Merkel-Kritikerin Gertrud Höhler: Die Legende von der Kanzlerberaterin

Ein Debattenbeitrag von Gerd Langguth

2. Teil: Vorwurf an Merkel am "Zerfall der Demokratie" zu arbeiten

Merkel-Kritikerin Höhler: Meisterin der Talkshow-Debatte Fotos
DPA

1982 zeigte "die schöne Professorin, die von außen kommt" ("Münchner Merkur") dann Interesse, unter Alfred Dregger in Hessen Ministerin zu werden - doch der konnte sich bei den Landtagswahlen nicht entscheidend genug gegen den SPD-Mann Holger Börner durchsetzen.

Aber Gertrud Höhler blieb eine politisch ambitionierte Dame. Nach Angaben des früheren Regierungssprechers Friedhelm Ost zeigte sie vor der Bundestagswahl 1990 ebenso wie Kurt Biedenkopf Interesse, in dem als sicher geltenden Wahlkreis Paderborn für die CDU zu kandidieren. Dazu kam es jedoch nicht. Friedhelm Ost selbst setzte sich damals gegen Elisabeth Keuper auf dem Kreisparteitag durch und zog in den Bundestag ein.

Nun hat Gertrud Höhler ein Buch über Angela Merkel geschrieben: "Die Patin. Wie Angela Merkel Deutschland umbaut." Sie rückt die Kanzlerin mit diesem Titel in die Nähe mafiöser Strukturen und wirft Merkel vor, mit ihrem "System M" und mit einem "egomanische Politikstil" am "Zerfall der Demokratie" zu arbeiten.

Bei Gertrud Höhler kann man beobachten, wie es einer an sich klugen Frau gelingt, aus richtigen Beobachtungen systematisch falsche Schlüsse zu ziehen. So konstatiert Höhler, Angela Merkel sei durch ihr Leben in der DDR geprägt. Sehr richtig. Jeder Mensch ist von der Umgebung, in der er aufwächst, studiert und gearbeitet hat, geprägt.

Korrekte Beschreibung, falsche Schlüsse

Nur der Schluss, den Höhler hieraus zieht, ist falsch. Die DDR-Prägung von Angela Merkel drückt sich in ihrem ausgeprägten Misstrauen gegenüber jeglicher Ideologie aus. Es geht ihr um die Sache, um die gründliche Auseinandersetzung mit den Fragen der Zeit. Und da lässt sie keinen ideologischen Einwand zu. Zum Ärger mancher Konservativer muss dann gelegentlich auch die C-Ideologie hinter pragmatischen Lösungen zurückstehen.

Damit zeigt aber Merkel die wohl klügste Reaktion, die man auf eine Diktatur haben kann, nämlich aufzupassen, dass ein Land nur von solchen Politikern regiert wird, die sich einer demokratischen Verantwortung stellen. Das Zweifeln von Frau Höhler an Merkels demokratischer Grundüberzeugung ist absurd.

Der zweite Vorwurf von Frau Höhler ist, die Kanzlerin würde systematisch alle ihre Widersacher ausschalten. Von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl - und wir können die sozialdemokratischen Bundeskanzler mitdenken - ist es das Bestreben eines jeden Kanzlers gewesen, die Mehrheit in seiner eigenen Partei und Fraktion zu behalten, denn es ist die Pointe der Kanzlerdemokratie, dass die Macht des Kanzlers an dem Tag endet, an dem er diese Mehrheit verliert.

Dass er sich um diese Mehrheit bemüht, dass er Widersacher auf diesem Weg ausschaltet, ist selbstverständlich. Frau Höhler regt sich sogar darüber auf, dass es Frau Merkel gelingt, etwa in wichtigen Bereichen der Europapolitik, die Zustimmung der Opposition zu gewinnen. Es bleibt rätselhaft, warum sie ihr das zum Vorwurf macht.

Pfarrerstochter Höhler - das Gegenbild der Pfarrerstochter Merkel

Die Pfarrerstochter Höhler ist das genaue Gegenbild der ostdeutschen Pfarrerstochter Angela Merkel. Auf der einen Seite die schick gekleidete und eloquente Literaturwissenschaftlerin - auf der anderen Seite die protestantisch-spröde Ostdeutsche. Vielleicht handelt es sich bei Höhler um das Aufbäumen einer Frau, die meint, die "gute alte Bundesrepublik" zu repräsentieren.

Höhler erklärte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" zu Kohl: "Er war tatsächlich christlich geprägt und natürlich von politischem Ehrgeiz getrieben, aber mit einem Ethos, wie man ein Land gut regiert. Kohl war von einem grundsätzlichen Werteempfinden bestimmt und nicht von der Idee: Hauptsache Kohl bleibt dran." So macht sich Gertrud Höhler zur späten Sachwalterin des Altkanzlers und insinuiert damit, dass ihre beißende Kritik an Merkel von Helmut Kohl selbst stammen könnte.

Der Begriff "Kanzlerberater" ist kein geschützter Begriff. Gertrud Höhler will auf ihre späten Tage noch einmal auf sich aufmerksam machen, wissend, dass die meisten Journalisten sich an die alten Kohl-Zeiten nicht mehr im Detail erinnern. Insofern wird sie jetzt pausenlos als "Kanzlerberaterin" tituliert und in die Talkshows eingeladen.

Verdient hat sie sich diese Bezeichnung nicht.

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insgesamt 152 Beiträge
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1. Frau Merkel
jalu-2008 25.08.2012
Ich habe nie CDU gewählt, ich werde es nie tun. Aber Frau Merkel hat durchaus meine Symphatie. Sie schein mir bescheiden, ehrlich und zielstrebig, Eigenschaften die andere Politiker vermissen lassen. CDU-CSU, das stand und seht doch für Seilschaften und Lobbyisten. Vorn angeführt von Leuten wie Kohl oder Strauß. Dass Merkel ihr unbequeme Mitbewerber aus dem Weg schafft, ist nicht zu übersehen. Wenn es sich dabei aber um Figuren wie Wulff handelt, dann tut sie diesem Land nur einen Gefallen. Vermutlich gibt es viel Neider in der CDU, anders kann ich mir diese recht primitiven Unterstellungen nicht erkären.
2. Frau Höhler
hubertrudnick1 25.08.2012
Zitat von sysopKanzlerberater - ein Titel mit Klang. Auch Merkel-Kritikerin Gertrud Höhler wird in den Medien gerne als Ex-Beraterin von Helmut Kohl vorgestellt. Aber was macht eigentlich ein Kanzler-Berater? Und hat sie diesen Titel verdient? Gertrud Höhler: Zweifel an ihrer Tätigkeit als Kohls Kanzler-Beraterin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,851820,00.html)
Diese Frau muss man nicht unbedingt ernst nehmen, wobei ich nicht damit gesagt haben will, dass ich mit der Arbeit und dem politischen, sowie Führungsstil der Frau Merkel einverstanden bin. HR
3. Eigentlich..
Christiane Schneider 25.08.2012
Zitat von sysopKanzlerberater - ein Titel mit Klang. Auch Merkel-Kritikerin Gertrud Höhler wird in den Medien gerne als Ex-Beraterin von Helmut Kohl vorgestellt. Aber was macht eigentlich ein Kanzler-Berater? Und hat sie diesen Titel verdient? Gertrud Höhler: Zweifel an ihrer Tätigkeit als Kohls Kanzler-Beraterin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,851820,00.html)
...schätze ich Herrn Langguths Beiträge. Hier konnte er sich nicht entscheiden, ob es eine Rezension des neuen Höhler Buches werden sollte oder ob Frau Höhler persönlich relativiert werden soll. Also startet man die Buchrezension mit einer persönl. Herabwürdigung um dann in der Folge das Buch gleich mit zu diskreditieren. Nur weil Herrn Langguth das Buch nicht gefällt, muß er nicht auch gleich die Person angreifen.
4.
peterpahn 25.08.2012
Ich habe Gertrud Höhler in erster Linie immer als Unternehmensberaterin wahrgenommen, so wurde sie bei ihren vielfachen Aufritten in Talk-Sendungen auch vorgestellt. Es stimmt zwar auch, dass ihr zumeist noch das Etikett der "Kanzlerberaterin" umgehängt wurde, aber das scheint mir im Zusammenhang der Vorstellung ihres neuen Buches überhaupt nicht wichtig. Denken wir z.B. an den Journalisten Michael Spreng. Auch bei ihm wird bei jeder Gelegenheit immer noch an seine Wahlkampf-Unterstützung für Stoiber erinert, obwohl das viele Jahre zurückliegt und er zuvor sein Leben lang bereits mit seiner journalistischen Arbeit auf sich aufmerksam gemacht hat und sogar Chefredakteur war. Kurzum: Es sind m.E. oft auch Reflexe in einer Redaktion, den Talk-Gästen ein Etikett aufzuprägen ("Wer war das nochmal, was schreiben wir in den Untertitel"). Was die Thesen von Frau Höhler angeht, da wird es wohl so sein, wie sie schreiben, dass sie in einigen Punkten übertrieben und zugespitzt hat, aber das ist eine bekannte Technik um Aufmerksamkeit zu erheischen. Dennoch beobachtet sie sehr viel Richtiges, was sie ja selbst zugegebn, und das Phänomen Merkel wird auch die Historiker in vielen Jahren noch brennend interssieren. Ich finden es nicht gut, wenn nun von interessierter Seite auf die Autorin eingedroschen wird und ihre persönlichen Motive für das Buch den Inhalt des Buches verwischen sollen.
5. Ladenhüter.
mkpr 25.08.2012
Wer nicht in der Politik tätig ist, kann nicht über Politik schreiben. Meiner Meinung und Erfahrung nach - ich arbeite als Arzt - bedingen Praxis und Denken einander, um richtig zu denken. Wenn jemand vom Schreibtisch im Elfenbeinturm über Politik schwadroniert, produziert er lästige Vorteile, meistens werden die Ladenhüter angeboten.
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Die CDU-Spitze
Parteivorsitzende

REUTERS
Angela Merkel wurde im Jahr 2000 auf einem Parteitag in Essen als Nachfolgerin von Wolfgang Schäuble zur Parteivorsitzenden gewählt - die erste Frau in Deutschland an der Spitze einer Volkspartei. Seitdem hält sie sich an der Spitze der CDU.

Stellvertretende Vorsitzende
Norbert Röttgen, Bundesumweltminister

Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen

Ursula von der Leyen, Bundesarbeitsministerin

Annette Schavan, Bundesbildungsministerin
Generalsekretär
Schatzmeister
Helmut Linssen, Landtagsabgeordneter in NRW
Präsidium
Julia Klöckner , Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister

Stanislaw Tillich, Ministerpräsident von Sachsen

Karl-Josef Laumann , Fraktionschef im Landtag von NRW

Eckart von Klaeden , Staatsminister im Kanzleramt

Annegret Kramp-Karrenbauer, Sozialministerin im Saarland

Philipp Mißfelder , Vorsitzender der Jungen Union
Bundesvorstand
Tanja Gönner , Umweltministerin in Baden-Württemberg

Christian Baldauf, Fraktionschef in Rheinland-Pfalz

Franz Josef Jung , Bundestagsabgeordneter

Arnold Vaatz , Fraktionsvize im Bundestag

Michael Meister, Fraktionsvize im Bundestag

Armin Laschet, Fraktionsvize im Landtag von NRW

Reiner Haseloff , Wirtschafstminister in Sachsen-Anhalt

Ingrid Fischbach, Bundestagsabgeordnete

Godelieve Quisthoudt-Rowohl, Europaabgeordnete

Elmar Brok , Europaabgeordneter

Dagmar Schipanski , Vorsitzende Kommission "Neue Länder"

Otto Wulff, Vorsitzender der Senioren Union

Emine Demirbüken-Wegner, Abgeordnete in Berlin

Maria Michalk, Bundestagsabgeornete

Thomas Strobl, Generalsekretär in Baden-Württemberg

Johann David Wadephul, Bundestagsabgeordneter

Michael Fuchs , Fraktionsvize im Bundestag

Ingrid Sehrbrock, DGB-Vize

Mike Mohring, Fraktionsvorsitzender in Thüringen

Ursula Heinen-Esser , Parlamentarische Staatssekretärin

Hendrik Wüst , Landtagsabgeordneter in NRW

Regina Görner, Vorstandsmitglied der IG Metall

Lorenz Caffier , Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern

Hubert Hüppe, Bundestagabgeordneter

Axel Fischer, Bundestagsabgeordneter

Peter Jacoby , Finanzminister im Saarland

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