Gewalt von Kurden in Aschaffenburg "Das ist einfach unerträglich"

In Aschaffenburg haben Kurden türkische Demonstranten attackiert und Böller auf Polizisten geworfen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann reagiert gereizt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)


Vor dem Hintergrund der Ausschreitungen von Kurden in Aschaffenburg hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) vor den geplanten Visalockerungen für die Türkei gewarnt. "Wir müssen schon genau hinschauen, wen wir da in unser Land lassen", sagte Herrmann. "Alle Türken inklusive Kurden nach Deutschland frei einreisen zu lassen, ist keinesfalls vertretbar."

Mit Steinen und Feuerwerkskörpern hatten Kurden am Abend des Ostersonntags eine überwiegend von nationalistischen Türken organisierte Demonstration angegriffen. Anschließend verbarrikadierten sie sich in einem Gebäude des kurdischen Kulturvereins. Vom Dach aus attackierten sie die Polizei. Erst mit Verstärkung konnten die Beamten 36 Personen im Alter zwischen 15 und 40 Jahren vorläufig festnehmen.

"Gegen PKK und Isis"

Die Demonstration, der mehr als 600 Menschen folgten, stand unter dem Motto "Gemeinsam gegen den Terror, gegen PKK und Isis". Sie begann am Nachmittag und verlief zunächst friedlich. Die PKK ist eine militante Untergrundorganisation der Kurden. Mit Isis sind die Islamisten der Terrororganisation "Islamischer Staat" gemeint.

Die gewaltbereiten Kurden waren nach Polizeiangaben überwiegend aus Südhessen und dem Raum Stuttgart nach Aschaffenburg gereist. Inzwischen sind alle Festgenommenen wieder frei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf schweren Landfriedensbruch, versuchte gefährliche Körperverletzung und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz.

Innenminister Herrmann nannte es "unerträglich", den türkisch-kurdischen Konflikt auf deutschem Boden auszutragen. Das sei eine "Zumutung" für Deutschland. Die Angriffe auf Polizisten verurteilte Herrmann als Ausdruck völliger Respektlosigkeit gegen den Staat. Ein Polizist erlitt bei dem Einsatz ein Knalltrauma.

Die EU hatte kürzlich ein Abkommen mit der Türkei über die Rücknahme von Flüchtlingen abgeschlossen. Dabei stellte sie der Türkei Erleichterungen bei der Visumspflicht für türkische Bürger in Aussicht.

sms/dpa/AFP



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