Gewalt am 1. Mai: Krawalle bei Protesten gegen NPD-Aufmärsche

In mehreren deutschen Städten protestieren Tausende Menschen gegen NPD-Aufmärsche - und es bleibt nicht friedlich. In Berlin blockierten Linke die S-Bahn-Gleise auf dem Weg zur NPD-Zentrale, sie wurden von der Polizei mit Gewalt weggebracht. In Mainz wurden Beamte angegriffen.

Berlin - Berlin, Mainz, Ulm: Die rechtsextremistische NPD veranstaltet in vielen deutschen Städten im Lauf des Tages Aufmärsche - und die Demokraten halten dagegen. Tausende Menschen sind seit Stunden unterwegs und demonstrieren gegen die Radikalen. Allerdings gab es inzwischen auch erste Ausschreitungen am Rande solcher friedlicher Demonstrationen.

In Mainz gab es Krawalle von Anhängern der linken Szene, die die Anreise von Rechtsextremen verhindern wollten. Die Demonstranten blockierten Straßen, zündeten Rauchbomben und warfen mit Steinen. Mehrere von ihnen griffen die Polizei mit Flaschen an. Die Beamten nahmen etwa 60 der insgesamt rund 2500 Gegendemonstranten fest. Informationen über Verletzte gibt es bisher nicht.

Bei einer friedlichen Demonstration mit über tausend Teilnehmern hatte zuvor auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck gesprochen. Der frühere SPD-Chef forderte dabei einen neuen Anlauf für ein Verbot der rechtsextremen NPD. "Wir müssen dafür kämpfen, dass der Nazispuk auch durch ein Verbot der NPD endlich ein Ende findet", sagte er in Mainz. Der Aufmarsch der rechtsextremen Initiative "Südwest" soll am Mittag beginnen.

Auch in Berlin versammelten sich rund 1000 NPD-Gegner zu einer Demonstration gegen eine Kundgebung vor der Zentrale der rechtsextremen Partei im Stadtteil Köpenick. Die Polizei löste eine Sitzblockade von Hunderten Gegnern der Rechtsradikalen aus der autonomen Szene auf dem S-Bahnhof Köpenick auf. Dabei kam es zu massiven Ausschreitungen und mehreren Festnahmen. Der S-Bahnverkehr musste etwa eine Stunde unterbrochen werden. Die rechtsextreme Partei wollte in ihrer Bundeszentrale in Berlin-Köpenick ein sogenanntes Familienfest ausrichten.

Eine gemeinsame Kundgebung des "Bündnisses für Demokratie und Toleranz Treptow-Köpenick" und eines "Bündnisses gegen Rechts" mit rund 600 Demonstranten vor dem Bahnhof verlief friedlich. An der Kundgebung nahmen unter anderen die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) und Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper (SPD) teil.

Von der NPD abgesagt wurde eine Kundgebung auf dem Berliner Mandrellaplatz. NPD-Gegner hatten diesen Veranstaltungsort als besonders provokant empfunden. Der Platz trägt den Namen des katholischen Amtsrichters Rudolf Mandrella, der für seinen NS-Widerstand ermordet wurde.

In Ulm demonstrierten rund 2000 Menschen gegen einen Aufmarsch der NPD, der dort am frühen Nachmittag beginnen soll. Auch hier gab es nach Polizeiangaben vereinzelt Rangeleien von Demonstranten, die Absperrungen überwinden wollten und mit Gegenständen warfen.

Mehrere tausend Menschen demonstrierten auch in Hannover gegen den Rechtsextremismus. An einem Sternmarsch nahm unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff teil. Nachdem das Bundesverfassungsgericht eine Neonazi-Kundgebung in der Stadt endgültig verboten hatte, war es in der Nacht zum 1. Mai angesichts massiver Polizeipräsenz ruhig geblieben. Polizeipräsident Uwe Binias sagte: "Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass es irgendwelche Ersatzveranstaltungen der Rechten in Niedersachsen gibt." Er gehe von einem ruhigen und friedlichen Tag in Hannover aus.

ler/AFP/ddp/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Demos und Krawalle: Tausende demonstrieren gegen Nazi-Aufmärsche