Streit über Asylpolitik Altkanzler Schröder wirft Merkel Führungsschwäche vor

"Gelegentlich ist ein Basta notwendig": Altkanzler Gerhard Schröder attackiert seine Nachfolgerin. Angela Merkel habe sich von der CSU zu viel gefallen lassen.

Gerhard Schröder
DPA

Gerhard Schröder


Altkanzler Gerhard Schröder hat Angela Merkel (CDU) Führungsschwäche im Asylstreit mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeworfen. Niemals dürfe sich ein Kanzler ein Ultimatum von einem Minister setzen lassen. "Gelegentlich ist ein Basta notwendig", sagte der SPD-Mann dem "Stern".

Richtlinienkompetenz heiße, "dass der Kanzler etwas vorgibt, auch per Einzelweisung, und der Minister hat das dann umzusetzen". Zum Verhalten Merkels gegenüber Seehofer sagte Schröder: "Aus einer Richtlinienkompetenz wurde eine Nichtlinienkompetenz."

Der Konflikt zwischen Kanzlerin und Innenminister, in dessen Verlauf Seehofer mit Rücktritt drohte und die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU an den Rand des Bruchs geriet, war erst in der vergangenen Woche abgeräumt worden. Seehofer hatte verlangt, dass anderswo in der EU bereits registrierte Asylbewerber an der Grenze zurückgeschickt werden. Merkel bestand dagegen auf europäische Absprachen.

Stimmenfang #58 - Kompromiss im Unionsstreit: Einig bis zum nächsten Rücktritt?

Bei einem nicht auflösbaren Streit habe der Kanzler zwei Möglichkeiten, sagte Schröder. "Entweder er zwingt den Widersacher über die Verbindung der Vertrauensfrage mit einer Sachfrage in die Solidarität. Oder er entlässt den Minister." Die SPD hätte auf diese Vertrauensfrage im Bundestag dringen müssen, befand er. Zum politischen Kurs der CSU sagte der Altkanzler, das Kalkül, durch das Hochziehen des Konflikts die AfD bekämpfen zu können, werde sich als "schauriger Irrtum" erweisen.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.



insgesamt 111 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ambulans 11.07.2018
1. wow!
häuptling "zornige augenbraue" (geiles foto - die zweitimposantesten ihrer art übrigens, direkt hinter theo waigel) liest seiner nachfolgerin die leviten - bußpredigt, sanktionsandrohung, reue, usw. inkl. wo der gerd eben so recht haben tut ...
touri 11.07.2018
2.
Ich gebe Herrn Schröder insoweit recht, dass Frau Merkel die Vertrauensfrage hätte stellen müssen. Dann hätte jeder einmal Farbe bekennen müssen. Hätte sie denke ich auch überstanden und wenn nur deswegen, weil kein Nachfolger bereit steht.
dasfred 11.07.2018
3. Ich kann der Seehofer Linie was positives abgewinnen
Wir haben zur Zeit einen auf Bayern begrenzten Feldversuch, in dem getestet wird, ob der Wähler es mitträgt, die AFD rechts zu überholen. Sollte wider Erwarten funktionieren, dann ist es gut. Wenn nicht, dann sitzt Söder ohne absolute Mehrheit, dafür mit einer starken AFD im bayrischen Landtag. Auch nicht schlecht. Und eine Warnung an Kräfte in der CDU, die Söder und Seehofer gern nacheifern würden. Schröder kann aus seiner Position heraus natürlich alles und alle kritisieren. Ob seine Basta Politik bei einem anderen Alpha Männchen allerdings ankommt, bezweifle ich. Da finde ich es schon gut, dass Merkel sich nicht zu öffentlichen Revierkämpfen provozieren lässt.
molesman 11.07.2018
4. Sagt wer?
Ach der Knabe der als unbedeutendster Kanzler in die Geschichte eingeht, sich mit dubiosen Menschen auf Bildern zeigt und nur in Erinnerung bleibt durch sein "ich bleibe Kanzler" in hochprozentiger Anwesenheit nach verlorener Wahl. Also wenn wir jeden Schwätzer anhören der zu dem Thema nichts zu sagen hat. Es ist halt wie immer. Dass sich jetzt was bewegt liegt nur an der CSU. Und dafür wird sie beschimpft und an den Pranger gestellt. Aber was soll eine Partei denn sonst werden als aufwiegelnd wenn die Regierung versagt? Ist das nicht der Grund warum die Regierung eben aus mehreren Parteien besteht damit eine Frau M den Karren nicht weiter an die Wand fahren kann? Immerhin ist das Ganze nun wieder in Bearbeitung, aber natürlich, wenn man Dreck aufwirbelt liegt er nicht mehr schön am Boden sondern trübt erst mal das Bild...es wird eben Zeit ihn jetzt auszuleiten...die Dinge zu lösen...
Thomas Schröter 11.07.2018
5. Führung heißt auch die richtigen Fragen stellen können
Merkel hat bisher weder durch Fragen stellen geschweige denn durch Visionen überzeugt Was am Ende bleibt sind die in der Jugend erworbenen Denkstrukturen und vor allem Denkverbote, die in Aufschiberitis und erratische Dammbrüche und Blickverstellungen ("Wir schaffen das") statt in umsichtiges Vorbereiten von Lösungskompetenzen münden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.