habe sich der 28-jährige Syrer Saleh A. am 1. Februar freiwillig auf einem Kommissariat in dem Pariser Viertel La Goutte d'Or gemeldet und ausgesagt, dass er "Informationen über eine Schläferzelle" habe, die bereit sei, "in Deutschland zuzuschlagen".

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Deutschland "im Fadenkreuz des Terrorismus"

Laut der Nachrichtenagentur dpa lebte der in Brandenburg festgenommene Verdächtige in einer Flüchtlingsunterkunft in Bliesdorf bei Wriezen, einer Kleinstadt im Oderbruch. Dort wurde er nach Angaben des Landkreises Märkisch-Oderland am 11. September 2015 registriert. Er habe einen Asylantrag gestellt, über den noch nicht entschieden sei. Im Landratsamt hieß es, der Mann sei zwischenzeitlich fünf Monate verschwunden gewesen und erst am Mittwoch wieder aufgetaucht.

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin sagte lediglich, die Gefährdungslage sei unverändert hoch. Deutschland befinde sich weiterhin "ebenso wie andere europäische Staaten im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus".

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) kündigte an, in seinem Land die Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen zu überprüfen.

Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Männern die Verabredung zu einem Verbrechen vor, drei von ihnen wird zudem die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Die Männer sollten noch am Donnerstag dem Haftrichter in Karlsruhe vorgeführt werden. Gegen den vierten Mann wird wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt.

brk/dpa/AFP



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