Germanwings-Absturz De Maizière prüft Ausweispflicht auf Schengen-Flügen

Ein Ticket reicht, um an Bord eines Flugzeugs im Schengen-Raum zu gelangen - bisher. Denn Innenminister de Maizière spricht von einem "riesigen Sicherheitsproblem". Nach dem Germanwings-Unglück wussten die Behörden nicht, wer in der Maschine saß.

Lufthansa-Maschinen am Flughafen in Frankfurt am Main: Flüge im Schengen-Raum bald wieder nur mit Ausweis?
DPA

Lufthansa-Maschinen am Flughafen in Frankfurt am Main: Flüge im Schengen-Raum bald wieder nur mit Ausweis?


Wer war an Bord der Germanwings-Maschine, die im Süden Frankreichs abstürzte? Eine Frage, die die Sicherheitsbehörden länger beschäftigte - und aus der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nun Konsequenzen zieht. Er lässt eine Ausweispflicht auf allen Flügen im Schengen-Raum prüfen.

"Nach dem Anschlag haben wir bei allen Passagieren und der Crew überprüft, ob sie uns als Gefährder bekannt sind - weil wir wissen wollten, ob es sich um einen Terroranschlag handelt", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Wir mussten aber feststellen, dass zunächst gar nicht klar war, wer überhaupt in dem Flugzeug saß."

Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen nach dem Schengener Abkommen wird die Identität der Fluggäste nicht mehr systematisch kontrolliert. "Wenn ein Passagier sein Ticket an jemand anderen abtritt, wird nur der Name des ersten Passagiers erfasst", sagte der Minister. "Das ist ein riesiges Sicherheitsproblem, und wir müssen ernsthaft überlegen, ob das in Zukunft wirklich noch so bleiben kann." Zur Schengenzone gehören alle EU-Staaten - mit Ausnahme von Großbritannien, Irland und Zypern. Zudem sind Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein Schengener Staaten.

Zudem forderte de Maizière einen besseren Austausch von Fluggastdaten mit Nicht-EU-Staaten, um potenzielle Gefährder aufzuspüren und Terroranschläge verhindern zu können.

Wie die "Bild"-Zeitung weiter berichtet, prüfen deutsche und französische Experten in einer Arbeitsgruppe, ob der Türschutz-Mechanismus im Flugzeug-Cockpit wieder abgeschafft werden soll. Der Mechanismus kann für die Totalverriegelung der Cockpit-Tür sorgen. Das Blatt beruft sich auf Angaben aus Sicherheitskreisen. Der Mechanismus wurde wegen der Anschläge vom 11. September 2001 eingeführt. Damals stürmten Terroristen in die Cockpits und übernahmen die Kontrolle über die Flugzeuge.

Beim Absturz des Airbus A320 in den französischen Alpen kamen in der vergangenen Woche 150 Menschen ums Leben. Den Ermittlungen zufolge sperrte der Co-Pilot den Flugkapitän aus dem Cockpit aus und führte die Katastrophe bewusst herbei. Das Motiv ist unklar. Der 27 Jahre alte Mann soll an Depressionen gelitten haben.

heb/dpa



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insgesamt 406 Beiträge
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bbrot99 02.04.2015
1. es ist wie immer
irgendetwas passiert und in der Politik bricht hektischer Aktionismus aus. Und nun der nächste Schlag aus Absurdistan. Nach der kontraproduktiven Idee das Ärztegeheimnis aufzuweichen (wenn sich aus Angst vor Veröffentlichung niemand mehr öffnet, kann demjenigen auch nicht geholfen werden), der millionenteuren "immer zwei Leute im Cockpit"-Idee (schon einmal an die Schulungskosten gedacht?) nun die nächsten paranoiden Kontrollen längst überwunden geglaubter Überwachungszwangsneurosen
stanzer 02.04.2015
2. Warnung!
Der Innenminister sollte sich lieber um andere Probleme kümmern. Der Text des Spiegel könnte zudem missverständlich sein. Die Behörden haben aber doch wohl Zugriff auf die Passagierliste von Germanwings
frankenbarbie 02.04.2015
3. Warum es ein Sicherheitsrisiko sein soll...
...nicht zu wissen, wer in einem Flugzeug sitzt. Vielleicht kann der Innenminister das noch einmal erklären... Will er hier etwa ein schreckliches Unglück für seine paranoide Law&Order Politik instrumentalisieren? Eigentlich sollte er clever genug sein um zu verstehen, dass man keine Terroranschläge verhindert, indem man die Leute Pässe vorzeigen lässt!
barth1808 02.04.2015
4. Schade ...
... daß auch Unglücke als Vorwand für die Totalüberwachung genutzt werden.Wer hätte 1984 gedacht, wie nah Orwell an der Wahrheit lag? Also ich halte es dann doch mit Benjamin Franklin - "Ein Volk, das seine Freiheit seiner Sicherheit opfert hat Beides nicht verdient." In diesem Sinne - nicht jeden Vorwand zur Bespitzelung nutzen. Oder wollen wir Mielke und Göbbels zurück?
brdistmist 02.04.2015
5. De Maiziere prüft Ausweispflicht
Hier wird eine Situation Misbraucht, um etwas durchzusetzen. Im eigentlichen geht es hier nicht um das Unglück ansich, sondern darum die Menschen mehr Überwachen zu können. Mir ist es unverständlich,dass die jeweilige Fluggesellschaft die Daten der Fluggästen nicht vorliegen hat? Glauben die Politiker wirklich das der Perso am Mann / Fau ist? und nicht im Gepäck? Schleierhaft das ganze
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