Schröder über Merkel "Ich hätte nicht gesagt: Wir schaffen das"

Gerhard Schröder lobt seine Amtsnachfolgerin: Angela Merkel habe in der Flüchtlingskrise richtige Entscheidungen getroffen - allerdings die falschen Worte gewählt.

Altkanzler Schröder in Stuttgart: "Wir können das schaffen, wenn ..."
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Altkanzler Schröder in Stuttgart: "Wir können das schaffen, wenn ..."


Es ist wohl einer der Sätze, der momentan am häufigsten mit Kanzlerin Angela Merkel in Verbindung gebracht wird: Ihr "Wir schaffen das" angesichts der Flüchtlingskrise ist viel zitiert, sie wird dafür gelobt - aber auch kritisiert. Nun hat sich Altkanzler Gerhard Schröder zu den berühmten Worten geäußert.

"Ich hätte nicht gesagt: Wir schaffen das", sagte er bei einer SPD-Veranstaltung in Stuttgart. "Ich hätte gesagt: Wir können das schaffen, wenn wir bereit sind, Voraussetzungen dafür hinzubekommen."

Schröder lobte Merkel allerdings auch: Sie habe richtig gehandelt, als sie im September die Grenze zu Österreich für Flüchtlinge öffnete. In der Situation hätte kein Kanzler eine andere Entscheidung treffen können, sagte Schröder. Es sei nicht falsch gewesen, über die gesetzlichen Regelungen hinwegzusehen. "Der Fehler war, dass sie aus einer Ausnahmesituation den Anschein erweckt hat, das sei die neue Normalität." Die Politik versuche nun, diesen Fehler zu korrigieren, allerdings mehr schlecht als recht.

Temporär ist die hohe Zahl an Flüchtlingen laut Schröder eine Belastung. Aber wenn ihre Integration gelinge, seien die Flüchtlinge eine Riesenchance. Die Integration könne aber nur in einer gemeinsamen Anstrengung von Bund, Ländern und Gemeinden gelingen - über Bildung, Ausbildung und Arbeit.

Schon in der Vergangenheit hatte sich Schröder zu Merkels Flüchtlingspolitik geäußert. Mal bescheinigte er ihr, "Herz, aber eben keinen Plan" zu haben. Mal warf er ihr vor, die Realität zu ignorieren.

Inzwischen hat ein Großteil der Deutschen den Eindruck, dass die Bundesregierung die Flüchtlingssituation im Land nicht im Griff hat: Laut einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends sind nur 18 Prozent der Deutschen der Auffassung, dass die Regierung die Lage fest im Griff hat - 81 Prozent der Befragten bezweifeln das.

aar/dpa

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