Bundestagsradar Diese Abgeordneten stimmten gegen geschäftsmäßige Sterbehilfe

In Deutschland ist geschäftsmäßige Sterbehilfe künftig verboten. Auch wenn die Mehrheit der SPD gegen den Gesetzentwurf stimmte, ist er nun beschlossen. Wer wie entschied, sehen Sie im Bundestagsradar.


Der Bundestag hat mehrheitlich einen Gesetzentwurf beschlossen, der geschäftsmäßige Sterbehilfe verbietet. Damit konnte sich unter vier Vorschlägen der Entwurf von einer Abgeordnetengruppe um Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD) durchsetzen.

Die Entscheidung bedeutet, dass von Vereinen organisierte Sterbehilfe in Zukunft eindeutig nicht erlaubt ist - ob nun kommerzielle Zwecke verfolgt werden oder nicht. Es drohen bis zu drei Jahre Haft, wenn einem Sterbewilligen, etwa einem unheilbar Krebskranken, geschäftsmäßig ein tödliches Medikament gewährt wird. Bislang agierten Sterbehilfevereine in einer rechtlichen Grauzone.

Insgesamt erhielt der Antrag 360 der 602 abgegebenen Stimmen. 233 Parlamentarier stimmten dagegen. Neun Abgeordnete enthielten sich.

Der Gesetzentwurf hatte überraschenderweise schon im ersten Durchlauf die notwendige Mehrheit bekommen, auch bei der endgültigen Abstimmung des mehrstufigen Wahl-Verfahrens votierte die große Mehrheit der Abgeordneten mit Ja. Drei alternative Gesetzentwürfe über eine Neuregelung der Sterbehilfe, die von einem Komplettverbot bis zur Liberalisierung reichten, fielen durch.

Ein Blick auf die Stimmenverteilung zeigt, dass eine eindeutige Mehrheit für den Entwurf, der auch von Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gestützt wurde, nur aus der Union kommt. Der Großteil von SPD, Grünen und Linke stimmte dagegen.

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vek/cut

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insgesamt 51 Beiträge
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ulli7 06.11.2015
1. Eine eindeutige Mehrheit für den Entwurf nur von der Union
Das könnte die Union zahlreiche Wählerstimmen der alten Bevölkerung kosten, die sich einen angenehmen - zumindest schmerzfreien - Tod wünscht. Die Mehrheit der Unions-Abgeordneten wollen ihre bisherigen Wählerinnen und Wähler möglichst lange am Leben erhalten, auch wenn diese das ablehnen.
mrerenoth 06.11.2015
2. Grobe Fehlentscheidung
Wenn organisierte Sterbehilfe generell kriminalisiert wird, an wen soll sich dann der unheilbar totkranke, leidende Mensch wenden, wenn er sein Leben in Würde beenden möchte, bevor ihm die Kontrolle entgleitet. Er wird von der Regierung im Stich gelassen. Weiterhin muss er dann ins Ausland. Ich empfinde das als staatlichen Übergriff. Die Entscheidung über das eigene Leben und Sterben steht nur dem Betroffenen selbst zu.
_obstsalat_ 06.11.2015
3.
Ich hoffe, die hierfür Verantwortlichen werden Opfer ihrer eigenen Entscheidung. Wäre nur gerecht und ich wünsche es ihnen.
Spr. 06.11.2015
4. Die Union verprellt ihre Wähler!
Gerade die vielen Alten, die größte Gruppe der Unionswähler, werden nun keine Hilfe mehr finden, wenn ihr Leben nur noch eine Qual ist. Denn jeder Arzt, jede Pflegerin, jeder Hospiz-Mitarbeiter wird sich fortan konsequent weigern, auch nur irgendetwas auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten zu unterlassen. Es kann ja sein, dass ihnen das als Sterbehilfe ausgelegt wird, und da sie ja beruflich mit Sterbenden zu tun haben, ist es auch gewerbsmäßig. Die Union hat also ihre größte Wählergruppe zu einem qualvollen Tod verurteilt. Oder einfach nur der Pharmaindustrie die hohen Gewinne durch die Intensivmedizin in den letzten Tagen, Wochen und Monaten gesichert. Beides wird der Union noch sehr heftig auf die Füße fallen!
eckawol 06.11.2015
5. Damit gilt :
- Eine Reise in die Schweiz - ein "Souvenir-Mitbringsel" zu Selbstötung aus der Schweiz - familiennahe Ärzte werden einen Weg finden
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