Gerster-Rauswurf "Kommunikationsgau für die Bundesagentur"

Florian Gerster, Ex-Leiter der Bundesagentur für Arbeit und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann werden für ihre öffentlichen Auftritte kritisiert. Krisenmanagment-Experte Frank Roselieb hält Gersters TV-Vorstellung für gelungen. Ackermann dagegen hätte besser geschwiegen, sagt Roselieb im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Von Alexander Bürgin


Krisenmanagement-Experte Frank Roselieb: Bundesagentur für Arbeit als wahrer Verlierer
Frank Roselieb

Krisenmanagement-Experte Frank Roselieb: Bundesagentur für Arbeit als wahrer Verlierer

SPIEGEL ONLINE:

Was halten sie von Florian Gersters Auftritt am Tag nach seiner Entlassung in der Talkshow "Christiansen"?

Frank Roselieb: Aus Sicht der Krisenkommunikation steht Gerster gut da. Er hat sich erfolgreich als den "Gemobbten" dargestellt und die Fehler der Gegenseite geschickt ausgenutzt. Das Wochenende war weniger für Gerster als für den Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit eine Niederlage. Der Rauswurf Gersters war ein Kommunikationsgau für die Behörde.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Roselieb: Samstagnachmittag als Timing der Entlassung war eine Katastrophe. Es hätte dem Verwaltungsrat klar sein müssen, dass der Rausschmiss Gersters das Thema des Wochenendes in den Medien sein würde und Gerster die Plattform geben wird, seine Sicht der Dinge kund zu tun. Zweitens macht die Begründung mit den atmosphärischen Störungen Gerster leicht, sich als Opfer darzustellen. Und schließlich war Ursula Engelen-Kefer als Verkünderin die falsche Person. Wolfgang Clement als "Chef" von Gerster hätte das übernehmen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Schadet die Entlassung Wolfgang Clement?

Roselieb: Ja, in der öffentlichen Wahrnehmung herrscht die Meinung vor, dass der Laden nicht funktioniert. Und die Schuld daran wird nicht Gerster gegeben.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann: Hätte den Ball flach halten sollen
AP

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann: Hätte den Ball flach halten sollen

SPIEGEL ONLINE: Sie bescheinigen Gerster ein gutes Krisenmanagement nach seiner Entlassung. Aber hat er nicht schon viel früher Fehler bei seiner Selbstdarstellung gemacht?

Roselieb: Gerster ist als harter Manager angetreten, der mit Brachialgewalt die Riesenbehörde zu reformieren gedenkt. Irgendwann hat er gemerkt, dass er an den Widerständen scheitern wird. Spätestens an Weihnachten war ihm das bewusst. Die Opferrolle "David gegen Goliath" kam ihm recht, verschafft sie ihm doch einen sauberen Abgang.

SPIEGEL ONLINE: Hätte er nicht versuchen müssen, durch eine bessere Kommunikationsstrategie seine internen Widersacher auf seine Linie zu bringen?

Roselieb: Gegen das Nichtwollen kann man wenig machen. Vielleicht hätte Gerster bei seiner Amtseinführung noch stärker als der große Sanierer präsentiert werden müssen. Nicht weniger, sondern mehr Selbstinszenierung hätte die Bedenkenträger vielleicht mitreißen können.

SPIEGEL ONLINE: Wer kann diese Aufgabe meistern?

Roselieb: Die jetzige Lösung mit BA-Finanzvorstand Frank-Jürgen Weise kann jedenfalls keine dauerhafte sein, dazu wird er zu sehr mit Gerster in Verbindung gebracht. Man sollte einem altgedienten Personalvorstand aus einem der großen deutschen Unternehmen einen Fünf-Jahresvertrag geben, der sich ausschließlich um die Sanierung kümmert und keine Rücksichten nehmen muss. Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des BDI, vielleicht.

SPIEGEL ONLINE: In der Kritik steht auch der Chef der Deutschen-Bank, Josef Ackermann wegen seines Auftretens vor Gericht mit dem Victory-Zeichen. Wie beurteilen sie dessen Krisenmanagement?

Entlassener Florian Gerster: Opferrolle kam ihm gelegen
DPA

Entlassener Florian Gerster: Opferrolle kam ihm gelegen

Roselieb: Ich glaube nicht, dass er nur scherzhaft Michael Jackson imitiert hat, wie es seine Pressesprecher glauben machen wollen. Schlimmer als das Victory-Symbol sind aber seine Äußerungen. Es wäre besser gewesen, er hätte den Ball flach gehalten und mehr geschwiegen. Aber Ackermann sieht bei den Mannesmann-Abfindungen möglicherweise eher seinen Vorgänger Hilmar Kopper in der Verantwortung. Vielleicht tritt er deswegen so selbstbewusst auf.

SPIEGEL ONLINE: Schadet der Auftritt Ackermanns nicht auch dem Image der Deutschen Bank?

Roselieb: Der Prozess um die Mannesmann-Abfindungen wird keinen großen Nachhall haben. Die Leute wissen: Der Laden bei der Deutschen Bank funktioniert. Anders verhält es sich bei der Bundesanstalt für Arbeit: Trotz hoher Summen an Berater haben wir die gleiche Arbeitslosigkeit.

Das Interview führte Alexander Bürgin



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