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06. Juni 2007, 09:35 Uhr

Gipfel-Ticker

Polizei fordert Verstärkung an

+++Verwirrung um angebliche Camp-Durchsuchung+++

[23:46] Am Camp Grenzschlachthof Rostock unternahm die Polizei "Maßnahmen zur Aufklärung der Störerlage". Gipfelgegner sprachen von einer Begehung der Polizei ohne Durchsuchungsbeschluss. Die Polizei berichtete dagegen, sie habe keine Begehung gemacht. "Auch war zu keinem Zeitpunkt eine Räumung beabsichtigt", erklärte Polizeiführer Knut Abramowski. Nach übereinstimmenden Angaben beider Seiten war die Aktion am Abend bereits wieder beendet.

+++Polizei fordert Verstärkung an+++

[23:31] Die Polizei hat nach Informationen der Deutschen Presseagentur zwei weitere Hundertschaften zur Verstärkung beordert. Es kämen Einheiten aus Bremen und Schleswig-Holstein, die besonders mit Deeskalationsstrategien erfahren seien, erfuhr die Agentur aus Polizeikreisen. Die Einsatzleitung "Kavala" dementierte allerdings Berichte, sie habe Verstärkung aus dem gesamten Bundesgebiet angefordert. Die genannte vierstellige Zahl zusätzlicher Polizisten könne logistisch gar nicht bewältigt werden, hieß es. "Für so viele hätten wir gar keine Unterkünfte mehr.

+++ Polizei dementiert Einsatzkräfte-Mangel +++

[22:45] Die Polizei demonstriert Berichte, sie habe Verstärkung aus dem gesamten Bundesgebiet geordert. Die 16 000 Polizisten reichten aus, es sei keine Verstärkung angefordert worden, sagte eine Sprecherin der Polizei- Sondereinheit Kavala. Das "Hamburger Abendblatt" hatte berichtet, es solle eine vierstellige Zahl von Einsatzkräften hinzukommen, Hundertschaften aus Hamburg und Berlin seien unterwegs.

+++ Polizei zieht Wasserwerfer zurück +++

[22:18] Kontrollpunkt Rennbahn: Die Wasserwerfer der Polizei ziehen sich zurück. Die Demonstranten bereiten sich darauf vor, die Nacht im Freien zu verbringen.

+++ Vorwürfe gegen Polizei +++

[21:37] Der Anwaltliche Notdienst der Demonstranten erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Demnach sollen während der Blockadeaktion vor dem Zaun in Heiligendamm vermummte Zivilpolizisten in die Demonstrantenmenge eingeschleust worden sein. Augenzeugenberichten zufolge fiel am Abend eine Gruppe von vier bis fünf schwarz gekleideten jungen Männern auf, die sich außergewöhnlich aggressiv gegenüber der Polizei verhielten. Als Protestler die Männer nach ihrer Herkunft und Identität befragt hätten, seien diese geflohen. Einer sei jedoch festgehalten und als Zivilpolizist erkannt worden.

Blockade geräumt - 136 Festnahmen

+++ Beamte dringen in G-8-Gegner-Camp ein +++

[21:19] Die Polizei ist am Abend mit einer großen Zahl von Beamten in eines der drei Camps der Gipfelgegner eingedrungen. Die Beamten hätten eine Begehung im Camp Rostock gemacht, sagte eine Sprecherin der Polizei-Sondereinheit Kavala. Der Einsatz sei inzwischen abgeschlossen, fügte sie hinzu. Camp-Verantwortlicher Andi Henner sagte, rund 120 Beamte hätten das Camp betreten. "Sie hatten keinen Durchsuchungsbeschluss", so Henner. Nachdem die Camp-Verantwortlichen der Begehung widersprochen hätten, habe sich die Polizei nach einigem Zögern zurückgezogen.

+++ Polizei löst zwei von drei Blockaden auf +++

[20:57] Die Polizei hat am Abend nach eigenen Angaben zwei Straßenblockaden von G-8-Gipfel-Kritikern aufgelöst und 141 Personen festgenommen. In Börgerende hätten etwa 70 Demonstranten freiwillig die Straße geräumt. Am Kontrollpunkt Hinter Bollhagen seien die Ordnungskräfte mit Wasserwerfern gegen die Blockierer vorgegangen. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurden 24 weitere Personen zur Unterbindung von Straftaten in sogenannten Gewahrsam genommen.

+++ Abendessen: Politiker verlassen Heiligendamm +++

[20:43] Die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten haben sich am Abend aus dem umzäunten Gelände herausgewagt. Zum Abendessen hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Ehegatte Joachim Sauer die Gipfelgäste und ihre Partner auf das Gut Hohen Luckow 25 Kilometer von Heiligendamm entfernt geladen. Musik von Bach, Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy sowie ein Dinner wurden den Gästen geboten. Rund um den 300-Seelen-Ort war es ruhig, von Demonstranten keine Spur.

+++ Putin will über US-Raketenabwehrpläne sprechen +++

[20:24] Der russische Präsident Wladimir Putin will bei seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush in Heiligendamm in aller Klarheit über die von Moskau kritisierten US-Raketenabwehrpläne reden. "Wir werden offen und direkt sprechen und erwarten ihre Argumente", sagte Putins außenpolitischer Berater Sergej Prichodko heute. Die Raketenabwehr sei ein "schwieriges und sehr wichtiges Thema".

+++ Möglicherweise Polizist verprügelt +++

[19:41] Am Sicherheitszaun um Heiligendamm ist die Situation kurzzeitig eskaliert. Am Blockadepunkt Galopprennbahn wurde eine Person von mehr als einem Dutzend vermummter Demonstranten angegriffen. Möglicherweise handelte es sich um einen Polizisten, der in der Autonomen-Kleidung unter den Blockierern war. Der Mann wurde von Kräften des anwaltlichen Notdienstes der Demonstranten aus der Notlage befreit und zur Linie der Polizisten gebracht, die ihn in ihre Reihen zogen.

+++ Polizei räumt Blockade - 136 Festnahmen +++

[19:30] Die Polizei hat heute eine nicht genehmigte Demonstration am Rande des G-8-Gipfels geräumt. Eine Blockade mit etwa 2500 Teilnehmern sei aufgelöst worden, sagte ein Polizeisprecher. Dabei seien auch Wasserwerfer eingesetzt worden. 136 Personen seien festgenommen, 23 weitere in Gewahrsam genommen worden, sagte der Sprecher weiter. Mit der Polizeiaktion sei der Zugang zum Gipfelort Heiligendamm an der Kontrollstelle Hinter Bollhagen wieder frei.

+++ Proteste schlagen in Gewalt um +++

[19:33] Friedliche Proteste gegen den G8-Gipfel sind am Abend wieder in Gewalt umgeschlagen. Kurz vor einem feierlichen Abendessen der Staats- und Regierungschefs auf Gut Hohen Luckow fuhren erneut Wasserwerfer auf, um Tausende Demonstranten vom eingezäunten Tagungshotel fernzu halten. Polizisten schlugen mit Gummiknüppeln zurück, als Steine auf sie niedergingen. Es gab Verletzte.

"Die Polizei ist personell am Ende"

+++ G-8-Gipfel wird eröffnet +++

[19:18] Mit einem festlichen Abendessen hat am Abend der G8-Gipfel in Heiligendamm begonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfing die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands im Rittersaal auf Gut Hohen Luckow südlich von Heiligendamm.

+++ Polizei beginnt mit Räumungen +++

[19:02] Die Polizei hat damit begonnen, blockierte Straßen am Zaun rund um den G-8-Gipfel zu räumen. Beim Kontrollpunkt Hinter Bollhagen wurde eine Blockade von mehreren hundert Menschen am Sicherheitszaun aufgelöst. Wasserwerfer wurden eingesetzt. Auch berittene Polizei war vor Ort. Auch in Börgerende wurde mit der Räumung der besetzten Straße begonnen. Etwa 70 Teilnehmer einer Sitzblockade wurden aufgefordert, ihre Aktion zu beenden. Unter Polizeigeleit wurden sie zu einer größeren Gruppe von Demonstranten im Ort geführt. Dort gab es keine Gegenwehr.

+++ Sieben Randalierer von Rostock verurteilt +++

[18:58] Vier Tage nach den Rostocker Krawallen vor dem G-8-Gipfel sind erstmals Gefängnisstrafen gegen ausländische Gewalttäter verhängt worden. Das Amtsgericht Rostock verurteilte nach eigenen Angaben heute im Schnellverfahren insgesamt sieben Gewalttäter wegen ihrer Beteiligung an den Straßenschlachten mit der Polizei. Nach Worten eines Sprechers handelt es sich um drei Deutsche, zwei Spanier, einen Russen und einen Polen zwischen 20 und 29 Jahren. Sie hätten Haftstrafen zwischen sechs und zehn Monaten erhalten, in zwei Fällen auf Bewährung.

+++ Freiberg nennt Polizei "personell am Ende" +++

[18:49] Die Polizei rüstet personell nach. Für den Einsatz in Heiligendamm wurden nach Informationen des "Hamburger Abendblattes" bundesweit Polizisten nachgefordert. Der Vorsitzende Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, wies darauf hin, dass dafür das "letzte Aufgebot" mobilisiert werden musste. Der Zeitung sagte er: "Die Polizei ist personell am Ende." Zu den bereits 16.000 Polizisten werde nach Informationen des Blattes eine vierstellige Zahl von Einsatzkräften hinzukommen. Aus Hamburg und Berlin machten sich demnach jeweils zwei Hundertschaften auf den Weg.

+++ Erneuter Sturm auf den Zaun +++

[18:45] Die Lage am Sicherheitszaun hat sich weiter zugespitzt. Hunderte Demonstranten stürmten auf die Sperr-Einrichtung zu und rissen auf rund 200 Metern Maschendraht ab. Ein Vermummter versuchte, den 2,50 Meter hohen Sicherheitszaun zu erklettern. Dutzende Vermummte riefen: "Der Zaun muss weg."

+++ Polizei befürchtet Eskalation an der Rennbahn +++

[18:35] Am Sicherheitszaun um Heiligendamm droht am Blockadepunkt Rennbahn nach Einschätzung der Polizei eine Eskalation. Wie die Polizei mitteilte, würden sich vor dem Durchgang in einer Gruppe von 9000 bis 10.000 Demonstranten Autonome vermummen und bewaffnen. Die Bewaffnung bestehe aus Molotow-Cocktails und Steinen.

+++ Polizei durchsucht Greenpeace-Schiff +++

[18:30] Die Polizei hat im Seegebiet vor Heiligendamm ein Schiff der Umweltorganisation Greenpeace durchsucht. Dabei seien die Motoren von vier der fünf Schlauchboote an Bord der "Arctic Sunrise" unbrauchbar gemacht worden, bestätigte die Polizei Angaben von Greenpeace. Zudem sei ein Heißluftballon sichergestellt worden. Die Umweltschützer nannten die Durchsuchung eine "Kriminalisierung gewaltfreier Demonstrationen". Greenpeace kritisiert an der Politik der G8-Staaten vor allem, dass sie sich bislang nicht auf eine verbindliche Reduzierung der Treibhausgase geeinigt haben.

+++ "Beamte wirken wie Zombies" +++

[18:17] Die Deutsche Polizeigewerkschaft kritisiert die hohe Einsatzbelastung der bayerischen Polizisten beim G-8-Gipfel. "Mit täglichen Dienstzeiten von bis zu 20 Stunden werden die Einheiten der Bereitschaftspolizei regelrecht verheizt", sagte der Chef des bayerischen Landesverbands, Hermann Benker, in München. Er bemängelte, die Ruhezeiten zwischen den langen Einsätzen würden für die Polizisten auf bis zu fünf Stunden reduziert. Die Beamten wirkten wegen totaler Übermüdung bereits zur Halbzeit des Einsatzes "wie Zombies". Nur ausgeruhte Einsatzkräfte könnten aber in kritischen Situationen überlegt und rechtlich einwandfrei handeln. Innenstaatssekretär Georg Schmid (CSU) kritisierte, Benker wolle wohl "mögliches künftiges Fehlverhalten von Polizisten herbeireden und vorsorglich der Politik in die Schuhe schieben". Das sei "verantwortungslos".

+++ Bono berichtet von Krach mit Merkels Stab +++

[18:10] Die Rockstars und Afrika-Aktivisten Bob Geldof und Bono haben sich nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch über die Chancen für eine Einigung bei der Afrikahilfe auf dem G-8-Gipfel geäußert. Es habe einen "großen Krach", mit ihrem Mitarbeiterstab gegeben, sagte Bono. "Es war ein richtiger Streit", fügte er hinzu. "Wir stimmen in dem Ziel überein, aber nicht in dem Weg dorthin." Die Rockstars befürchten, dass der Gipfel in Heiligendamm nicht bereit ist, den Umfang der bereits vor zwei Jahren auf dem G-8-Gipfel in Gleneagles zugesagten Entwicklungsgelder noch einmal ausdrücklich zu bestätigen.

+++ Vier weitere Männer zu Haftstrafen verurteilt +++

[17:40] In Rostock sind vier weitere Männer zu Haftstrafen bis zu zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Rostock befand sie in beschleunigten Verfahren für schuldig, Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Unter den 20 bis 28 Jahre alten Verurteilten waren ein Deutscher, zwei Spanier und ein Pole.

+++ Bush will Bono und Geldof treffen +++

[17:36] US-Präsident George W. Bush wollte noch vor dem offiziellen Beginn des G-8-Gipfels am Abend mit den Rockstars Bono und Bob Geldof zusammen treffen. Bei dem Gespräch, an dem auch Laura Bush teilnehmen werde, soll es vor allem um die Frage einer verstärkten Hilfe für Afrika sowie den Kampf gegen Aids und Malaria gehen, sagte US-Sicherheitsberater Stephen Hadley in Heiligendamm.

+++ Laura Bush macht Klimapolitik +++

[17:24] Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekommt beim G-8-Gipfel nicht nur Gegenwind von US-Präsident George W. Bush - sondern auch von dessen Frau Laura. "Jedes Land soll seine eigenen Ziele festlegen und dann kann man sehen, wie man zusammen kommen kann, um diese Ziele zu erreichen", sagte Laura Bush in Schwerin in einem Interview der Sendung "RTL aktuell". Merkel wollte in Heiligendamm die Staaten auf gemeinsame, konkrete Ziele zum Abbau der Treibhausgas-Emissionen festlegen. Bushs Klimaberater Jim Connaughton hatte aber bereits am Morgen konkrete Festlegungen der G-8 zum Klimaschutz ausgeschlossen. Die First Lady der USA lobte zugleich die "direkte Art" der Kanzlerin: "Sie sagt, was sie denkt und man weiß, wenn man dem nicht zustimmt, kann man genauso seine Meinung äußern."

Polizei: Keine Verletzten ausgeflogen

+++ Putin zum Gipfel eingetroffen +++

[16:58] Der russische Präsident Waldimir Putin ist in Heiligendamm eingetroffen. Putins Auftritt wird beim G-8 mit besonderer Spannung erwartet. Die Beziehungen Russlands zu Europa und den USA sind wegen des von Washington geplanten Raketenschutzsystems in Polen und Tschechien angespannt. Der 54- Jährige wird im Lauf des Tages zu bilateralen Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammentreffen.

+++ Polizei stellt Krähenfüße sicher +++

[16:43] Die Polizei meldet, sie habe vor Kühlungsborn bei Heiligendamm so genannte Krähenfüße auf einer Straße gefunden. Dabei handelt es sich um scharfe Metallteile, die Reifen aufschlitzen können. Außerdem sei dort auf der Fahrbahn auch eine Flüssigkeit unbekannter Herkunft entdeckt worden, sagte ein Sprecher der Polizei-Sondereinheit. Kühlungsborn liegt wenige Kilometer westlich von Heiligendamm. In dem Ort ist das internationale Medienzentrum aufgebaut. Laut Polizeisprecher würden zur Zeit die Straßen dort kontrolliert. Woher die Krähenfüße kommen, wisse man nicht.

+++ Alternativgipfel diskutiert "Klimagerechtigkeit" +++

[16:30] Am zweiten Tag des "Alternativgipfels" in Rostock haben rund 1500 Globalisierungskritiker an den Diskussionen und Workshops teilgenommen. Allein 400 bis 500 Menschen hätten die zentrale Podiumsdiskussion über "Klimagerechtigkeit" besucht, sagte Jan Tilman Günther vom Organisationsteam. Dabei geht es darum, die Idee von sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit mit dem Klimaschutz zu vereinbaren. Laut Greenpeace sind die G-8-Staaten für 50 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Erderwärmung werde Millionen Klimaflüchtlinge aus Afrika nach Europa treiben.

+++ Blair in Rostock-Laage gelandet +++

[16:13] Der britische Premier Tony Blair ist eingetroffen. Sein Flugzeug landete auf dem Flughafen Rostock-Laage. Es wird Blairs letzter G-8-Gipfel - nach über zehn Jahren im Amt hat der 53-Jährige seinen Rücktritt zum 27. Juni angekündigt.

+++ Catering für Blockierer +++

[16:10] Die G-8-Gegner haben auch ans leibliche Wohl gedacht. Demonstranten, die eine Straße bei Börgerende blockieren, wurden regelmäßig mit Brot und anderen Lebensmitteln versorgt, das Autos anlieferten.

+++ Sarkozy in Rostock-Laage eingetroffen +++

[15:53] Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist zum G-8-Gipfel auf dem Flughafen Rostock-Lage eingetroffen.

+++ Huber ruft zum Gewaltverzicht auf +++

[15:43] Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, hat an die Globalisierungskritiker in Heiligendamm appelliert, auf jegliche Gewalt zu verzichten. Alle Anstrengungen müssten dahingehen, "dass die inhaltlichen Erwartungen, die wir an Heiligendamm haben, nicht überlagert werden durch Bilder der Gewalt", sagte Huber wenige Stunden vor der Eröffnung des 31. Evangelischen Kirchentages in Köln.

+++ Blockade-Organisatoren zeigen sich zufrieden +++

[15:35] Die Organisatoren der Blockaden des G-8-Tagungsorts Heiligendamm haben ihre Aktionen als "großen Erfolg" gewertet. "Wir haben zwei Zufahrtsstraßen zum G-8-Gipfel erfolgreich eingenommen. Damit sind wir sehr zufrieden", sagte Christoph Kleine von der Gruppe Block G-8. Nach seinen Angaben haben etwa 5000 bis 6000 Personen aus dem Camp Reddelich eine Zufahrtsstraße zwischen Bad Doberan und Heiligendamm blockiert. Rund 3000 weitere seien aus dem Camp Rostock in das zwei Kilometer entfernte Börgerende gezogen und hätten dort ebenfalls eine Straße blockiert. Laut Kleine blieb die Lage an der ersten Blockade völlig ruhig, während die Polizei an der zweiten Stelle mit einem Wasserwerfer gegen die Demonstranten vorgegangen sei. Kleine sagte, die Demonstranten seien der Bitte der Polizei nachgekommen, 250 Meter Abstand zum Zaun um Heiligendamm zu halten.

+++ Polizei: Keine Verletzten ausgeflogen +++

[15:23] Die Polizei meldet, die Lage rund um Heiligendamm habe sich beruhigt. Polizeisprecher Axel Falkenberg wies auf die anhaltende Gesprächsbereitschaft gegenüber den Demonstranten hin. Beim Einsatz von Wasserwerfern sei zwar die Deeskalationsstrategie der Polizei kurzzeitig beendet worden. Es zeige sich aber auch, dass der Gesprächsfaden trotzdem nicht abgerissen sei. Die Polizei revidierte ihre Angaben, dass mehrere verletzte Polizisten mit Hubschraubern ausgeflogen worden seien. Es gebe acht verletzte Beamte. Diese würden vor Ort ambulant versorgt.

+++ Sicherheitsrisiken durch den Klimawandel +++

[14:56] Der Umweltbeirat der Bundesregierung warnt in einem Gutachten vor massiven Sicherheitsrisiken durch den Klimawandel. "In diesem Jahrhundert wird es keine friedliche Weltgesellschaft geben, wenn wir den Klimawandel nicht begrenzen können", sagte der Vize-Vorsitzende des Beirats, Hans Joachim Schellnhuber, in Berlin. Bei einem Scheitern des Klimaschutzes müsste sich die internationale Politik ab 2025 auf klimabedingte Konflikte einstellen.

+++ Gipfel nicht Topthema in internationaler Presse +++

[14:49] Der Gipfel der sieben größten Industrienationen und Russlands in Heiligendamm war in der internationalen Presse heute keineswegs das Spitzenthema. Obwohl inzwischen fast 5000 Journalisten an der Ostseeküste versammelt sind, waren deren Berichte meist nur in den Innenteilen der Blätter zu finden. Fast übereinstimmend meinen die Printmedien - wie etwa in Kanada -, dass der Raketenstreit zwischen Moskau und Washington zentrales Thema des Gipfels sein wird. Die Kommentare reichen vom "Showdown" bis hin zum wiederbelebten "Kalten Krieg".

+++ Merkel nach Treffen mit Bush optimistisch +++

[14:33] Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich kurz vor Beginn des G-8-Gipfels optimistisch über mögliche Fortschritte in der Klimaschutz-Debatte geäußert. Merkel sagte nach einem rund eineinhalbstündigen Treffen mit US-Präsident George W. Bush, es gebe gute Chancen, gemeinsame Positionen zufinden. Es habe ein hohes Maß an Übereinstimmung gegeben. An einigen Stellen müsse aber noch gearbeitet werden. Bush dankte Merkel für ihre Führungsstärke vor dem Gipfel und stellte eine Vereinbarung für eine Nachfolgeregelung des Kyoto-Protokolls in Aussicht.

+++ Blair will Bush gut zureden +++

[14:27] Der scheidende britische Premierminister Tony Blair will US-Präsident George W. Bush auf dem G-8-Gipfel zu einem Klimaabkommen bewegen. Der Regierungschef sei überzeugt, dass eine globale Vorgabe zur Reduzierung der Treibhausgase unter dem Dach der Vereinten Nationen erreicht werden kann, berichtete die britische Zeitung "Guardian" nach einem Interview mit Blair. Bushs Klima-Initiative sei kein "Trick" gewesen, die Uno oder G-8 zu untergraben, sagte Blair. Die USA seien "in Bewegung".

+++ Verletzte Polizisten mit Helikoptern ausgeflogen +++

[14:15] Mehrere verletzte Polizeibeamte sind mit Hubschraubern aus der Umgebung von Heiligendamm ausgeflogen worden. Ein Polizeisprecher bestätigte entsprechende dpa-Informationen. Über die Zahl der verletzten Beamten machte er keine Angaben. Beobachter vor Ort melden weiter, dass Polizisten zur Verstärkung der Kräfte vor Ort mit Hubschraubern eingeflogen werden.

Sicherheitszaun an mehreren Stellen erreicht

+++ Kanadas Regierungschef Harper eingetroffen +++

[14:09] Der kanadische Regierungschef Stephen Harper ist in Heiligendamm angekommen. Harper war bereits am Montag in Berlin mit Bundeskanzlerin Merkel zusammengetroffen. Am Dienstag hatte der 47-Jährige nach einem Gespräch mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erklärt, im Kampf gegen den Klimawandel möglichst ehrgeizige Ziele festlegen zu wollen.

+++ Sternmarsch bleibt verboten +++

[13:42] Der für morgen zum Tagungsort des G-8-Gipfels in Heiligendamm geplante Sternmarsch von Globalisierungskritikern bleibt verboten. Das Bundesverfassungsgericht wies heute einen gegen das Verbot gerichteten Eilantrag ab.

+++ Sicherheitszaun an mehreren Stellen erreicht +++

[13:31] Demonstranten haben an mehreren Stellen den Sicherheitszaun um den G-8-Tagungsort erreicht, teilte die Polizei mit. Der mehr als 12 Kilometer lange Zaun sei aber nicht überwunden worden.

+++ Merkel trifft Bono und Bob Geldof +++

[13:18] Kanzlerin Angela Merkel trifft unmittelbar vor Beginn des G-8-Gipfels heute Nachmittag auch Bono und Bob Geldof. Die beiden Popstars wollen die G-8-Präsidentin dazu auffordern, auf eine Umsetzung der Versprechen gegenüber Afrika zu dringen. Morgen tritt Bono zusammen mit Herbert Grönemeyer, den Toten Hosen und weiteren Pop-Größen unter dem Motto "Stimmen gegen Armut" bei einem großen Konzert in Rostock auf.

+++ Japans Premier Abe trifft in Heiligendamm ein +++

[12:37] Japans Premierminister Shinzo Abe, 52, ist am Mittag auf dem Flughafen Rostock-Laage eingetroffen. Abe ist seit 2006 im Amt und vertritt sein Land zum ersten Mal im Kreis der Staats- und Regierungschefs. Er hatte noch am Vorabend in Berlin klargemacht, dass Japan auf dem Gipfel nur zu einem allgemeinen Bekenntnis zum langfristigen weltweiten Abbau der Treibhausgase bereit ist.

+++ Mehrere Straßen blockiert +++

[12:26] Globalisierungskritiker haben die Autobahn 19 nahe des Rostocker Flughafens blockiert. Laut Polizei wurde auch die Bundesstraße 105 bei Sievershagen zwischen Rostock und Bad Doberan blockiert. Eine weitere Blockade bestehe zwischen Reddelich und Bad Doberan.

+++ Weitere Haftstrafen verhängt +++

[12:22] Nach den schweren Ausschreitungen vom Wochenende in Rostock sind zwei weitere Männer zu mehrmonatigen Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Rostock erklärte zwei junge Spanier für schuldig, Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Sie wurden zu neun und zehn Monaten Haft verurteilt.

+++ Wasserwerfer gegen G-8-Demonstranten +++

[12:16] Die Polizei ist wenige Kilometer vom G-8-Tagungsort entfernt mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Anti-G-8-Demonstranten vorgegangen. Sie hatten hatten östlich von Heiligendamm versucht, eine Zufahrtsstraße zu erreichen.

+++ Autobahn nach Rostock für Kontrollen gesperrt +++

[12:11] Polizeikontrollen und zeitweise Sperrungen auf der Autobahn 19 in Höhe des Flughafens Rostock-Laage sorgen seit dem Morgen für lange Staus in Richtung. Kurz vor dem Abzweig zum Flughafen wurden die Fahrbahnen eingeengt. Auf den Überführungen der Autobahn stehen Panzerwagen der Bundeswehr. Es gibt immer wieder Vollsperrungen, um die Diplomaten-Konvois passieren zu lassen. Für Behinderungen sorgen auch umfangreiche Fahrzeug-Kontrollen.

+++ Polizeiverstärkung in Vorder Bollhagen +++

[12:07] Am Ort der Blockade in Vorder Bollhagen hat die Polizei weitere Kräfte zusammengezogen. Es soll erste kleinere Rangeleien mit Demonstranten gegeben haben.

+++ Globalisierungskritiker blockieren "Molli" +++

[11:54] Globalisierungskritiker haben die Strecke der Bäderbahn "Molly" zwischen Kühlungsborn und der Hotelanlage in Heiligendamm blockiert. Mit dieser von einer Dampflokomotive gezogenen Bahn werden Journalisten aus dem Pressezentrum in Kühlungsborn transportiert.

+++ Zufahrtstraße blockiert +++

[11:56] Die Zufahrt zum G-8-Gipfel in Heiligendamm ist blockiert. Tausende Globalisierungskritiker haben die Straße in Vorder Bollhagen abgeriegelt. Friedfertige Demonstranten versuchen die Polizei davon zu überzeugen, dass sie keine Gewaltaktionen planen. Unter die Menschen habe sich Vermummte gemischt., sie sammeln Steine.

+++ Weitere Blockaden angekündigt +++

[11:43] Die Demonstrations-AG hat neben den bereits angelaufenen Blockadeaktionen nahe dem Tagungsort Heiligendamm auch vier Blockadeversuche im Raum des Flughafens Rostock-Laage angekündigt.

Ausländer bei Einreise in Rostock abgewiesen

+++ WTO-Chef für Erweiterung der G-8 +++

[11:40] Der Chef der Welthandelsorganisation (WTO), Pascal Lamy, hat sich für die Erweiterung der G-8-Runde um wichtige Entwicklungsstaaten ausgesprochen. "Wir müssen eher in eine Richtung der G-20 als in die Richtung einer G-5 gehen", sagte Lamy im Radiosender France Culture. Ohne Länder wie China, Indien, Indonesien oder Brasilien seien "keine ernsthaften Gespräche" mehr möglich.

+++ Demonstranten erreichen letzte Sicherheitsschleuse +++

[11:34] G-8-Kritiker haben die letzte Sicherheitsschleuse vor dem Zaun in Heiligendamm erreicht. SPIEGEL-ONLINE-Reportern zufolge ist die Situation sehr angespannt. Gewaltbereite diskutieren mit friedlichen Demonstranten über das weitere Vorgehen.

+++ Polizei will nicht jede Blockade unterbinden +++

[11:31] Die Polizei will um den G-8-Veranstaltungsort nicht zwangsläufig jede Blockade unterbinden. Wenn es sich um eine friedliche Aktion handele und die Demonstranten sich "ein paar Minuten" auf die Straße setzten, sei das nicht automatisch eine Ordnungswidrigkeit, gegen die vorgegangen werde, sagte ein Polizeisprecher.

+++ Barroso in Heiligendamm eingetroffen +++

[11:10] EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso ist in Heiligendamm eingetroffen. Barroso wurde auf dem Flugplatz Rostock-Laage von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Harald Ringstorff begrüßt. Anschließend flog der EU-Kommissionspräsident mit einem Hubschrauber weiter in das Ostseebad.

+++ Ausländer bei Einreise in Rostock abgewiesen +++

[11:09] Im Fährhafen Rostock ist sechs aus Dänemark kommenden Ausländern die Einreise verweigert worden. Laut Bundespolizei sind bei den aus Dänemark, Großbritannien und Norwegen stammenden Personen für Autonome und Gewalttäter szenetypische Utensilien wie schwarze Kapuzen-Shirts und Vermummungsgegenstände gefunden worden.

+++ Tausende Demonstranten umgehen Polizeisperre +++

[10:49] Mehrere tausend Demonstranten haben auf dem Weg zum Tagungsort eine Polizeisperre umgangen. Kurz nach Aufbruch vom Camp in Reddelich bei Bad Doberan standen sie rund 50 Polizisten gegenüber, die eine Landstraße abriegelten. Daraufhin rannten die Demonstranten in einen angrenzenden Wald. Auf der anderen Seite des Forstes hinderten sie Polizeiautos kurzzeitig an der Verfolgung, indem sie große Äste auf die Straße warfen.

+++ Polizei veruntersagt NPD-Kundgebung in Rostock +++

[10:48] Die Polizei hat die für Donnerstag in Rostock geplante Demonstration der rechtsextremen NPD untersagt. Man halte es für völlig unmöglich, dass derzeit eine solche Demonstration in der Stadt stattfinden könne, sagte ein Sprecher des Polizeiführungsstabes Kavala. Die NPD-Landtagsfraktion hatte die Demo am Montag bei der Stadtverwaltung angemeldet.

+++ USA: Kein langfristiges Klimaziel in G-8-Abschlusserklärung +++

[10:32]Die USA wollen sich auch während des G-8-Gipfels nicht auf konkrete langfristige Klimaziele einlassen. In der Abschlusserklärung würden solche Ziele nicht auftauchen, kündigt ein Vertreter der USA in Heiligendamm an.

+++ Erste Demonstranten am Flughafen +++

[10:10] Am Flughafen Rostock-Laage sind wenige Stunden vor der Ankunft weiterer Staatschefs die ersten Demonstranten eingetroffen. Einige G-8-Kritiker postierten sich an der Zufahrt zum zivilen Flughafenteil bei Weitendorf, andere bauten einen Info-Stand unweit des Fliegerhorstes an der B 103 im Ortsteil Kronskamp auf.

+++ Blockadeaktionen laufen an +++

[9:45] Die ersten G-8-Gegner haben sich zu Blockadeversuchen am Flughafen Rostock-Laage und dem Gipfelort Heiligendamm in Bewegung gesetzt. Aus dem Camp Reddelich westlich von Rostock setzten sich rund 6000 Personen mit Ziel Admannshagen in Bewegung. Dort solle einen Mahnwache abgehalten und eine Zufahrtstraße nach Heiligendamm blockiert werden. Auch vier Blockadeversuche im Raum des Flughafens Rostock-Laage sollen stattfinden.

+++ Blair will offene Diskussion mit Putin +++

[8:56] Tony Blair will eine "offene Diskussion" mit Wladimir Putin über dessen Raketendrohung führen. Eine "angekratzte" Beziehung mit dem Westen sei nicht in Russlands Interesse, sagte der britische Premier Blair dem Sender BBC. Die Gefahr eines "neuen Kalten Kriegs" gebe es aber nicht.

+++ Köhler bewertet Bushs Klimainitiative positiv +++

[8:44] Bundespräsident Köhler lobt die Klimainitiative von George W. Bush trotz ausstehender verbindlicher Zusagen für den G8-Gipfel. "15 Staaten einzubinden, ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Vorschlag sei im Kern weiterführend. "Wir sollten darin mehr erkennen als einen Trick, sich aus der Ecke heraus zu bewegen."

+++ G-8-Gegner planen 30 Aktionen +++

[8:30] Die Nacht vor Beginn des G8-Gipfels in Heiligendamm ist ruhig verlaufen. Der Sprecher der Polizei- Sondereinheit Kavala, Ulf Erler, sprach im ZDF-Morgenmagazin von einer "völlig entspannten und sehr angenehmen Nacht" für die Sicherheitskräfte. Heute seien etwa 30 Versammlungen, Veranstaltungen und Aktionen der G8-Gegner geplant, sagte Erler.

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