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Geplatztes Millionenprojekt: Nürburgring-Debakel blamiert Kurt Beck

Von und John Goetz

Blamage für Kurt Beck: Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident gerät wegen des umstrittenen Freizeitpark-Projekts am Nürburgring immer stärker unter Druck. Ein potentieller US-Investor hat jetzt gegenüber dem SPIEGEL jede Beteiligung an dem Vorhaben dementiert.

Berlin/Frankfurt - Die rheinland-pfälzische Landesregierung ist bei der Suche nach privaten Investoren für den Freizeitpark "Nürburgring 2009" offensichtlich auf einen großangelegten Schwindel hereingefallen. Der von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) genannte potentielle Investor Pierre S. Du Pont V. bestreitet sogar, jemals Kenntnis von dem Millionenprojekt an der Formel-1-Rennstrecke in der Eifel gehabt zu haben.

Ministerpräsident Beck im umgebauten Nürburgring: Reißleine gezogen
DDP

Ministerpräsident Beck im umgebauten Nürburgring: Reißleine gezogen

Wegen der undurchsichtigen und am Ende gescheiterten Finanzierungspläne für das Großprojekt war Anfang dieser Woche bereits Becks Finanzminister Ingolf Deubel zurückgetreten. Er hatte über Monate hinweg den Ankündigungen eines Schweizer Kreditvermittlers vertraut, der einen vermögenden Geldgeber für den Freizeitpark aufgetan haben wollte. Deubel hatte sich sogar bereit erklärt, zunächst 80, dann sogar 95 Millionen Euro aus einem Landesfonds monatelang auf Sonderkonten einer Liechtensteinischen und einer Schweizer Bank zu lagern und dem Kreditvermittler ein Mitzeichnungsrecht für die Konten einzuräumen.

Über den Namen des geheimnisvollen Investors hinter dem Vermittler hatte Deubel jedoch stets geschwiegen. Nur dass es sich um einen vermögenden und "nicht ganz unbekannten" US-Amerikaner handele, das ließ er sich entlocken. Die Verträge mit dem Kreditvermittler schrieben Vertraulichkeit vor, begründete der Minister das Schweigen. Er könne "nur sagen, dass es sich nicht um Barack Obama handelt".

Nachdem Zusagen für die Überweisung eines dreistelligen Millionenbetrages mehrfach nicht eingehalten wurden und zuletzt sogar zwei Schecks über insgesamt 100 Millionen Dollar platzten, zog Beck Anfang dieser Woche "die Reißleine", wie er sagte. Das Geschäft wurde gestoppt, die 95 Millionen Euro aus der Schweiz wieder abgezogen, Deubel verlor sein Amt.

Am vergangenen Mittwochabend machte Beck öffentlich, dass der Kreditvermittler gegenüber Deubel den Namen Pierre S. Du Pont V. als Geldgeber genannt habe. Dieser Name habe auch unter den geplatzten 100-Millionen-Schecks gestanden. Alle Versuche von Deubels Leuten, mit dem Angehörigen der amerikanischen Unternehmerfamilie Kontakt aufzunehmen, seien jedoch gescheitert, meinte Beck.

Das allerdings verwundert. Dem SPIEGEL gelang es am Donnerstag innerhalb weniger Stunden, Kontakt zu einem Partner Du Ponts aufzunehmen. Dieser erklärte, die Geschichte des Kreditvermittlers sei "frei erfunden". Am Freitag verbreitete Du Pont dann selbst eine offizielle Erklärung, in der er jede Kenntnis über das Nürburgring-Projekt sowie jeden Kontakt zu dem Kreditvermittler oder dem Land Rheinland-Pfalz abstreitet: "Alle solche Behauptungen, dass ich Anleger oder potentieller Anleger im oben erwähnten Entwicklungsprojekt bin oder einmal war, sind völlig falsch und unbegründet. Ich bestreite irgendeine Kenntnis vom genannten Projekt", schreibt Du Pont an den SPIEGEL.

Keine Reaktion aus dem Finanzministerium

Das rheinland-pfälzische Finanzministerium wollte am Freitag keine Stellungnahme dazu abgeben. Für die umstrittene, knapp 300 Millionen Euro teure und inzwischen bereits fast fertiggestellte Freizeitpark- und Hotelanlage am Nürburgring bedeutet die Affäre einen weiteren Rückschlag. Kritiker halten das am Donnerstag von Beck offiziell eröffnete Projekt mit Achterbahn, zwei neuen Hotels, einem Feriendorf, Veranstaltungshalle, Discothek und Gastronomie für bis zu 6.000 Personen ohnehin für stark überdimensioniert. Auch bei der Eröffnungsfeier am Donnerstag musste improvisiert werden, weil Termine nicht eingehalten wurden und an zahlreichen Stellen noch gebaut wurde.

Immer wieder hatte Deubel in den vergangenen Monaten behauptet, es gebe private Investoren, die im großen Stil mit rund 200 Millionen Euro in das Großprojekt einsteigen wollten. Ein privates Finanzierungsmodell sollte die Kreditkosten deutlich senken. Weshalb die angeblichen Investoren zuvor jedoch 95 Millionen Euro aus Landesmitteln auf einem Schweizer Konto sehen wollten, konnte der Finanzminister aber nie schlüssig erklären. Die Sache sei "ungewöhnlich, aber absolut sauber", hatte er dem SPIEGEL auf Nachfrage versichert.

Weil das angekündigte Geld ausblieb, musste die zu 90 Prozent in Landesbesitz befindliche Nürburgring-GmbH jetzt 185 Millionen Euro für den Freizeitpark am Kapitalmarkt aufnehmen. Mit weiteren 80 Millionen Euro war zuvor bereits eine weitere Landesgesellschaft, die RIM, eingestiegen. Die erfolglose Suche nach privaten Finanziers hatte das Land nach Angaben von Beck rund 2,5 Millionen Euro für Beraterhonorare und Anwälte gekostet. Die 95 Millionen Euro auf dem Schweizer Konto seien jedoch gesichert und auch nie in Gefahr gewesen, behauptet der Ministerpräsident.

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